Person sitzt an Tisch und hält grüne Mappe vors Gesicht, rechts von ihm zwei Männer in schwarzer Kleidung

Urteil: Ehemaliger Hückelhovener Pfarrer muss wegen Untreue ins Gefängnis

Stand: 28.08.2023, 13:18 Uhr

Das Amtsgericht Mönchengladbach hat am Montag sein Urteil gegen einen ehemaligen Pfarrer und Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden in Hückelhoven gefällt. Er muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Von Thomas Wenkert

Insgesamt soll der heute 60-Jährige von Pfarrkonten rund 100.000 Euro abgehoben haben. Dafür muss der ehemalige Geistliche zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Angeklagter gesteht vor Gericht

Vor Gericht hatte der ehemalige Priester vor wenigen Tagen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Demnach sei er von einem nigerianischen Priester kontaktiert worden, der um finanzielle Unterstützung bei sozialen Projekten gebeten habe.

Urteil: Ehemaliger Hückelhovener Pfarrer muss wegen Untreue ins Gefängnis

Nachrichten Lokalzeit aus Aachen 28.08.2023 00:41 Min. Verfügbar bis 28.08.2025


"Ich habe aus einer Mischung aus Naivität und unüberlegtem Handeln heraus Überweisungen für diverse Projekte vorgenommen", erklärte der Angeklagte vor Gericht. Und das über viele Jahre.

Angeklagter: Wurde wohl selbst Betrugsopfer 

Der Ex-Pfarrer betonte in seinem Geständnis, dass die Spendenanfragen offenbar Fakes gewesen seien. Er sei selbst Opfer eines Betruges geworden und habe seit 2016 regelmäßig Geldbeträge von den Spenden- und Kollektenkonten der Hückelhovener Pfarreien ins Ausland überwiesen.

Er habe einen Fehler begangen und wollte sich nicht selbst bereichern, erklärte der Priester. "Die Dimension des Problems ist mir erst bewusst geworden, als der Vorwurf der Geldwäsche aufkam", sagte er.

Priester mit hohen eigenen Schulden

Offenbar wollte der Priester aber auch seine eigene finanzielle Situation verbessern. Der 60-Jährige hat rund 200.000 Euro Schulden. Er gab nach mehrmaligen Nachfragen des Amtsgerichts und der Staatsanwaltschaft zu, dass er seine Schulden ausgleichen wollte.

Aufgrund seines Geständnisse konnte der Angeklagte mit einer vergleichsweise milden Strafe davonkommen. Die knapp 100.000 Euro, die durch die Machenschaften transferiert wurden, muss er laut Urteil zurückzahlen.

Auch schon in Belgien in Haft

Für die Justiz ist der Priester kein unbeschriebenes Blatt: Im August 2020 wurde er am Brüsseler Flughafen Zaventem verhaftet. Er hatte drei Kilogramm Heroin in seinem Gepäck. In Belgien musste er eine Haftstrafe absitzen, ehe er zu Beginn dieses Jahre nach Deutschland ausgeliefert wurde.