Lebensmittelpreise: Verbraucherschützer machen auch Hersteller verantwortlich

Stand: 14.06.2022, 16:15 Uhr

Die Lebensmittelpreise steigen seit Monaten. Als Grund werden Engpässe durch den Ukraine-Krieg und die Energiepreise angeführt. Verbraucherschützer sehen aber auch eine Mitverantwortung bei den Herstellern.

Die jüngsten Zahlen des UN-Welternährungsprogramms sprechen eine deutliche Sprache. Danach sind allein im vergangenen Monat die weltweiten Lebensmittelpreise um fast 23 Prozent gestiegen – begründet aus Sicht der Organisation mit schlechteren Ernten, Engpässen durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg.

Für den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sind vor allem die steigenden Energiekosten für die höheren Preise verantwortlich. "Dünger kostet das Vierfache, Futter kostet das Doppelte, Diesel ist fast nicht mehr bezahlbar. Und wir Bauern brauchen einfach höhere Preise, um überhaupt noch produzieren zu können", sagte er vor dem am Dienstag gestarteten Deutschen Bauerntag.

Politik rechnet mit weiter steigenden Preisen

Ein Preisschild von Paprikas hängt an der Gemüsetheke in einem Supermarkt.

Rukwied rechnet folglich in den kommenden Wochen und Monaten mit weiter steigenden Preisen. Ähnliches befürchtet auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Für ihn geht es deshalb darum, ähnlich wie beim Thema Energie zusätzliche Quellen zu erschließen: "Wie können wir uns so aufstellen, dass wir weniger abhängig sind von autoritären Ländern, vor allem von Russland. Die Abhängigkeit von mineralischem Dünger muss runter, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, in dem Fall Gas, muss runter."

Rukwied kündigte an, dass die Landwirte zum Beispiel zwei Prozent derzeit unproduktive Reserveflächen im nächsten Jahr zusätzlich bewirtschaften wollen, um die heimische Lebensmittelproduktion anzukurbeln und damit die Preise etwas zu stabilisieren.

Verbraucherschützer: Hersteller wollen Gewinne steigern

Einen anderen Grund für die steigenden Preise vermuten Lebensmittelhändler und Verbraucherschützer in der derzeitigen Preispolitik der Hersteller. Sie sagen, dass die höheren Energie- und Rohstoffpreise die aktuellen Erhöhungen allein nicht rechtfertigen würden. So meint Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg: "Wir befürchten Mitnahmeeffekte. Gerade herrscht eine Stimmung, dass Verbraucher Preiserhöhungen eher akzeptieren als zu anderen Zeiten, weil sie wissen, dass es tatsächlich Lieferengpässe gibt. Und deshalb befürchten wir, dass das ausgenutzt wird."

Ob das zutrifft, lässt sich schwer beurteilen, denn wie genau die Händler und Hersteller ihre Preise ermitteln und kalkulieren, müssen sie nicht öffentlich machen. Es lässt aus Sicht der Verbraucherzentrale jedoch aufhorchen, wenn etwa der Preis für Erdbeermarmelade schon weit vor der Erntezeit innerhalb weniger Wochen um 20 Prozent gestiegen ist.

Oder ein Kaffeelieferant in Deutschland zehn Prozent mehr Geld verlangt, im benachbarten Österreich aber nur drei Prozent. Nach Meinung einiger großer Handelsgruppen deutet das darauf hin, dass es manchen Herstellern vor allem darum geht, den Gewinn zu steigern.

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