Ticker vom Dienstag (23.06.2020) zum Nachlesen

  • Wieder strenge Corona-Auflagen für zwei Kreise
  • Drosten warnt vor zweiter Welle
  • Gebauer kündigt Regelbetrieb in Schulen an
  • Düsseldorfer Altstadt soll kein zweites Ischgl werden
  • Alle Entwicklungen im Live-Ticker
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Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Wieder strenge Corona-Auflagen für zwei Kreise in NRW

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh und auch im Nachbarkreis Warendorf massiv ein. Im öffentlichen Raum dürfen sich die Bewohner eine Woche lang nur noch mit Personen des eigenen Hausstands bewegen oder zu zweit. Außerdem werden Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen, wie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag mitteilte. Der Kreis Warendorf werde von Donnerstag an zudem alle Schulen und Kitas schließen - in Gütersloh sind sie bereits zu.

Laumann wies in einem "ARD extra" die Kritik zurück, die Landesregierung habe zwei Tage zu spät den "Lockdown" in den beiden Kreisen verhängt. Man müsse solche Einschnitte, wie sie jetzt angeordnet wurden, gut begründen können. Es gehe darum, auf ein dynamisches Geschehen angemessen zu reagieren, betonte der Minister.

Wenige Stunden zuvor hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch angekündigt, die Einschränkungen für den Kreis Warendorf würden "nicht flächendeckend" sein, sondern nur für Orte gelten, die an den Kreis Gütersloh grenzen. Als Folge des einwöchigen "Lockdowns" hat die Stadt Münster verschärfte Regeln zur Maskenpflicht im Stadtgebiet beschlossen: Wer aus dem Großraum Gütersloh und Warendorf kommend Münster besucht, ist ab Mittwoch im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz dazu verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Mit der erneuten Verschärfung der Kontaktregeln kommen enorme Kosten auf die Kreise zu. Allein für den Kreis Gütersloh fallen vermutlich rund 22 Millionen Euro pro Tag an Lockdown-Kosten an, erklärte der Ökonom Jens Südekum am Abend in der "Aktuellen Stunde".

Landrat appelliert an Menschen im Kreis Gütersloh: An Regeln halten

Der Landrat des Kreises Gütersloh hat an die Bevölkerung appelliert, sich an die ab Mittwoch wieder gültigen Coronaschutz-Regeln zu halten. Die jetzt verkündeten Einschränkungen nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies seien weniger umfangreich als noch im März. "Das war mir besonders wichtig", sagte Sven-Georg Adenauer am Dienstag. "Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten", sagte der CDU-Politiker. So dürften zum Beispiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben.

Infektiologin schließt strenge Corona-Auflagen für ganz NRW nicht aus

Die Kölner Infektiologin Clara Lehmann schließt nicht aus, dass die für die Kreise Gütersloh und Warendorf verhängten strengen Corona-Auflagen in nächster Zeit auf ganz NRW ausgedehnt werden. Man könne nicht davon ausgehen, dass sich das Infektionsgeschehen nur auf die Mitarbeiter des Fleischkonzerns Tönnies konzentriere, sagte Lehmann am Dienstag in der "Aktuellen Stunde". Möglicherweise sei das Virus bereits in den zurückliegenden Tagen weiter in die Bevölkerung hineingetragen worden. Ob dem so ist, müssten jetzt Tests zeigen. Daher müsse es jetzt so viele Tests wie möglich geben. Sollten sich Hinweise auf eine weitere Durchseuchung der Bevölkerung ergeben, müsse möglichst rasch gehandelt und ein "Lockdown" verhängt werden.

Kekulé: Behörden in NRW reagierten nicht schnell genug

Der wegen des massenhaften Corona-Ausbruchs beim Fleischkonzern Tönnies für den Landkreis Gütersloh verhängte einwöchige Lockdown ist aus Sicht des Virologen Alexander Kekulé zu kurz angesetzt. Es dauere in der Regel zwei Wochen, bis bei allen Infizierten Symptome aufgetreten seien, sagte Kekulé am Dienstag im Podcast von "MDR Aktuell". Er warf den Behörden in NRW auch vor, nach Bekanntwerden des neuen Infektionsherds nicht schnell genug reagiert zu haben. Einen Landkreis dürfe man zudem "nicht mit Ankündigung" abriegeln, sagte der Virologe. "Wenn man das vorher sagt, dann sind ganz viele Leute raus aus der Region." Zu befürchten sei, "dass wirklich viele Mitarbeiter vorzeitig Gütersloh und die Fabrik verlassen haben und das Virus jetzt in der Republik irgendwo oder in benachbarte Städte weitergetragen haben".

