Ticker vom Mittwoch (10.06.2020) zum Nachlesen

  • Studie: Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen besonders hoch
  • Reisewarnung für Nicht-EU-Länder verlängert - auch für Türkei
  • Gebauer verteidigt Rückkehr zu Regelbetrieb an Grundschulen
  • Alle Entwicklungen hier im Corona-Live-Ticker
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Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Corona: Sterblichkeit bei Menschen in Pflegeheimen besonders hoch

Menschen in Pflegeheimen sind durch die Corona-Pandemie besonders stark gefährdet: Nach Hochrechnungen von Forschern der Universität Bremen waren in Deutschland 60 Prozent aller Covid-19-Verstorbenen Menschen, die stationär in Pflegeheimen oder ambulant von Pflegediensten betreut wurden. Diese Gruppe stellte der Studie zufolge etwa 8,5 Prozent aller bundesweit mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizierten Personen, wie die Universität Bremen mitteilte.

Die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen sei mehr als 50 Mal so hoch wie im Rest der Bevölkerung. Für die Studie befragte das Forscherteam bundesweit 824 Pflegeheime, 701 Pflegedienste und 96 teilstationäre Einrichtungen.

Virologe Streeck kritisiert schnellen Lockdown

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat den deutschen Corona-Lockdown mit seinen gravierenden Folgen kritisiert. Nach dem Verbot von Großveranstaltungen seien die Infektionszahlen bereits gesunken, sagte Streeck der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die weiteren Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen hätte ich dann vom tatsächlichen Verlauf abhängig gemacht, auch um zu sehen, wie die einzelnen Beschränkungen wirken."

Er glaubt, dass neben der Sorge um die Kapazität der Krankenhäuser auch "ein gewisser Druck in der Öffentlichkeit" zum schnellen Lockdown geführt habe. Der Virologe sieht auch den Nutzen der angekündigten Corona-App sowie von Massentests und Maskenpflicht skeptisch.

Die App komme zu spät. Massentests seien teuer und lohnten sich nicht, "wenn wir nur ein positives Ergebnis auf 100 Tests sehen". Zudem wird der Mund- und Nasenschutz laut Streeck häufig falsch angewendet und ist daher "ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze".

Weiter keine Kontakte beim Hallensport

Die coronabedingten Einschränkungen für den Mannschaftssport in NRW sind rechtens und gelten deshalb weiter. Das hat das Oberverwaltungsgericht in Münster am Nachmittag in einem Eilverfahren entschieden.

Geklagt hatte ein Familienvater aus Düsseldorf. Er sah in den Corona-Auflagen einen unverhältnismäßigen Eingriff in seine Freiheit und eine Ungleichbehandlung des Breitensports mit dem Bundesligafußball. Aus Sicht der Richter in Münster sind die Regelungen aber "noch erforderlich und angemessen und damit verhältnismäßig". Die Entscheidung des OVG ist nicht anfechtbar.

Regierung hat Reisewarnung für Nicht-EU-Länder verlängert

Die Reisewarnung für Nicht-EU-Länder ist bis Ende August verlängert worden. Das hat das Bundeskabinett heute beschlossen. Ausnahmen kann es für einzelne Länder geben, wo sich die Infektionszahlen gut entwickeln, das Gesundheitssystem leistungsfähig ist und Touristen auch dann nicht an der Rückreise gehindert werden, wenn dort eine Quarantäneregel besteht.

Für fast alle EU-Staaten sowie Island, Norwegen, die Schweiz, Liechtenstein und Großbritannien gelten ab Montag (15.06.2020) nur noch Reisehinweise. Für Spanien und Norwegen gilt diese Regelung erst später - dort besteht derzeit noch ein Einreiseverbot.

