Sputnik V: Bald russischer Corona-Impfstoff in NRW?

Von Jörn Seidel / Anna Palm

Bayern und Mecklenburg-Vorpommern haben sich den russischen Impfstoff Sputnik V bereits gesichert. Sollte auch NRW auf eigene Faust einkaufen? Fragen und Antworten.

Ein "guter Impfstoff" oder ein Mittel der "Propaganda"? Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V ist umstritten. Bis heute gibt es viele offene Fragen zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Auch geopolitisch ist eine Bestellung umstritten. Sollte der Westen mit Russland kooperieren?

Solcher Bedenken zum Trotz sind Bayern und Mecklenburg-Vorpommern vorgeprescht und haben Sputnik V auf eigene Faust geordert. Das sollte auch NRW tun, forderte die SPD. Und auch der Bund will verhandeln. Wird also Sputnik V bald auch in NRW verimpft?

Impfstoff Sputnik V für NRW: Wie realistisch ist das?

Ausgeschlossen ist nicht, dass Sputnik V bald auch in NRW verimpft wird - aber inzwischen wegen der großen Menge an Impfstoff eher unwahrscheinlich. Das NRW-Gesundheitsministerium hatte im April auf WDR-Anfrage mitgeteilt, dass die Landesregierung "derzeit" nicht plane, Sputnik V oder andere Impfstoffe zu bestellen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bekanntgegeben, direkt mit Russland über eine Belieferung mit Sputnik V verhandeln zu wollen. Zuvor habe die EU-Kommission angekündigt, keine Lieferverträge abzuschließen, so Spahn im "Morgenecho" bei WDR5.

Die Diskussion über mögliche Sputnik-V-Bestellungen dürfe keine "Fata-Morgana-Debatte" sein, so der Minister weiter. Bevor der Impfstoff eingesetzt werde, bedürfe es einer Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA. "Und es braucht eine konkrete Ansage, wann was geliefert werden kann."

Sollte NRW doch selbst einkaufen, wenn der Bund es nicht tut?

Das forderte zu Ostern Thomas Kutschaty, Chef der NRW-SPD und Oppositionsführer im Landtag. Gegenüber dem WDR verwies er auf die Pläne Österreichs, den russischen Impfstoff zu bestellen. "Warum wir das nicht tun, kann ich nicht nachvollziehen", so Kutschaty in Richtung Landesregierung. Die EMA habe sich "mit der Zulassung schon viel zu viel Zeit gelassen".

Im EU-Staat Ungarn wird Sputnik V mit einer nationalen Genehmigung bereits verimpft. In Deutschland sind die Bundesländer zwar beim Einsatz des Impfstoffs an die Vorgaben des Bundes gebunden. Einkaufen dürfen sie ihn aber selbst - auch wenn es mit dem Bund anders verabredet ist.

So unterzeichnete Bayern einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Sputnik-Dosen. Mecklenburg-Vorpommern zog mit einer Option auf eine Million Dosen nach.

Wie sinnvoll ist der Einsatz von Sputnik V in Deutschland?

Das ist ebenfalls umstritten - nicht nur aus geopolitischen Gründen. Offenbar ist der Hersteller noch viele Daten schuldig, die für eine Zulassung nötig sind.

Und es ist eben sehr fraglich, ob Sputnik V überhaupt noch benötigt wird - wegen der Menge an vorhandenem Impfstoff.

Würden sich die Menschen in NRW überhaupt mit Sputnik V impfen lassen?

Wahrscheinlich ja. Das ist das Ergebnis einer am 8. April veröffentlichten Umfrage von Yougov im Auftrag des "Handelsblatts". Demnach würden sich 55 Prozent der Befragten mit Sputnik V impfen lassen, sollte das Vakzin von der EMA grünes Licht bekommen.

19 Prozent lehnen eine Impfung mit dem russischen Mittel ab, 14 Prozent zeigten sich unschlüssig. Zwölf Prozent der Befragten wollen sich generell nicht impfen lassen.

Wie spricht man Sputnik V eigentlich aus?

"Vau", "wie" oder "fünf"? Auch die richtige Aussprache von Sputnik V ist umstritten. Der Name spielt offenbar auf Sputnik 1 an, den ersten sowjetischen Weltraumsatelliten, der 1957 in der westlichen Welt den "Sputnikschock" auslöste.

Ursprünglich stand der Buchstabe V offenbar für Vakzin, also Impfstoff. Später erhielt das V dann eine andere Bedeutung. Es stehe für Victory, also Sieg, verkündete im Dezember der offizielle Twitter-Account von Sputnik V.

Von daher sprechen manche das V englisch aus - also "wie". Andere sagen sagen auf Deutsch schlicht "vau".