Ronya Othmann - "Die Sommer"

Ronya Othmann liest aus "Die Sommer"

1LIVE Stories. 20.09.2020 47:29 Min. Verfügbar bis 20.09.2021 1LIVE

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Ronya Othmann - "Die Sommer"

Von Mona Ameziane

Zwischen Süddeutschland und Nordsyrien liegen über 2.500 Kilometer. Diese Strecke hat Leyla, die Hauptfigur in Ronya Othmanns erstem Roman, ihr Leben lang jeden Sommer zurückgelegt. Bis es irgendwann zu gefährlich wurde und ihr nur noch die Erinnerung blieb. Und die Hoffnung, dass alles gut werden würde.

Ronya Othman

Leyla ist in der Nähe von München geboren und aufgewachsen. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater jesidischer Kurde. Seine Familie lebt in einem Dorf in Nordsyrien nahe der türkischen Grenze, wo Leyla jahrelang jeden Sommer verbringt. Sie erinnert sich an Trockenheit und Hitze, ans gemeinsames Kochen mit der Großmutter, an die ersten geklauten Zigaretten, Geborgenheit, Glück und Gemeinschaft, aber auch an das Gefühl, immer etwas anders zu sein als alle um sie herum. Während die Großmutter schon nach einem Ehemann für Leyla sucht, wünscht sich ihr Vater, dass sie Jura studiert oder als Ärztin Karriere macht. Er erzählt ihr von seiner Vergangenheit in einem Land, das für viele gar nicht existiert und warnt seine Tochter davor, öffentlich darüber zu sprechen, dass sie jesidische Kurdin ist. Und Leyla? Die fährt in Deutschland mit Freunden an den See, schminkt sich, trinkt auf Parties Wodka mit Himbeerbrause und merkt irgendwann, dass sie lieber Mädchen statt Jungs küsst. Die tiefe Schlucht zwischen ihren beiden Welten bemerkt sie erst, als der erste Sommer kommt, in dem sie nicht nach Syrien reisen kann, weil die Lage dort zu gefährlich geworden ist. 

"Die Sommer" ist ein Buch über Identität und Familie, über Freundschaft und Zugehörigkeit. Es ist aber auch ein Buch, in dem einem bewusst wird, wie wenig man über Schicksale weiß, die häufig nicht mehr sind als Meldungen in der Tagesschau. Ronya Othmann gibt ihnen ein Gesicht und der Zerrissenheit einer jungen Frau eine Stimme, über die es sich zu sprechen lohnt!

Das Buch in einem Satz

Das Leben einer jungen Frau zwischen süddeutscher Vorstadtidylle und der Vernichtung einer Welt, die auch ein Teil von ihr ist. 

Besonders weil 

Ronya Othmann die Geschichte in kleinen Absätzen erzählt, die sich wie eine Kette aneinanderreihen und zum Schluss mit Gewalt auseinandergerissen werden. 

Für Fans von 

Büchern, die ordentlich durchgekaut und nach dem Lesen verdaut werden müssen.