Im St. Marien-Krankenhaus in Ratingen bereitet eine Hebamme die Geburt eines Kindes vor.

Lauterbach lenkt ein: Streit um Hebammenfinanzierung wohl beigelegt

Stand: 08.11.2022, 20:16 Uhr

Wie soll die Arbeit von Hebammen zukünftig finanziert werden? Darüber gab es in den vergangenen Tagen viele Diskussionen. Jetzt hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD) eine Lösung angekündigt.

Nach dem Streit um die künftige Finanzierung der Arbeit von Hebammen will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf die Forderung der Berufsverbände eingehen. Das sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Demnach sollen die Hebammen auch künftig im sogenannten Pflegebudget bleiben. Zugleich kündigte er an, dass die Hebammen aus dem Fallpauschalensystem genommen und ihre Leistungen gesondert bezahlt würden. "Der wirtschaftliche Druck verträgt sich nicht mit dem Berufsbild. Auf dem Rücken der Hebammen sollen Krankenhäuser künftig nicht mehr sparen können", so Lauterbach.

Karl Lauterbach bei einer Pressekonferenz in Berlin

Vorangegangen war eine intensive Diskussion zwischen Kliniken, Berufsverbänden und der Bundesregierung. Eine Onlinepetition zu dem Thema wurde bis Dienstagnachmittag von über 1,2 Millionen Menschen unterschrieben. Sie alle dürften nach der Ankündigung jetzt aufatmen.

Arbeit von Hebammen sollte nur noch teilweise bezahlt werden

Anlass zum Streit war eine Ende Oktober verabschiedete Finanzreform der gesetzlichen Krankenkassen. Das sogenannte GKV-Finanzstabilisierungsgesetz sah unter anderem Veränderungen im Pflegebudget vor. Das legt fest, welche Leistungen im Krankenhaus von den Krankenkassen bezahlt werden.

Ab 2025 würden dabei einige Leistungen wegfallen. Finanziert würden nur noch Kosten für die unmittelbare Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen. Dazu zählt jedoch nicht die Arbeit von Hebammen am Wochenbett – also die Nachsorge nach einer Geburt. Die müssten Krankenhäuser also künftig selber finanzieren. Die Sorge: Hebammen könnten entlassen und Pflegekräften könnten zusätzliche Aufgaben aufgebürdet bekommen.

Kritik von Eltern und Verbänden

Dagegen wollte sich unter anderem Michelle Franco aus Karlsruhe wehren und startete eine Onlinepetition. „Ich bin vor knapp zwei Jahren selber Mutter einer Tochter geworden. Und ich hatte leider einige Komplikationen in meiner Schwangerschaft, weshalb ich schon damals in meiner Schwangerschaft im Krankenhaus betreut werden musste. Und auch nach der Geburt habe ich erlebt, was Hebammen alles auf den Stationen leisten.“

Auch der Berufsverband, der Deutsche Hebammenverband, war gegen die Pläne Sturm gelaufen. Jetzt begrüßte der Verband die Ankündigung Lauterbachs. Es mache sie "hoffnungsfroh zu hören, dass der Minister die Notlage erkannt hat und zum Handeln bereit ist", so Verbandspräsidentin Ulrike Geppert-Orthofer gegenüber der "Rheinischen Post".

Lauterbach stellt weitere Reformen in Aussicht

  • Krankenhausreform soll ausgeweitet werden: Neben der bereits bekannten Förderung von Krankenhäusern mit Geburtshilfeabteilungen und mit Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin soll es der "Rheinischen Post" zufolge Krankenhaustagesbehandlungen geben, um unnötige Übernachtungen für Patienten zu vermeiden und Pflegekräfte auf den Stationen zu entlasten.
  • Spezielle Vergütungen für ambulante Operationen: Eine unnötige Krankenhausaufnahme bei einfachen Eingriffen soll sich künftig nicht mehr lohnen. Viele Behandlungen, die bisher stationär gemacht werden, sollen künftig ambulant erfolgen. "Das entlastet Pflege und Ärzte", so Lauterbach der Zeitung zufolge.

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