Drosten warnt vor zweiter Welle

Der Virologe Christian Drosten befürchtet nach Corona-Ausbrüchen unter anderem in NRW eine unbemerkte Ausbreitung des Coronavirus in die Bevölkerung. Die Verbreitung über die Gegend hinaus zu verhindern, sei jetzt das Entscheidende, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im NDR-Podcast. Generell gebe es aktuell in mehreren Orten, darunter auch in Berlin, eindeutige Anzeichen, dass Sars-CoV-2 wieder komme. Schon jetzt ist aus Sicht des Virologen große Vorsicht geboten, dass sich keine zweite Welle entwickelt. Er verwies auf die Lage in den Südstaaten der USA, wo sich trotz hoher Umgebungstemperaturen eine "furchtbare Situation" entwickle. Dort sei zu früh gelockert worden.

Schulministerin Gebauer kündigt Regelbetrieb in Schulen an

Nach den Ferien soll es in NRW wieder einen Regelbetrieb in allen Schulen geben. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte heute Mittag, man gehe von einem "Präsenzbetrieb in vollem Umfang aus". Lernen auf Distanz soll aber möglich gemacht werden, um auf mögliche Schulschließungen reagieren zu können.

Es werde keine Maskenpflicht geben - nur ein Gebot. Gebauer betonte, dass Schulen nicht von vornherein vor der Corona-Pandemie zurück schrecken dürfe. Es soll nach den Ferien "so viel Normalität wie möglich" geben.

Dazu müsse allerdings zusätzliches Personal gewonnen werden, da vorerkrankte Lehrer nicht eingesetzt werden können. Die Stellenbesetzung für den G8/G9-Wechsel wird deshalb zum Teil vorgezogen, wodurch 1.450 Stellen vorzeitig besetzt werden können.

Nach den Ferien wolle man zudem schauen, auf welchem Stand die Schüler sind. Dazu sollen weitere Konzepte erarbeitet werden. Die Ministerium kündigte an, dass auch Musik- und Sportunterricht wieder möglich gemacht werden. Auch Ausflüge, Exkursionen und Schulfeiern soll es geben. Man dürfe allerdings nicht die "Augen vor der Realität verschließen", so Gebauer.

Während der Sommerferien soll zudem an 15 aufeinanderfolgenden Werktagen für die Jahrgangsstufe 1 bis 8 ein Programm für jeweils sechs Stunden angeboten werden.

Mehrere Schulen in NRW wieder geschlossen

In NRW mussten bereits mehrere Schulen wegen Corona-Verdachts wieder geschlossen werden - wenige Tage, nachdem der Unterricht im Westen wieder begonnen hatte. So schließt eine Grundschule in Duisburg heute ihre Pforten. In Dortmund wurden gestern Schüler von fünf Schulen vorzeitig in die Sommerferien geschickt.

Beherbergungsverbot für Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf

Angesichts des massiven Corona-Ausbruchs im Kreis Gütersloh untersagt Bayern die Beherbergung von Menschen, die von dort und aus anderen schwer betroffenen Landkreisen in das südliche Bundesland einreisen. Beherbergungsbetriebe in Bayern dürfen künftig keine Gäste mehr aufnehmen, die aus einem Landkreis einreisen, in dem die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100 000 Einwohner liegt. Das teilte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag in München mit. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein werden Urlauber aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Hotels abgewiesen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verteidigte im "ARD extra" das Beherbergungsverbot. Es sei eine "Sicherheitsmaßnahme". "Wir bleiben vorsichtig, weil wir erlebt haben, wie schnell sich dieses Vireus ausbreiten kann", betonte Söder. Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste.

Usedom wirft Urlauber raus

Auf der Urlaubsinsel Usedom sind gestern 14 Menschen aus Corona-Risiko-Gebieten aufgefordert worden, vorzeitig abzureisen. Darunter auch ein Paar aus dem Kreis Gütersloh.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kritisierte ein solches Vorgehen am Vormittag. Er warnte davor, Menschen aus dem Kreis Gütersloh zu stigmatisieren. Sie sollten nicht unter "Pauschalverdacht" gestellt werden.

