2. September 1957 - Konflikt um Rassismus in Little Rock eskaliert

Bundestruppen eskortieren Ende September 1957 in Little Rock auf Anweisung von US-Präsident Dwight D. Eisenhower schwarze Schüler zur Schule

2. September 1957 - Konflikt um Rassismus in Little Rock eskaliert

Montag, 2. September 1957: Der weiße Gouverneur des US-Bundesstaats Arkansas, Orval Faubus, trifft eine fatale Entscheidung. Er lässt die Nationalgarde in der Kleinstadt Little Rock aufmarschieren. Nicht um Frieden und Ordnung aufrechtzuerhalten, wie Fabus behauptet, sondern um neun schwarze Jugendliche am Besuch der - bislang Weißen vorbehaltenen - Central High School zu hindern.

Unterstützt wird die Maßnahme von einem weißen rassistischen Mob, der tagelang tobt. Eine Integration soll um jeden Preis verhindert werden. "Es ist eigentlich überraschend, dass niemand bei diesen Ausschreitungen an Leib und Leben zu Schaden kam", sagt Geschichtsprofessor Manfred Berg von der Universität Heidelberg.

Rassismuskonflikt an der High School in Little Rock (am 02.09.1957)

WDR 2 Stichtag 02.09.2017 04:15 Min. Verfügbar bis 31.08.2027 WDR 2


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Nur auf dem Papier gleichberechtigt

Afroamerikaner werden in den USA seit jeher systematisch benachteiligt. Gegen die sogenannte Rassendiskriminierung in allen Lebensbereichen kämpfe die schwarze Bürgerrechtsbewegung bereits seit dem späten 19. Jahrhundert, sagt Historiker Berg. Zwar seien nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg aus vier Millionen schwarzen Sklaven auf dem Papier gleichberechtigte Bürger geworden.

Doch der seit 1868 geltende 14. Zusatzartikel der US-Verfassung, wonach die Rechte von US-Bürgern nicht beschnitten werden dürfen, ist umstritten. "Diese soziale Revolution", so Wissenschaftler Berg, "war für den amerikanischen Süden, also die Verlierer des Bürgerkriegs, inakzeptabel." Ende der 1870er-Jahre habe sich "ein System der amerikanischen Apartheid" durchgesetzt, das im Volksmund "Jim Crow" genannt worden sei.

Minderwertigkeitsgefühl erzeugt

Der Oberste Gerichtshof urteilt 1896, dass gegen eine sogenannte Rassentrennung nichts einzuwenden sei, solange die getrennten öffentlichen Einrichtungen gleichwertig seien. Das sei jedoch nie der Fall gewesen, sagt Professor Berg. "Gerade im Bildungswesen zeigte sich, dass die Südstaaten in Schulen für weiße Kinder sehr viel mehr investierten." Die dort tätigen Lehrer seien viel besser ausgebildet gewesen, als jene an schwarzen Schulen.

Erst am 17. Mai 1954 erklärt der Oberste Gerichtshof getrennte Schulen für Weiße und Schwarze für illegal. "Weil Rassentrennung in schwarzen Kindern ein Minderwertigkeitsgefühl erzeuge, so die Begründung, und sie daher ihr Potenzial nicht entfalten könnten", erklärt Berg. "Das sei ein Verstoß gegen das Gleichheitsgebot der amerikanischen Verfassung."

"Angemessene Geschwindigkeit"

Wann der gefasste Beschluss wirksam werden soll, bleibt allerdings offen. Die Richter sprechen von einer "angemessenen Geschwindigkeit". Die Südstaaten lassen sich deshalb viel Zeit. Besonders in Little Rock ist der Rassismus besonders ausgeprägt. Erst im September 1957 wagen es neun afroamerikanische Schüler, ihr Recht einzufordern.

Nach zwei vergeblichen Versuchen, die Central High School zu betreten, müssen sie jedoch zu Hause bleiben und abwarten. Sie erhalten Drohanrufe und Interviewanfragen. Während dessen liefert sich Gouverneur Faubus einen Schlagabtausch mit der Justiz.

Präsident schickt Soldaten

Schließlich schaltet sich US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein. Er sorgt dafür, dass die gerichtlich angeordnete Integration umgesetzt wird. Er stellt sämtliche Polizei- und Armee-Einheiten von Arkansas unter sein Kommando und schickt weitere 1.200 Soldaten nach Little Rock. Sie lösen Demonstrationen auf und eskortieren Ende September 1957 die neun Afroamerikaner zur Schule.

Doch innerhalb des Schulgebäudes sind die "Little Rock Nine" den Rassisten schutzlos ausgeliefert. Von weißen Schülern werden sie beleidigt, bedroht und attackiert - ein ganzes Schuljahr lang. Dann erhält der erste Afroamerikaner sein Diplom an der Central High School.

Lieber gar keinen Unterricht

Doch Gouverneur Faubus will nicht klein beigeben: Nach den Sommerferien bleiben die Schulen in Little Rock geschlossen. Lieber lässt er sämtliche Schüler der Stadt für ein Jahr nicht zur Schule gehen, als die sogenannte Rassentrennung aufzuheben. Diese Taktik wenden auch andere rassistische Südstaaten-Gouverneure an.

"Der große Durchbruch kommt erst 1964 mit dem Bürgerrechtsgesetz, das es dem Bundesjustizministerium in Washington gestattet, die Einzelstaaten zu verklagen", sagt Historiker Berg.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 2. September 2017 ebenfalls an die rassistische Provokation gegen schwarze Schüler in Little Rock. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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