Keine Stimmabgabe mit Kopftuch 

Von Christina Wilkes

In einem Bergheimer Wahllokal durfte eine 21-Jährige zunächst nicht ihre Stimme zur Bundestagswahl abgeben. Die Begründung der Wahlhelferinnen und -helfer: Das Verschleierungsverbot. Jetzt wird der Fall aufgearbeitet. 

Eine junge Bergheimerin war am Sonntag mit einer Freundin zum Wählen gegangen. Doch das Wahlteam vor Ort schickte sie weg - wegen des Verschleierungsverbots. Wer wählen will, müsse identifizierbar sein und bei der 21-Jährigen sei das mit Kopftuch und Maske nicht gegeben gewesen.

"Ich war nicht nur sprachlos, ich hab mich ziemlich hilflos gefühlt", sagt die junge Frau, die ihren Namen nicht veröffentlichen möchte. Sie hat Angst davor, beleidigt oder angegriffen zu werden, wegen ihrer Beschwerde in der Öffentlichkeit. Mit der Hilfe ihrer Freundin blieb die 21-Jährige am Wahlsonntag aber hartnäckig. Die Bergheimerinnen recherchierten zum Verschleierungsverbot und informierten schließlich das Rathaus über den Fall. 

Hartnäckigkeit zahlte sich aus  

Über den Wahlvorstand in Bergheim konnte dann geklärt werden, dass die Frau ihre Stimme abgeben darf - auch mit Kopftuch. Beim Verschleierungsverbot geht es vor allem um die Vollverschleierung, etwa durch eine Burka. Nicht um ein Kopftuch. 

Doch eine Frage beschäftigt die Wählerin seitdem: Wie viele Frauen mit Kopftuch wurden vor ihr schon weggeschickt, die vielleicht nicht so hartnäckig waren wie sie? Mindestens von einem weiteren Fall weiß sie. "Das war für uns eine wirkliche Katastrophe", sagt die Bergheimerin. In Sozialen Netzwerken hat sie nach dem Vorfall im Wahllokal eine Nachricht gepostet, "dass Frauen wissen, dass sie mit einem Kopftuch wählen dürfen."

Stadt Bergheim: ein Einzelfall

Die Stadt Bergheim versichert, dass es sich um einen "Irrtum kommunikativer Natur handelte und keinesfalls um einen rassistischen Hintergrund". Und es handele sich um einen Einzelfall. Es gebe keine Hinweise darauf, dass noch andere Frauen betroffen waren. Eine Sprecherin der Stadt sagt, dass der Fall nachbesprochen worden ist und weiter aufgearbeitet werden soll - auch mit der 21-Jährigen. Der Bergheimer Bürgermeister, Volker Mießeler, hat sich bei ihr entschuldigt. Ein Treffen zwischen den beiden ist bereits geplant.