Zu viele Wildschweine im rechtsrheinischen Köln

Stand: 13.09.2021, 09:47 Uhr

In den rechtsrheinischen Kölner Stadtteilen gibt es zurzeit besonders viele Probleme mit Wildschweinen. Anwohner melden immer häufiger Tiere, die durch Wohnsiedlungen laufen oder Gärten zerwühlen.

Von Celina de Cuveland

Meistens machen sich die Wildschweine auf der Nahrungssuche nachts oder in der frühen Morgendämmerung auf den Weg in Wohnsiedlungen, erklärt Joachim Cohnen, Förster im Forstbetriebsbezirk Königsforst. Die Tiere wühlen in den Gärten auf der Suche nach Würmern und kleinen Insekten, die ihnen Eiweiß liefern. Bis zu 30 Tiere stark seien die Rotten, die im Rechtsrheinischen gesehen wurden. Für die Anwohner, deren Gärten von den Tieren durchwühlt werden, keine angenehme Tatsache.

Keine Vorfälle auf Friedhöfen

Betroffen seien etwa Bürger und Bürgerinnen in den rechtsrheinischen Stadtteilen Merheim, Neubrück und Brück. "Uns wurden vor allem Sichtungen gemeldet und eben Fraßspuren in Gärten", sagt Cohnen. "Von Vorfällen auf Friedhöfen ist mir zumindest bislang nichts bekannt." In der Vergangenheit war es in Köln und Hürth vorgekommen, dass Wildschweine auf Friedhöfen nach Nahrung gesucht und dabei auch Grabbepflanzungen zerstört hatten.

Milde Winter sorgen für große Populationen

Eine Wildschweinrotte im Wald | Bildquelle: WDR/dpa

Aber weshalb kommt es zurzeit überhaupt zu diesen häufigen Zusammenstößen zwischen Wildschweinen und Menschen? Die Stadt sagt, dass es so viele Wildschweine gibt, läge an den milden Wintern in den vergangenen Jahren. Durch sie starben kaum Tiere. Aber auch daran, dass es im Wald viel Nahrung für das Schwarzwild gibt. Das sorgt dafür, dass die Wildschweine sich gut vermehren und viele ihrer Frischlinge aufziehen können.

Gesellschaftsjagden wegen Corona untersagt

Und es kommt noch ein maßgeblicher Aspekt dazu: Seit der Corona-Pandemie waren auf dem Gebiet der Stadt Köln keine Gesellschaftsjagden mehr erlaubt, bei denen Jäger mehrere Wildschweine auf einmal erlegen können. Damit sind etwa Drückjagden gemeint. Jäger "drücken" mit ihren Hunden bei solchen Jagden die Wildschweine aus ihren Verstecken, in denen sie sich tagsüber gerne aufhalten. Das können etwa Bromberrgestrüppe oder andere dichte Gehölze sein. Dann warten andere Jäger auf sogenannten "Drückjagdböcken" auf flüchtende Tiere, um einige von ihnen zu erlegen.

Zahl der Wildschweine wieder eindämmen

Ein Waldweg mit Hochsitz | Bildquelle: dpa Picture-Alliance / A. Laule

Der Vorteil dieser Art von Jagd ist, dass der Schwarzwildbestand deutlich schneller und einfacher reduziert werden kann, als bei der Ansitzjagd, bei der ein Jäger normalerweise nur ein Tier erlegen kann. Wie die Stadt Köln mitgeteilt hat, sind solche Gesellschaftsjagden nun wieder erlaubt - unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften. Das soll dafür sorgen, dass sich in Zukunft nicht mehr so viele Wildschweine im Rechtsrheinischen aufhalten und in den Wohngebieten unterwegs sind.Vorsorge bezüglich der Afrikanischen

Vorsorge bezüglich Afrikanischer Schweinepest

Und die Reduzierung der Wildschweine hat noch einen weiteren Vorteil: Wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hatten Jäger in den vergangenen Jahren Wildschweine bereits besonders intensiv bejagt. Wo es weniger Tiere gibt, kann sich die Krankheit - sollte es in absehbarer Zeit auch hier einen Fall geben - nicht so schnell ausbreiten.