Im Fall von Großbritannien werde der Reisehinweis "ein dringendes Abraten von Reisen dorthin enthalten". Das sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Die verlängerte Reisewarnung gilt unter anderem für beliebte Reiseländer wie die Türkei, Ägypten oder Tunesien. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will in den kommenden Tagen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen, damit sein Land von der Warnung ausgenommen wird.

Viele Testkapazitäten frei

In Deutschland wurden laut Gesundheitsministerium zuletzt 350.000 bis 400.000 Menschen pro Woche auf das Coronavirus getestet. Die maximal mögliche Kapazität liege bei über einer Million, sagt eine Sprecherin des Ministeriums.

Corona-Warn-App für Millionen Menschen nicht zu verwenden

Eine Warn-App soll demnächst helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. | Bildquelle: dpa

Viele Menschen in Nordrhein-Westfalen werden die geplante Corona-Warn-App nicht nutzen können. Nach WDR-Recherchen sind es mehr als drei Millionen. Allein ein Fünftel der Erwachsenen hat aktuell kein geeignetes Smartphone.

Die Warn-App soll kommende Woche starten. Sinnvoll ist sie allerdings nur, wenn auch viele mitmachen. Bisher gilt eine Marke von mindestens 60 Prozent als Ziel. Neben den Menschen, die gar kein passendes Gerät haben, gibt es auch viele, die die App grundsätzlich nicht installieren wollen, zum Beispiel wegen Datenschutzbedenken.

Gebauer verteidigt Rückkehr zu Regelbetrieb an Grundschulen

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat die Rückkehr zum Regelbetrieb an allen Grundschulen in NRW ab Montag (15.06.2020) gegen massive Kritik verteidigt. Die Corona-Krise sei eine "Ausnahmesituation" für alle Beteiligten, sagte Gebauer.

Sie sehe die Sorgen und Ängste bei Lehrkräften und Eltern. Man könne aber in diesen Zeiten nicht auf einen "Königsweg" zurückgreifen, "weil es ihn schlicht und einfach nicht gibt".

Der Schritt sei ausgiebig mit den Schulen und Verbänden diskutiert worden, so Gebauer weiter. Gerade den jüngsten Schülern sollten vor den Ferien noch einmal die "notwendigen Strukturen" gegeben werden. "Es geht hier nicht nur um körperliche, sondern auch um seelische Unversehrtheit."

Schul-Regelbetrieb nach den Sommerferien

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), hat bekräftigt, dass die Schulen nach den Sommerferien zum Regelbetrieb zurückkehren sollen. Darin seien sich die Kultusminister einig, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin im ARD-Morgenmagazin.

Mit Beginn des regulären Schuljahres sollten dann auch die Abstandsregeln fallen, fügte sie hinzu. Vor Ort werde allerdings im Einzelfall entschieden, wie Regeln umgesetzt würden.

Brauereien befürchten Leergutmangel

Zum Beginn des Lockdowns hatten sich zahlreiche Menschen mit Getränkekisten eingedeckt. Die leeren Pfandflaschen zurückbringen wollen viele Kunden aber offenbar nicht. Das wird für Brauereien in Nordrhein-Westfalen nun zum Problem.

"Angesichts der deutlich spürbaren Mehrverkäufe von Flaschenbier zum Frühsommer befürchten die Brauereien im Land Engpässe beim Mehrwegleergut", sagte heute der Geschäftsführer des Brauereiverbandes NRW, Heinz Linden.

In der Corona-Krise würden die Menschen weniger ausgehen und dadurch mehr zu Hause trinken, so Linden. Viele Getränkehändler vermissten bei gleichzeitig steigender Nachfrage das Leergut. Ein Flaschennotstand besteht nach Einschätzung des Brauerverbands aber nicht.

Regeln für Saisonarbeiter werden gelockert

Bauern können auf ihren Feldern bald wieder mehr Erntehelfer aus dem Ausland beschäftigen. Ab Dienstag (16.06.2020) sollen Saisonarbeitskräfte aus den EU-Staaten und den anderen Schengen-Staaten wieder ohne Corona-Beschränkungen einreisen dürfen. Das hat das Bundeskabinett heute beschlossen.

