Indische Virusvariante in NRW - bisher selten, aber gefährlich

Ein Mitarbeiter kontrolliert Testkassetten von Corona-Antigen-Schnelltests

Indische Virusvariante in NRW - bisher selten, aber gefährlich

Die Corona-Infektionszahlen sinken - das ist gut. Dennoch halten Virologen die verschiedenen Coronavirus-Mutationen fest im Blick - vor allem die sogenannte indische Variante.

Die sogenannte indische Coronavirus-Mutante (B.1.617) macht den Wissenschaftlern derzeit die größten Sorgen. Aber auch die schon länger bekannte Mutanten, die zuerst in Großbritannien (B.1.1.7), Brasilien (P.1) und Südafrika (B.1.351) entdeckt wurden, werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "besorgniserregend" eingestuft.

Besonders deshalb, weil sie deutlich höher ansteckend sind und sich eventuell durch die vorhandenen Impfstoffe nicht so wirksam bekämpfen lassen. So halten Experten die indische Variante für sehr viel ansteckender als die bereits als sehr ansteckend geltende britische Variante. Das RKI hat am Mittwoch einen neuen Bericht über die bisher bekannten Corona-Virusvarianten vorgelegt.

Wie verbreitet ist die sogenannte indische Variante?

Bisher wurde die indische Variante laut RKI in Deutschland bisher nur in etwa zwei Prozent der Proben nachgewiesen. Allerdings sei ihr Anteil in den vergangenen Wochen stetig angestiegen. NRW ist mit 29 registrierten Fällen eines der am meisten betroffenen Bundesländer - in Baden-Württemberg wurden 35 nachgewiesen, in Bayern 30 und in Berlin 24. In allen anderen Bundesländern trat sie bisher entweder gar nicht oder im einstelligen Bereich auf. Dennoch: Der Anteil dieser Variante steigt.

Die britische Variante ist dem RKI-Bericht zufolge bislang am stärksten verbreitet - bundesweit liegt ihr Anteil bei 86,8 Prozent aller untersuchten positiven Proben, in NRW sogar bei 99 Prozent. Die südafrikanische Variante liegt aktuell bei 3 Prozent, die brasilianische bei 0,3 Prozent.

Wo wurde sie in NRW nachgewiesen?

Ende April wurden erstmals zwei Fälle von Infektionen mit der indischen Corona-Virusmutante in Köln nachgewiesen. In Velbert mussten zuletzt 189 Bewohner aus zwei Hochhäusern ihre Wohnungen zeitweise nicht verlassen, nachdem dort am Sonntag bei einer Familie die indische Corona-Variante nachgewiesen worden war. Insgesamt 27 Fälle wurden dort inzwischen bestätigt, wie am Samstag bekannt wurde. Am Mittwoch war die Variante dann bei drei Infizierten in Geldern entdeckt worden.

Wie gefährlich ist die sogenannte indische Corona-Variante?

Am 11. Mai hat die WHO die indische Variante B.1.617 als "besorgniserregend" eingestuft. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten vermehrt darauf hin, dass sie gefährlicher sein könnte als andere Varianten. Das Expertengremium SAGE (Scientific Advisory Group for Emergencies), das die britische Regierung berät, schrieb vor einigen Tagen in einem Bericht, es sei "realistisch", dass die indische Variante bis zu 50 Prozent ansteckender sein könnte als die bereits als sehr ansteckend geltende britische Variante.

Ob aber auch die hohen Coronazahlen in Indien wirklich an der Infektiösität der indischen Mutante liegt, ist noch nicht klar. Möglicherweise gibt es auch andere Gründe: So gab es dort sehr viele Großereignisse und möglicherweise wurden Corona-Auflagen zu früh gelockert. Dazu kommt ein überfordertes Gesundheitssystem.

Stand: 22.05.2021, 16:48

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