Smart City Index: Wie smart sind unsere Städte?

Stand: 21.09.2022, 13:06 Uhr

Vier Städte aus NRW sind beim "Smart City Index" des Branchenverband Bitkom unter den "Top 10" gelandet. Weitere Städte in Einzelkategorien positiv aufgefallen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, wie der Index entsteht – und was er tatsächlich über den Grad der Digitalisierung aussagt.

Aachen, Bochum, Düsseldorf, Köln – vier Städte aus NRW landen im Top-10-Ranking des Branchenverband Bitkom im "Smart City Index" auf den ersten Plätzen. Dazu wurden deutsche Städte auf den Grad der Digitalisierung untersucht und in fünf Kategorien bewertet. Von Online-Bürger-Services über Sharing-Angebote für Mobilität und intelligente Ampelanlagen bis hin zur Breitbandverfügbarkeit.

Kleinere Städte aus NRW wie Paderborn oder Gelsenkirchen waren in einzelnen Kategorien herausragend. So schnitt Paderborn beim Thema "Energie und Umwelt“ besonders gut ab. Gelsenkirchen ist laut Bitkom "spitze in IT und Kommunikation“.

Zahlreiche Kriterien für die Bewertung

Die Städte melden ihre Daten in fünf Kategorien und diversen Disziplinen

Mit dem Smart-City-Index vergleicht der Branchenverband Bitkom jährlich (nun bereits zum vierten Mal) den Grad der Digitalisierung in deutschen Großstädten ab 100.000 Einwohnern. Dazu werden rund 133 Parameter in fünf übergeordneten Themenbereichen abgefragt: Verwaltung, Energie/Umwelt, Mobilität, IT-Infrastruktur und Gesellschaft.

Kriterien sind zum Beispiel, wie viele Elektrofahrzeuge es gibt, ob und wie intensiv Car Sharing angeboten wird, ob die Stadt über smarte Beleuchtungssysteme verfügt und wie hoch der Grad der Digitalisierung in der Verwaltung ist.

Städte melden die Daten selbst

Doch um das Ranking verstehen und bewerten zu können, muss man die Kategorien kennen und auch wissen, was eigentlich bewertet wurde – und wie. Wichtig ist zum Beispiel, dass die Städte selbst die entsprechenden Daten abgeliefert haben.

Ein "Bitkom Research" Team überprüft die eingereichten Daten und ergänzt sie auch, wo nötig. Ob eine gemeldete Einrichtung wie ein "digitales Bürgeramt" aber auch tatsächlich zuverlässig und für die Bürger zufriedenstellend funktioniert, fließt nicht in die Bewertung ein.

Objektivität des Index umstritten

Vier Städte aus NRW haben es unter die Top10 geschafft, weitere Städte in einzelnen Disziplinen

Die Methodik ist nicht unumstritten. Denn lässt sich eine "Smart City“ überhaupt objektiv messen, beurteilen und in einer Liste vergleichen? Im Detail eher nicht. Michael Pfefferle, Bereichsleiter Smart City und Smart Region bei Bitkom sieht laut Tagesspiegel den Sinn des Index vor allem darin, "erfolgreiche Arbeit im Bereich Digitalisierung vor Ort sichtbar zu machen" – und als "Ansporn zu fungieren".

Im Bereich Nachhaltigkeit gibt es allerdings noch Nachholbedarf: Hier wären mehr Kriterien wünschenswert – und damit auch ein stärkerer Fokus. Der Branchenverband bewertet bereits Aspekte wie "smarte" Straßenbeleuchtung, die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge oder die Anzahl emissionsarmer Busse. Doch gerade in diesem Bereich ist deutlich mehr möglich, was das Label "smart verdient, etwa intelligente Verkehrslenkung oder smarte Klimakonzepte für öffentliche betriebene Gebäude.

Wichtig: Versorgung mit Breitband

Für die Menschen direkt relevant ist die Verfügbarkeit von Breitband (Glasfaser) und Mobilfunk, idealerweise das schnelle 5G. In diesem Punkt bundesweit am besten schneidet Gelsenkirchen ab: Hier können sich die Menschen über die beste Versorgung mit schnellem Onlinezugang freuen – elementar für jeden, der an den Möglichkeiten der Digitalisierung privat oder als Unternehmer teilhaben möchte.

So wichtig es ist, leuchtende Beispiele zu nennen: Es gibt eben immer noch zu viele "schwarze Flecken“, also Gebiete mit schlechter Breitbandversorgung und ohne Mobilfunk. Deutschland ist insgesamt in diesem Punkt bestenfalls Mittelfeld. Platz 34 laut "Speedtest Global Index“.

Über den Autor

Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.

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