Kaminholz im Trend

Heizen mit Kamin: Das sollten Sie beachten

Stand: 19.09.2022, 20:51 Uhr

Angesichts stark steigender Energiekosten erfreuen sich Kamine bereits seit mehreren Monaten großer Beliebtheit. Wir erklären Ihnen, wie Sie die Kamine sicher nutzen.

War der Besitz eines Kamins für viele Menschen früher eher eine Frage des Lifestyles, weil er eine wohlige Atmosphäre und Wärme schafft, so ist er in diesem Jahr angesichts stark steigender Energiekosten zu einer Heiz-Alternative geworden.

Wer diese Alternative noch nicht in seiner guten Stube verbaut hat, sollte sich für die anstehende Heizperiode keine allzu großen Hoffnungen mehr machen: "Die Lager sind leer. Mit etwas Glück bekommt man hier und da noch Ausstellungsstücke", sagt Andreas Schoßland, Technischer Landesinnungswart des Schornsteinfegerfachverbandes in NRW.

1,7 Millionen Kamine in NRW

Viele Bürger haben diese Wärmespender allerdings schon. Laut Schoßland sind in Nordrhein-Westfalen etwa 1,7 Millionen "Einzelraumfeuerstätten" installiert - darunter fielen unter anderem Kaminöfen und offene Kamine. Und offenbar besteht der Wunsch nach mehr, zumindest habe man im Schornsteinfegerhandwerk mehr Anfragen zu dem Thema registriert als früher.

Ob man nun einen alten Kamin besitzt oder das Glück hatte, in diesem Jahr noch einen neuen zu ergattern - der Kamin müsse den Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und der Ökodesignverordnung genügen. Das heißt, dass er bestimmte Schwellen bei den Immissionen von Kohlenmonoxid und Feinstaub nicht überschreiten darf und Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen muss.

"Ein Kamin ist keine Müllverbrennungsanlage!" Schornsteinfegermeister Andreas Schoßland

Ob Ihr Kamin das tut, klären Sie mit dem für Ihren Bereich zuständigen Bezirksschornsteinfeger. Nur der sei zur Ausstellung einer Bescheinigung für die Inbetriebnahme berechtigt, so Schoßland. Fehle die, könne das fatale Folgen haben: "Ohne diese Bescheinigung könnte im Schadensfall die Versicherung jegliche Kostenübernahme verweigern."

Immer wieder Feuerwehreinsätze

Dass Schäden bei der falschen Bedienung eines Kamins oder fehlender Überprüfung der Sicherheit nicht auszuschließen sind, weiß etwa Christoph Schöneborn, Landesgeschäftsführer des Verbands der Feuerwehren in NRW. Schließlich sind es seine Kollegen, die ausrücken müssen, wenn beim Heizen mit dem Kamin was schief läuft.

Schornsteinfeger Andreas Schoßland

Schornsteinfegermeister Andreas Schoßland

Bei der Feuerwehr habe man sogar schon erlebt, dass Menschen in ihren Wohnungen mit Kohle- oder Gasgrill für Wärme sorgen wollten. "Die Menschen werden in diesem Winter versuchen, die Heizkosten zu senken. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass so etwas gar nicht geht", sagt Schöneborn. Im Gegensatz zu einem vom Schornsteinfeger für gut befundenen Kamin kann die Grill-Heizvariante tödlich enden. Bei der Verbrennung von Kohle und Gas entsteht Kohlenmonoxid, in geschlossenen Räumen lebensgefährlich.

Schornsteinfeger sollte Abgaswege überprüfen

Abgase spielen auch beim Kamin eine Rolle - wegen der gesetzlichen Schwellenwerte und aus Gründen der Sicherheit. Wer also in diesem Winter über die Reaktivierung eines länger nicht genutzten Kamins nachdenkt, sollte dessen Abgaswege unbedingt von einem Schornsteinfeger checken lassen.

Tipps zum richtigen Heizen mit Holz findet man in einer Broschüre, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW gemeinsam mit den Schornsteinfegern herausgegeben hat. Schoßland betont, dass man sich bei Bedienung des Kamins und Auswahl des Brennstoffs an die Herstellerangaben halten sollte. "Ein Kamin ist keine Müllverbrennungsanlage", so Schoßland. Ausgemusterte Euro-Paletten oder alte Gartenmöbel zu verfeuern, ist also eine schlechte Idee.

Vorsicht, Rußbrand-Gefahr!

Durch eine falsche Bedienung des Kamins könne es zur Rußbildung kommen - ein Ruß, der sich nicht mehr mit den üblichen Kehrgeräten entfernen lasse. "Des Weiteren entstehen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und andere Verbindungen, die zu Nachbarschaftsbeschwerden führen können", so Schoßland.

Gefährlicher als der Ärger des Nachbarn sei aber der Ruß, der zu etwa 70 bis 80 Prozent aus Kohlenstoff bestehe und brennbar sei. "Bei nicht sachgerechter Bedienung des Kaminofens ist ein Rußbrand im Schornstein vorprogrammiert. Dieser kann nur von der Feuerwehr bekämpft werden und verursacht bei nicht ordnungsgemäßer Installation weitere Schäden am Gebäude", warnt Schoßland.

Damit das Anzünden des Kamins nicht zum Spiel mit dem Feuer wird, sollten sich neue Kaminbesitzer und die etwas aus Übung gekommenen vor der ersten Heizschicht mit dem Schornsteinfeger ihres Bezirks unterhalten. Dann lässt sich in diesem Winter mit dem günstigeren Kamin vermutlich der eine oder andere Euro sparen - vorausgesetzt, das begehrte Holz wird nicht knapp.

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