1. Januar 1995 - Gründung der Deutschen Telekom AG

Unternehmenssitz der Telekom AG in Bonn

1. Januar 1995 - Gründung der Deutschen Telekom AG

Weil der 1. Januar 1995 ein Feiertag ist, wird der ehemalige Staatskonzern Deutsche Bundespost erst am nächsten Werktag aufgelöst. Drei eigenständige Aktiengesellschaften stehen am Ende eines langen Prozesses: die Deutsche Post, die Deutsche Postbank und die Deutsche Telekom. "Wir haben in fünf Jahren aus der alten Post ein modernes Unternehmen gemacht und wir werden in den nächsten Jahren eine in der Welt herzeigbare Aktiengesellschaft werden", erklärt damals Helmut Ricke, bisheriger Chef der Deutschen Bundespost Telekom.

Zum Jahresbeginn 1995 wird die Deutsche Telekom AG beim Bonner Amtsgericht offiziell registriert, die Aktien sind zunächst jedoch nicht börsennotiert.

Gründung der Telekom AG (am 01.01.1995)

WDR 2 Stichtag 01.01.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 29.12.2029 WDR 2


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Telekom wird attraktiv gemacht – mit Abfindungen

"Der Bund ist nach wie vor Eigentümer", erklärt Wolfgang Bötsch (CSU), von 1993 bis 1997 letzter Bundesminister für Post und Telekommunikation. Der Bund ist noch alleiniger Aktionär, ein Börsengang aber geplant.

Dafür wird die Telekom attraktiv gemacht: Aus einem Beamtenapparat soll ein Weltkonzern werden. Mitarbeiter, die das Unternehmen freiwillig verlassen, bekommen deshalb hohe Abfindungszahlungen. Insbesondere junge Kollegen profitieren: Wer als Student rund vier Jahre als Aushilfe bei der Telefonauskunft gejobbt hat, kann damals 57.000 D-Mark mitnehmen. So will die Telekom ihre Belegschaft bis zum Jahr 2000 auf 200.000 Beschäftigte reduzieren – das sind rund 30.000 weniger als beim Start im Jahr 1995.

Telekom-Aktie: finanzielles Desaster für Kleinanleger

Ron Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Telekom AG, im Jahr 1995

Ron Sommer, Telekom-Manager zur Zeit des Börsengangs

Am 18. November 1996 ist es soweit: Die Telekom geht an die Börse. Mit einer gigantischen Werbekampagne wird die T-Aktie zur Volksaktie erklärt und der beliebte Schauspieler Manfred Krug wirbt massenhaft Kleinanleger. Die Aktie steigt und steigt, auf über hundert Euro – bis zur Finanzkrise Anfang des neuen Jahrtausends. Das Management unter Ron Sommer macht Fehler und die Aktie fällt auf etwas mehr als acht Euro. Vor allem für Kleinanleger ist die "Volksaktie" ein finanzielles Desaster.

Der inzwischen verstorbene Tatort-Kommissar Manfred Krug schämt sich im Nachhinein für seine Beteiligung an der Kampagne. "Ich werde auch in Zukunft niemals mehr für Aktien Werbung machen – ganz bestimmt nicht. Ich werde Werbung machen für Dinge, die ich selbst prüfen kann. Also Klopapier wäre überhaupt kein Problem: Wenn da steht 'reißfest und zuverlässig', dann würde ich das testen und Fachmann sein."

Zuletzt befanden sich knapp über 60 Prozent der T-Aktien in Streubesitz; 14,5 Prozent gehörten dem Bund und 17,5 Prozent der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

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Stand: 01.01.2020, 00:00