Aktuell dürfen nur höchstens 80.000 Saisonkräfte einreisen - im vergangenen Jahr kamen etwa 300.000. Vor allem Höfe, die auf Spargel und Erdbeeren spezialisiert sind, haben seit Wochen Personalnot.

Den Obst- und Gemüsebauern in Westfalen-Lippe fehlten wegen der Corona-Pandemie zwischenzeitlich bis zu 85 Prozent der Saisonarbeitskräfte. Das gab der Westfälisch-lippische Landwirtschaftsverband vorige Woche bekannt.

Einfluss der Jahreszeiten auf Pandemie unklar

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist unklar, welchen Einfluss die Jahreszeiten auf den weiteren Verlauf der Pandemie haben. Bislang gebe es keine Daten, die auf eine veränderte Übertragung des Virus hindeuteten, sagt WHO-Experte Mike Ryan. "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Jahreszeit oder die Temperatur die Lösung sein wird." Ryan verwies dabei auf den bevorstehenden Sommer auf der Nordhalbkugel wie auch den Winterbeginn auf der südlichen Erdhälfte.

Linke fordert wegen Corona mehrtägige Bundestagswahl

Sollte die Bundestagswahl im kommenden Jahr über mehrere Tage gestreckt werden, damit sich an den Wahlbüros zum Schutz vor dem Coronavirus keine Menschenmengen bilden? Das forderte der Parlamentsgeschäftsführer der Linken-Bundestagsfraktion Jan Korte gegenüber den Funke-Medien.

Stimmabgabe im Wahllokal: 2021 über mehrere Tage möglich? | Bildquelle: dpa

Nötig sei das, wenn die Pandemie bis dahin anhalte, so Korte. Die Stimmabgabe im Wahllokal ausfallen zu lassen, lehnt er ab. "Eine reine Briefwahl kann Menschen ausschließen und ist unbedingt zu vermeiden."

Auch die AfD lehnt eine reine Briefwahl ab. Für seine Partei sei ein solches Verfahren "undenkbar", sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner. Stattdessen "könnten die Öffnungszeiten der Wahllokale verlängert und die Anzahl der Wahlräume vergrößert werden, um zu große Menschenansammlungen zu vermeiden".

Düsseldorfer Kita-Kinder werden auf Corona getestet

Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus? Diese auch unter Experten strittige Frage wollen das Land NRW, die Stadt Düsseldorf und die dortige Uni-Klinik beantworten - mit einer bundesweit einmaligen Modell-Corona-Studie.

Vier Wochen lang werden in der Landeshauptstadt 5.000 Kinder und Erzieher in regelmäßigen Abständen getestet und insgesamt 40.000 Tests ausgewertet. Ziel ist es unter anderem auch, das Infektionsgeschehen nach der Wiederöffnung von Kitas zu erforschen.

Matjes als Dank für Corona-Behandlung

Mit rund 4.000 Matjesheringen der neuen Fangsaison wollen sich die Niederlande symbolisch für die Behandlung von Corona-Patienten in Deutschland bedanken. Die Leckerbissen sollen am kommenden Montag (15.06.2020) gratis an Mitarbeiter des Universitätsklinikums Münster ausgeliefert werden, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP.

Matjesfilet | Bildquelle: wdr/Stockfood

Deutsche Kliniken hatten in den Hochzeiten der Coronavirus-Pandemie zahlreiche Patienten aus dem Nachbarland aufgenommen, weil es dort anfangs nicht genügend Plätze auf Intensivstationen gab. Allein in Nordrhein-Westfalen hatten Krankenhäuser bis Anfang April mehr als 100 Betten zur Verfügung gestellt. Das Universitätsklinikum Münster hatte die NRW-Hilfsaktion koordiniert.

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