29. Oktober 1911 - Todestag des Verlegers Joseph Pulitzer

Der Journalist  Joseph Pulitzer

29. Oktober 1911 - Todestag des Verlegers Joseph Pulitzer

Immigrant, Selfmademan, Erfinder der Sensationspresse - Joseph Pulitzer ist eine wichtige Figur in der Geschichte des Journalismus in den USA. Bis heute ist nach ihm ein renommierter Preis benannt.

Joseph Pulitzer, US-amerik. Verleger (Todestag 29.10.1911)

WDR ZeitZeichen 29.10.2021 14:37 Min. Verfügbar bis 29.10.2099 WDR 5


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Joseph Pulitzer wird 1847 in Budapest geboren. Sein Vater, ein jüdischer Kaufmann, hat es zu bescheidenem Wohlstand gebracht, die zehn Kinder besuchen gute Schulen. Doch dann bricht das Unheil herein. Pulitzers Vater stirbt an Tuberkulose, seine Mutter steht bald mittellos da. In den nächsten Jahren verliert Joseph acht seiner Geschwister.

In den USA herrscht seit 1861 Bürgerkrieg. General Ulysses Grant braucht für seine Unionstruppen so dringend Soldaten, dass er Freiwillige sogar in Europa rekrutieren lässt. Und so kommt es, dass Joseph Pulitzer im 1864 vom Hamburger Hafen auf einen Überseedampfer an die amerikanische Ostküste gelangt.

Es ist ein Schritt, der alles verändert: Dem Rekruten auf der Seite der Unionisten gelingt es, in ein Regiment des berühmten Carl Schurz zu kommen, dem nach 1848 aus Deutschland eingewanderten Revolutionär. Schurz besitzt im Mittleren Westen ein deutschsprachiges Blatt. Pulitzer beginnt dort 1865, nach Ende des Kriegs, eine unglaubliche Zeitungslaufbahn.

Sensationspresse und investigativer Journalismus

Jahrzehnte später kauft er sich selber ein Schiff. Die Liberty ist 1908 eine der größten und luxuriösesten Privatyachten der Welt. Pulitzer ist mittlerweile einer der reichsten Männer Amerikas. Besitzer der "New York World", einem Blatt mit Millionenauflage.

Pulitzer gilt als Erfinder der Sensationspresse, aber er steht auch für eine ganz neue Art von investigativem Journalismus, verpflichtet dem Kampf gegen Filz und Korruption in der Politik. Vor allem aber: Pulitzer hat etwas bewiesen. Dass er gelingen kann: der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, dieser uramerikanische Traum.

Kampf Hearst gegen Pulitzer

Joseph Pulitzer

Joseph Pulitzer

Joseph Pulitzers "New York World" erreicht um 1900 als erste amerikanische Zeitung eine Auflagenstärke von einer Million, allerdings dicht gefolgt von William Randolph Hearsts "New York Journal". Hearst und Pulitzer führen einen gnadenlosen Krieg: um Leser, um Auflagen, um die besten Reporter.

Anders als Hearst versucht Pulitzer, bei aller Sensationslust das journalistische Ethos zumindest weitgehend zu wahren. Die Macht, die Zukunft der Republik zu gestalten, liegt in den Händen von Journalisten zukünftiger Generationen, ist Pulitzer überzeugt. Zumindest das 20. Jahrhundert wird ihm Recht geben.

Im Jahr 1889, da ist Pulitzer 42 Jahre alt, ist er blind. Völlige Finsternis umgibt ihn in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten. Hinzu kommen weitere privaten Schicksalsschlägen.

Joseph Pulitzer stirbt am 29. Oktober 1911 mit 64 Jahren. Kurz vor seinem Tod stiftet er der Columbia Universität noch zwei Millionen Dollar, das ist mehr als deren gesamter Jahresetat. Der heute berühmte Pulitzer-Preis für herausragende journalistische Leistungen wird 1917 erstmals vergeben.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Almut Finck
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 29. Oktober 2021 an Joseph Pulitzer. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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Stand: 21.10.2021, 14:39