19. November 1921 - Der Pianist Géza Anda wird geboren

Géza Anda, Pianist (undatierte Aufnahme)

19. November 1921 - Der Pianist Géza Anda wird geboren

"Troubadour des Klaviers" nennt ihn der Dirigent Wilhelm Furtwängler: Der Pianist Géza Anda zählt zu den Großen seines Fachs. Neben seinen Konzerten unterrichtet er schon mit 20 Jahren.

"Die Leute verstehen heute unter Perfektion, dass man keine falschen Noten spielt. Perfektion ist etwas ganz anderes", sagt Géza Anda, einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts. "Poesie und einen Elan in dem Ganzen - darum geht es."

Géza Anda, ungar. Pianist (Geburtstag, 19.11.1921)

WDR ZeitZeichen 19.11.2021 14:55 Min. Verfügbar bis 20.11.2099 WDR 5


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Neben seiner Konzerttätigkeit ist ihm die Klavier-Pädagogik wichtig. "Bei Anda war die Vorgabe, man soll sich an der menschlichen Stimme orientieren", sagt seine Schülerin Sontraud Speidel. "Man soll, wenn man spielt, immer gesanglich spielen." Das habe er gut vermitteln können. "Er hat immer die jungen Menschen anerkannt als selbstständige künstlerische Persönlichkeiten."

Musizieren mit Furtwängler

Geboren wird Géza Anda am 19. November 1921 in Budapest. Mit sechs Jahren geht er zum Klavierunterricht. "Das heißt, dass ich zuerst einmal zwei oder drei Monate lang nur Noten lesen und Rhythmen lesen und klatschen gelernt habe." Bereits mit 13 Jahren besucht er das Budapester Konservatorium.

Dank eines Stipendiums reist Géza nach Berlin. Er darf dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler die b-Moll-Klaviersonate von Frédéric Chopin vorspielen - und wird engagiert: "So spielte ich die nächste Saison bei Furtwängler die Symphonischen Variationen von César Franck."

Krise in der Schweiz

Gerade als Andas Karriere Fahrt aufnimmt, beginnt der Zweite Weltkrieg. Er gibt dennoch weitere Konzerte und nimmt erste Schallplatten auf. 1943 erhält er ein dreimonatiges Einreisevisum für die Schweiz. Da sich die Lage in Berlin immer mehr zuspitzt, kehrt er nicht mehr dorthin zurück.

Die neue Situation löst in ihm eine Krise aus. "Kein Mensch hat sich für mich interessiert", erinnert sich Anda. "Da habe ich mich fast zwei Wochen ins Bett gelegt, nix getan." Nach Kriegsende geht er wieder auf Tournee und intensiviert seine Arbeit als Pädagoge. Zunächst unterrichtet er in Salzburg, ab 1960 in Luzern.

Bartók, Mozart, Liszt

In Berlin nimmt Anda alle Klavierkonzerte von Béla Bartók auf. Auch von den Klavierkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart macht er Schallplattenaufnahmen - und dirigiert gleichzeitig vom Klavier aus. Das Vorbild Andas ist Franz Liszt. Dieser sei nicht nur der größte Pianist, sondern auch ein hervorragender Klavier-Pädagoge.

Anda wird vielfach ausgezeichnet. "Er war schlank, er war nicht groß, sein Gesicht hat man fast nie gesehen, weil es fast immer in Rauchschwaden seiner Zigarette eingehüllt war", sagt seine Schülerin Sontraud Speidel. Nach einer Krebserkrankung stirbt Géza Anda am 13. Juni 1976 mit 54 Jahren in Zürich.

Autor des Hörfunkbeitrags: Christoph Vratz
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 19. November 2021 an Géza Anda. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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