Maas mahnt deutsche Touristen in Spanien

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat während eines Besuchs in Valencia an deutsche Urlauber in Spanien appelliert, sich an die vor Ort geltenden Corona-Schutzmaßnahmen zu halten. Nach der Öffnung der spanischen Grenzen müssten deutsche Touristen "Vernunft und Verantwortung" zeigen, um zu verhindern, dass es zu einem Neuanstieg der Infektionszahlen komme, sagte Maas nach einem Treffen mit seiner spanischen Kollegin Arancha González Laya. Beide Politiker warben auch für eine schnelle Verabschiedung des Wiederaufbaufonds zur wirtschaftlichen Erholung Europas. Spanien habe sich besonders gewissenhaft auf den bevorstehenden Sommertourismus vorbereitet, sagte Maas. Nach monatelangen strikten Ausgangsbeschränkungen in dem Land sei es nun wichtig, dass sowohl die ausländischen Touristen als auch die spanischen Gastgeber vor einem erneuten Ausbruch des Coronavirus geschützt würden.

Düsseldorfer Altstadt soll kein zweites Ischgl werden

Die Düsseldorfer Altstadt, die "längste Theke der Welt", soll kein zweites Ischgl werden - kein weiterer Hotspot der Corona-Pandemie. Am vergangenen Wochenende waren viele Tausend Feierwütige in die engen Altstadtgassen geströmt und hatten den Verantwortlichen in der Landeshauptstadt Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Polizei und Ordnungsamt mussten größere Ansammlungen auflösen. Nun soll an den kommenden Wochenenden ein Lagezentrum im Rathaus dafür sorgen, dass die Altstadtgänger die Stadt nicht in den Lockdown treiben. Das hat die Stadt am Dienstag angekündigt. Dies habe sich bereits an Karneval und dem Japan-Tag bewährt. Weitere Maßnahmen werden nicht ausgeschlossen.

Chemiebranche stellt zehn Millionen Liter Desinfektionsmittel bereit

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat die deutsche Chemiebranche mehr als zehn Millionen Liter Desinfektionsmittel bereitgestellt. Die Menge, die etwa der Ladung von 300 Tanklastwagen entspreche, sei an über 1.000 medizinische und soziale Einrichtungen in Deutschland verteilt worden, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag in Frankfurt mit. Organisiert wurde das Desinfektionsmittel über die Internetplattform "Notfalldesinfektion". Wegen der entspannteren Versorgungslage sei die Aktion mittlerweile beendet, teilte der Verband mit, der die Chemie- und Pharmabranche mit rund 464 000 Mitarbeitern in Deutschland vertritt.

Reise nach Mekka fällt für viele Gläubige aus

Dieses Jahr nicht möglich - vom Flughafen Düsseldorf zur Pilgeerreise aufbrechen | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Für viele Gläubige muss die Pilgerfahrt nach Mekka ausfallen. Laut Angaben der Regierung von Saudi-Arabien dürfen wegen der Corona-Pandemie nur Gläubige teilnehmen, die im Land leben. In den vergangenen Jahren kamen immer über zwei Millionen Reisende zur sogenannten Hadsch - die meistenaus dem Ausland.

"Wirtschaftsweise" korrigieren Prognose nach unten

Die "Wirtschaftsweisen" haben heute ein neues Gutachten für die deutsche Wirtschaft vorgelegt. Darin schrauben die Experten die Prognose für dieses Jahr deutlich nach unten.

Zuvor hatten sie ein Minus von maximal 5,4 Prozent prognostiziert. Nun gehen sie davon aus, dass das BIP um 6,5 Prozent schrumpfen wird. Allerdings rechnen die "Wirtschaftsweisen" bereits für das nächste Jahr wieder mit einer deutlichen Erholung.

Nigth of Light: Veranstalter schlagen Alarm

Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche und Locations für Events haben in der vergangenen Nacht auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht. In zahlreichen Städten - auch in NRW - wurden in einer "Night of Light" Spielstätten, Veranstaltungszentren und andere Bauwerke mit rotem Licht angestrahlt und so "Alarmstufe Rot" symbolisiert. 

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