Anna Mayr - "Die Elenden"

Anna Mayr liest aus "Die Elenden"

1LIVE Stories. 15.11.2020 45:53 Min. Verfügbar bis 15.11.2021 1LIVE


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Von Mona Ameziane

Wenn euch jemand fragt, was eure Eltern für Jobs haben, dann ist die Antwort meist ganz einfach. Für Anna Mayr war das lange Zeit nicht so, denn seit ihrer Geburt sind ihre Eltern arbeitslos. In ihrem Buch "Die Elenden" erzählt sie von ihren eigenen Erfahrungen in der Kindheit, entkräftet Vorurteile und erklärt, warum unsere Gesellschaft Arbeitslose verachtet und sie dennoch braucht. 

Anna Mayr

18 Jahre lang ist Anna Mayr mit Hartz 4 aufgewachsen. Wenn sie heute jemand nach der Arbeit ihrer Eltern fragt, dann antwortet sie ganz selbstbewusst, dass sie keine haben, doch das war nicht immer so. In ihrem Buch erzählt sie von ihrer Kindheit, die sich nach Normalität angefühlt hat, von dem Moment, in dem sie verstanden hat, dass ihre Familie arm ist und von ihrem ersten Brief aus dem Jobcenter, in dem ihr, im Alter von 16 Jahren, mit der Kürzung der Sozialleistungen gedroht wurde. Heute ist Anna Journalistin bei der ZEIT und bezeichnet sich selber als "relativ reich". Trotzdem würde sie niemals sagen, dass sie "aufgestiegen" sei, da das impliziere, dass es in unserer Gesellschaft eine Oberschicht und eine Unterschicht gibt. Ebenfalls Begriffe, die sie nicht mag. 

In "Die Elenden" versucht sie gegen die Stigmatisierung von Arbeitslosen anzugehen, darüber aufzuklären, dass die meisten Menschen nicht selber Schuld daran sind, dass sie keine Arbeit haben, und wie es sich anfühlt, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Arbeitslosigkeit ist für sie keine Schwäche der Leistungsschwachen, sondern viel mehr ein Teil unseres Gesellschaftssystems, der besteht, weil er gebraucht wird. Nicht nur von der Wirtschaft, sondern auch von Menschen, die sich über ihre Arbeit definieren und in Arbeitslosen das sehen, was sie nicht sein wollen. Über all das sprechen wir mit Anna Mayr in der Lesung und fragen sie auch: was muss sich in unserer Gesellschaft ändern?

Das Buch in einem Satz

Anna Mayr schreibt über ihre Erfahrungen als Kind von Langzeitarbeitslosen und fordert einen besseren Umgang unserer Gesellschaft mit Arbeitslosigkeit und Armut. 

Besonders weil

Anna Mayr für eine Gruppe von Menschen spricht, die in Deutschland keine Stimme haben. Auch das ist eine Tatsache, die einem erst beim Lesen so richtig klar wird. 

Für Fans von 

Büchern, die herausfordern und unsanft an gesellschaftspolitische Probleme heranführen. 

Stand: 15.11.2020, 22:00