Extreme Dürre in vielen Urlaubsländern Südeuropas

Stand: 05.07.2022, 15:19 Uhr

Die beliebten Urlaubsländer Südeuropas leiden derzeit unter extremer Hitze und Trockenheit, so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht. In ersten Regionen gibt es bereits Beschränkungen für die Wassernutzung.

Von Peter Hild

Italiens Regierung hat angesichts der großen Trockenheit am Montag den Notstand in insgesamt fünf Region Norditaliens ausgerufen. Damit können örtliche Behörden Sofortmaßnahmen anordnen, wie die Rationierung von Wasser. Einige Städte wie Verona oder das bei Touristen beliebte Pisa haben das bereits getan - dort darf Trinkwasser tagsüber nur noch im Haushalt und zur Körperhygiene genutzt werden.

Mehr als 30 Prozent der Agrarproduktion sind laut Bauernverband durch die Dürre bedroht, ebenso die Viehzucht. "Die Felder sind braun gebrannt, die Seen und Flüsse sind leer. Wir befürchten Stromausfälle, weil Gaskraftwerke abgeschaltet wurden, weil Wasser für die Kühlung fehlt", berichtet Walter Brand, der als Trinkwasseringenieur in Mailand arbeitet.

Spanien: Folgen für Tourismus und Landwirtschaft

In Spanien haben Waldbrände in den vergangenen Wochen und Monaten bereits zehntausende Hektar Wald vernichtet. Schuld war die früheste Hitzewelle seit zwei Jahrzehnten. Mit einem Füllstand von im Schnitt gerade einmal 46 Prozent liegen die Stauseen des Landes auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 17 Jahren, berichten spanische Medien unter Berufung auf die Regierung in Madrid.

Trinkwasserrationierungen wie in Italien sind derzeit aber noch nicht geplant. Der Wassermangel hat aber schon jetzt Auswirkungen auf die Landwirtschaft und den Tourismus. Einige Kommunen und Ferienhausbesitzer hätten ihre Schwimmbecken bisher nicht gefüllt, um freiwillig Wasser zu sparen, heißt es. Klimaforscher erwarten, dass die Wein- und Olivenproduktion in den kommenden Jahrzehnten deutlich zurückgehen wird, weil die lebenswichtigen Niederschläge vor allem im Winter weiter abnehmen werden.

So leidet Südeuropa unter der Dürre

Eine seit Monaten anhaltende schwere Dürre macht südeuropäischen Ländern wie Spanien und Portugal immer mehr zu schaffen. Auch Italien ist betroffen.

 Eine Boje liegt auf dem Flussbett des Po.

In Italien gilt bis Ende des Jahres der Dürre-Notstand in mehreren Regionen. Der Wasserstand im Fluss Po - der längste Strom des Landes - ging so weit zurück, dass an der Meermündung Salzwasser kilometerweit in das Flussbett drang. In Boretto, nordöstlich von Parma, liegt diese Boje auf dem Flussbett.

In Italien gilt bis Ende des Jahres der Dürre-Notstand in mehreren Regionen. Der Wasserstand im Fluss Po - der längste Strom des Landes - ging so weit zurück, dass an der Meermündung Salzwasser kilometerweit in das Flussbett drang. In Boretto, nordöstlich von Parma, liegt diese Boje auf dem Flussbett.

Die Wasserknappheit im Po im zentralen Bereich von Turin schafft eine unwirkliche Situation, in der der Fluss fast vollständig trocken ist.

Die schlimmste Dürre, die Italien seit 70 Jahren erlebt hat, lässt die Reisfelder in der Po-Ebene austrocknen und gefährdet die kostbare Ernte.

Mit Traktor und Pflug hat ein italienischer Künstler und Landwirt südöstlich von Verona ein Acker-Gemälde geschaffen, das zum Wassersparen aufruft.

In der italienischen Hauptstadt Rom sorgte ein Brand dafür, dass es im Zentrum der Stadt zum Teil Asche vom Himmel regnete und eine hohe Rauchsäule zu sehen war. Der Brand brach in einem Park im Nordwesten der Stadt aus, wenige Kilometer vom Vatikan entfernt.

Mit Waldbränden hat auch Spanien zu kämpfen. Hier ein Blick auf eine verbrannte Landschaft in der Nähe von Miranda de Arga im Norden des Landes.

Tausende Hektar bewaldetes Hügelland sind im Nordwesten Spaniens durch einen Waldbrand verbrannt.

So wie hier in Madrid hilft manchmal nur noch ein Tuch über dem Kopf, um sich vor der Sonne zu schützen.

Im südspanischen Sevilla zeigt dieses Thermometer unglaubliche 53 Grad Celsius an.

Doch auch in Deutschland sorgt die anhaltende Trockenheit für niedrige Pegelstände - so wie hier an der Elbe in Dresden.

Portugal: EU-Gelder sollen Wasserwirtschaft helfen

In Portugal leiden aktuell über 97 Prozent der Landesfläche unter schwerer Trockenheit, sagen einheimische Wissenschaftler. Auch wenn die Trinkwasservorräte nach Angaben der Regierung noch für zwei Jahre reichten, laufen bereits landesweite Kampagne für einen sparsameren Umgang mit Wasser.

Das Land will jetzt Gelder aus dem EU-Corona-Aufbaufonds nutzen, um seine Wasserwirtschaft zukunftssicher aufzustellen, etwa durch neue Entsalzungsanlagen für Meerwasser. Ebenso will sich Regierung bei der Wasserentnahme aus gemeinsamen Flüssen enger mit dem Nachbarland Spanien absprechen.

Wasserintensive Landwirtschaft wird zum Problem

"Viele Länder Südeuropas haben eine sehr wasserhungrige Landwirtschaft, viel Wasser wird von dort in Form von Früchten und Gemüse exportiert", sagt Detlef Reepen aus der WDR-Wissenschaftsredaktion. Viele Länder wie etwa Spanien seien zudem chronisch wasserarm, das trage zu den aktuell besonders dramatischen Lagen bei, so Reepen.

Dazu kommt etwa in Spanien und Italien ein vielerorts sanierungsbedürftiges Wassernetz mit Leitungen, über die viel Wasser verloren geht. Urlaubern, die in der nächsten Zeit nach Südeuropa aufbrechen wollen, rät Detlef Reepen: "Aus eigenem Schutz trockene Wälder meiden, da an vielen Stellen die Brandgefahr deutlich erhöht ist. Und wenn es möglich ist, sich solidarisch zeigen und vielleicht nur einmal täglich kurz duschen anstatt dreimal, trotz der Hitze."

Über dieses Thema berichten wir im WDR am 05.07.2022 auch im Fernsehen: WDR Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.

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