Wirtschaftsminister am Gronauer Öl-Leck

NRW-Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD,l) und Dezernent Peter Dörne schauen sich am 02.05.2014 in Gronau (Nordrhein-Westfalen) die Umweltverschmutzung durch Öl auf einer Weide an.

Wirtschaftsminister am Gronauer Öl-Leck

Das Öl-Leck in Gronau-Epe bekam heute erneut Besuch von einem Politiker der Landesregierung. Nach Landesumweltminister Remmel vor einigen Tagen war heute auch Wirtschafts- und Energieminister Garrelt Duin im ölverseuchten Naturschutzgebiet "Amtsvenn".

"Es ist sehr schmerzhaft, wenn man sieht wie großräumig hier weggebaggert werden muss, und wenn man nicht weiß, wo wir noch überall Öl finden werden", sagte Minister Duin, direkt neben der Stelle, an der in einem Waldstück Öllachen gefunden wurden.  Das Waldstück in dem Natur- und Vogelschutzgebiet ist inzwischen gerodet und Bagger entfernen dort tonnenweise verschmutzte Erde. "Das ist immer etwas Dramatisches, das wird der Natur lange nicht mehr zur Verfügung stehen und wird sich nur sehr langfristig erholen", so die deutliche Einschätzung des Wirtschafts- und Energieministers Duin. 

Naturschutzgebiet ist Großbaustelle

Es ist jetzt etwa drei Wochen her, dass ein Landwirt auf seiner Weide in Gronau-Epe Öl entdeckt hatte. Das Öl sickert inzwischen deutlich langsamer aus dem Boden, aber es sickert noch - etwa 20 Liter stündlich direkt neben dem Bauernhof. Inzwischen wurden allein von der Erdoberfläche, aus dem Wald- und Wiesengebiet rund 55.000 Liter Erdöl abgepumpt. Fast 2.500 Tonnen ölverschutzter Boden wurden bislang ausgebaggert und entsorgt, 350 Tonnen belasteter Baumwurzeln wurden entfernt. 

Minister stellt Öllager nicht in Frage

"Jetzt hat erstmal die Suche nach der Ursache den Vorrang" entgegnete Wirtschaftsminister Duin in Gronau-Epe den Kritikern der Öllagerung in unterirdischen Salzstöcken. "Das sind große Schlaumeier, da kann ich richtig gut drauf" empörte sich der SPD-Politiker. Im Amtsvenn in Gronau-Epe werde rund um die Uhr gearbeitet, um die Ursache zu finden und andere versuchten aus dem Unglück politischen Gewinn zu ziehen. "Das finde ich völlig unangemessen", so Duin. Wenn das Leck ein technisches Problem sei, also zum Beispiel ein Loch in einem Rohr, dann zeige das, dass die Kritik völlig unhaltbar und absurd war, ergänzte der Minister. 

Das Leck ist noch nicht gefunden

Brachfläche mit Wasserstelle, im Hintergrund Sand und Birken

Die Ursache, also das Leck im Ölspeicher, ist noch nicht gefunden worden. Die Experten vermuten es immer noch in den Rohren, die mehr als 1.000 in die Tiefe führen, zu der Ölkaverne "S 5". In diesem riesigen unterirdischen Hohlraum lagern in einer Salzschicht insgesamt rund 400.000 Kubikmeter Rohöl.

Fest steht bislang: Erdöl wird immer tiefer im Boden gefunden. Bei einer Bohrung in der Nähe des Ölspeichers wurde das schmierige, stinkende Öl-Wassergemisch gleich mehrfach festgestellt. Zuletzt schon in einer Tiefe von 53 Metern. Ob da Schluss ist weiß noch niemand. Und völlig unklar ist auch, wieviel Öl insgesamt in das Natur- und Vogelschutzgebiet gelaufen ist. Es werden deutlich mehr als die bislang abgesaugten 55.000 Liter sein.

Bezirksregierung informiert im Internet

Landwirte und Anwohner, die von der Ölverschutzung betroffen sind, sind empört. Bemängelt wurde immer wieder, das es zu wenig Informationen gebe. Dafür hat die zuständige Bezirksregierung Arnsberg inzwischen eine Internetseite geschaltet, auf der sie Zahlen, Daten und Fakten Ölaustritt zusammen gestellt hat.

Dennoch: die betroffenen Nachbarn und Landwirte in dem Gebiet suchen bereits juristische Beratung und überlegen, sich in einer Bürgerinitiative zusammenzuschließen

Riesige Öl- und Gasspeicher

Die Menschen in Gronau-Epe leben seit fast 50 Jahren auf den riesigen Hohlräumen, die für Öl- und Erdgaslagerung genutzt werden.

Seit den 1970er Jahren wird dort Salz abgebaut. Der weiße Stoff wird aus einer dicken, unterirdischen Salzschicht herausgespült. Dabei entstehen in einer Tiefe von 1.000 bis 1.500 Meter riesige Hohlräume. Inzwischen sind so 109 von diesen Löchern in der Salzschicht entstanden. Diese sogenannten Kavernen sind so hoch, dass die Türme des Kölner Doms dort reinpassen würden.

Nachdem der Salzabbau in einer solchen Kaverne beendet ist, werden viele davon zur Erdgas- und Erdölspeicherung genutzt. Inzwischen lagern im Kavernenfeld unter Gronau-Epe in drei Kavernen Erdöl (insgesamt rund 1,4 Mio. Kubikmeter), und in 74 weiteren Kavernen speichern Unternehmen Erdgas (insgesamt rund 4,8 Mrd. Normkubikmeter). Das Rohöl lagert dort als Teil der nationale Krisenreserve. In Zeiten von Kaltem Krieg und der Ölkrise in den 1970er Jahren wurde gesetzlich festgelegt, dass es eine für 90 Tage reichende Ölreserve in Deutschland geben muss.

Stand: 02.05.2014, 17:24