Proteste für einen Uniklinik-Tarifvertrag

Pfleger an Unikliniken: Patienten müssen alleine sterben

Stand: 04.07.2022, 16:43 Uhr

Das Pflegepersonal der Unikliniken schlägt Alarm und hat sich jetzt mit Erlebnissen aus dem Klinikalltag an die Öffentlichkeit gewendet, die sonst geheim blieben.

Von Oliver Köhler

Seit neun Wochen streiken Beschäftigte der Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen. Ihnen geht es nicht um höhere Gehälter sondern um bessere Arbeitsbedingungen.

Viele Pflegerinnen und Pfleger fühlen sich ständig überlastet, sie müssten zu viele Aufgaben in zu wenig Zeit erledigen. Auf der Strecke blieben dabei die Patienten. Die könnten so nicht richtig behandelt werden, sie wüden noch schwerer krank oder sogar sterben, weil sie sich niemand ausreichend kümmern könnte. In Köln haben Pflegerinnen und Pfleger am Mittag über Erlebnisse berichtet, die sonst nicht öffentloch werden.

Große Risiken für Patienten

Die Öffentlichkeit müsse wissen, wie hoch die Risiken für Patienten in den Uniklinken sind, sagt Kevin Karakus. Er arbeitet auf einer Krebsstation der Uniklinik Köln. Mangelhafte Pflege sei dort inzwischen an der Tagesordnung sagt er. Das beginne schon, wenn Patienten in der Notaufnahme eingeliefert werden.

"Immer wieder kommt es dazu, dass ich meine Patienten eingestuhlt, eingenässt von dort abhole, weil dort keine Zeit ist für die Grundversorgung", sagt Pfleger Kevin Karakus.

Pflegepersonal sieht rot

Pfleger Kevin Karakus

"Das Blutmaterial im Labor wird erst nach Stunden bearbeitet und das bedeutet für meine Patienten, die eine Blutarmut haben: Es gibt erst verspätet Blut, es gibt erst verspätet Thrombozyten. Und die Chance für eine lebensgefährliche Blutung steigt dadurch enorm."

Uni-Klinik Köln hält Vorwürfe für nicht überprüfbar

Viele Kolleginnen und Kollegen würden den Job irgendwann aufgeben, sagt Kevin Karakus. "Oder nur noch in Teilzeit arbeiten. Das verschärft die Situation zusätzlich. Der Personalmangel wird immer größer."

Die Kölner Uniklinik verweist darauf, dass es zahlreiche Wege für Mitarbeiter gebe, Probleme zu melden. Beschwerden und Berichte würden intensiv geprüft. Die Vorwürfe der Beschäftigten, die jetzt ein Schwarzbuch mit Berichten über Mängel in der Pflege veröffentlicht haben, seien viel zu allgemein gehalten und könnten deshalb nicht detailliert überprüft werden.

Pflegerin: Patienten bleiben im Kot liegen

Katharina Kuckeland arbeitet an der Uniklinik in Düsseldorf. Sie gehe häufig mit einem schlechten Gewissen nach Hause, weil sie Patienten nicht helfen konnte.

Pflegepersonal sieht rot

Pflegepersonal prangert offen Missstände an

"Der Zeitmangel führt dazu, dass ich Menschen alleine sterben lassen muss, dass Menschen sterben, weil einfach nicht genügend Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurde, was der Patient gerade braucht", berichtet Katharina Kuckeland. "Ich muss Menschen in ihrem Kot liegen lassen, weil ich mich nicht teilen kann."

In der Kölner Agneskirche berichten am Mittag weitere Pflegerinnen und Pfleger über Fälle, in denen Patienten Stunden in vollen Windeln im Bett liegen mussten, keine Zeit für Eltern war, deren Kind gerade gestorben war, über Patienten die mit lebensbedrohlicher Krebsdiagnose allein gelassen wurden. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, wollen Pflegerinnen und Pfleger ihren Streik an den Unikliniken fortsetzen.

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