9-Euro-Ticket: So war es, so könnte es weitergehen

9-Euro-Ticket: So war es, so könnte es weitergehen

Stand: 29.08.2022, 17:16 Uhr

Das 9-Euro-Ticket war ein Erfolg - das haben die Verkehrsunternehmen heute mit konkreten Zahlen belegt. Mit einer Neuauflage ist es aber nicht getan: Die Verkehrsminister wollen auch mehr Geld vom Bund.

Ende August läuft das 9-Euro-Ticket aus. Wie es dann weitergehen soll, wird noch diskutiert. Fest steht, dass sich viele Menschen in Deutschland eine Fortführung des Angebots wünschen. Eine erste offizielle Bilanz zum 9-Euro-Ticket zog jetzt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) - und die fällt rundum positiv aus.

Viele ließen ihr Auto stehen

52 Millionen Tickets seien während der dreimonatigen Aktion verkauft worden, so der Verband. "Hinzu kommen mehr als zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket jeweils monatlich über den Aktionszeitraum automatisch erhalten haben."

Dazu hat der Verband zusammen mit der Deutschen Bahn 78.000 Käufer und Nicht-Käufer befragt. Ein Ergebnis: Jeder zehnte Käufer hat mindestens eine Fahrt mit dem ÖPNV gemacht, für die sie oder er sonst das Auto genommen hätte. Das hat sich laut Verband auch auf das Klima ausgewirkt: "Drei Monate Neun-Euro-Ticket haben etwa so viel CO2 eingespart, wie ein Jahr Tempolimit auf Autobahnen bringen würde", so VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Über die drei Monate seien in etwa 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden.

Der Verband plädiert deswegen für eine schnelle Anschlusslösung: "Wenn wir Verkehrswende und Klimawandel ernst nehmen, dann müssen wir jetzt handeln", so Wolff. Allerdings: Es gibt dazu auch ganz andere Zahlen. Das RWI-Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen etwa hat für den gleichen Zeitraum eine mindestens drei Mal niedrigere CO2-Ersparnis errechnet.

Auf dem Land war das Ticket kein Renner

Zwei weitere Ergebnisse aus der Umfrage: Viele Ticket-Käufer scheinen zufrieden zu sein - trotz der oft komplett überfüllten Züge. Und: Auf dem Land war das Ticket deutlich weniger gefragt - dort ist das ÖPNV-Angebot einfach nicht gut genug. Beides hat jetzt auch die Landes-Verkehrsminister auf den Plan gerufen. Sie wollen, dass der Bund schnell mehr Geld für den Nahverkehr bereit stellt, auch mit Blick darauf, dass sich die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln könnten. "Die Attraktivität des ÖPNV, das heißt gute Taktungen, ein dichtes Liniennetz und schnelle Fahrzeiten können nur mit zusätzlichen Mitteln gewährleistet werden", sagt Guido Beermann, CDU-Verkehrsminister aus Brandenburg.

Kommt das 49-Euro-Ticket oder das 69-Euro-Ticket?

Unterdessen wird weiter diskutiert, wie ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket aussehen könnte. Die Grünen schlagen ein regionales 29-Euro-Ticket und ein bundesweites 49-Euro-Ticket vor. Die SPD favorisiert ein bundesweites 49-Euro-Ticket. Das geht aus einem Beschlussentwurf für eine Fraktionsklausur am 1. und 2. September hervor, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Der FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Michael Theurer, hatte sich zuletzt offen für ein 69-Euro-Ticket gezeigt - diesen Vorschlag legte auch der Verband der Verkehrsunternehmen vor.

VDV-Verbandssprecher Lars Wagner sagte im ARD-"Morgenmagazin": "Wenn man einen günstigeren Preis machen möchte oder beschließen möchte in der Politik, dann ist es eben keine verkehrspolitische, sondern eine sozialpolitische Entscheidung", betonte Wagner. "Wir sind am Ende offen dafür, es muss nur finanziert werden - und zwar dauerhaft."

VDV rechnet mit Preiserhöhungen

Das 9-Euro-Ticket hatte für Juni, Juli und August für jeweils neun Euro Monatsgebühr die Fahrt in allen öffentlichen Nahverkehrsmitteln in Deutschland ermöglicht. Ab September gilt dann wieder die alte Tarifstruktur. Wagner kündigte an, dass es zum Teil Preiserhöhungen geben werde.


Sozialverband VdK dringt auf schnelle Lösung

Verena Bentele

Will es unkompliziert: Verena Bentele

Im Ringen um eine Nachfolgeregelung fordert die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, eine schnelle Lösung in der Diskussion. Ein Folgeangebot für das Nahverkehrsticket müsse "günstig, bundesweit einheitlich und unkompliziert“ sein, sagte Bentele den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Trotz der hohen Inflation müssten die Menschen weiterhin klimafreundlich mobil bleiben können.

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