Essen: Einschusslöcher sind auf einer verglasten Tür zu sehen. Sie wurden am Rabbinerhaus bei der Alten Synagoge in Essen entdeckt

Anschläge auf Synagogen: Stecken iranische Revolutionsgarden dahinter?

Stand: 01.12.2022, 18:09 Uhr

Nach den Anschlägen auf Synagogen in NRW vermuten die Ermittler wohl die iranischen Revolutionsgarden hinter den Taten. Das haben Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" ergeben.

Zwei Wochen nach den Anschlägen auf Synagogen in NRW vermuten die Ermittler offenbar, dass iranische Revolutionsgarden dahinter stecken könnten. Der Deutsch-Iraner Ramin Y. stehe im Fokus der Ermittlungen, berichtet das ARD-Magazin "Kontraste". Y. soll demnach im Auftrag der iranischen Revolutionsgarden ein Kommando für Anschläge in Deutschland leiten. Er habe sich offenbar im vergangenen Jahr in den Iran abgesetzt.

Verbindungen zu Mann in U-Haft

Nach "Kontraste"-Informationen soll Y. Kontakte zu einem anderen Deutsch-Iraner haben, der in NRW bereits in Untersuchungshaft sitzt. Der 35-Jährige soll einen Molotowcocktail auf eine Bochumer Schule geworfen haben, die an eine Synagoge grenzt. In derselben Nacht fielen auch Schüsse auf die Alte Synagoge in Essen. Außerdem soll er einen weiteren Mann zu einem Brandanschlag auf eine Synagoge in Dortmund angestiftet haben, wozu es am Ende aber nicht kam.

Laut "Kontraste" sehen die Ermittler einen Zusammenhang zwischen den drei Vorfällen. "Wir sprechen hier von Staatsterrorismus", sagte ein Ermittler dem Magazin. Zudem bestehe eine erhöhte Bedrohungslage für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

Y. ist den Ermittlern bereits gut bekannt. Er gilt als Gründer des Rocker-Klubs Hells Angels in Mönchengladbach und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht - unter anderem wegen eines Mordes im Rockermilieu.

Generalbundesanwalt hat den Fall übernommen

"Kontraste" berichtete zudem, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen habe. Das hat die Behörde am Freitag bestätigt. Einzelheiten zu Hintergründen wollte eine Sprecherin aber nicht nennen.

Erhöhte Polizeipräsenz vor jüdischen Einrichtungen

Polizist mit Maschinenpistole MP5 vor einem Körper

Schon am Mittwochabend war bekannt geworden, dass die Sicherheitsvorkehrungen rund um jüdische Einrichtungen in NRW noch einmal verschärft wurden. So standen vor der Synagoge in Hagen und vor anderen jüdischen Gebäuden Beamte mit Schutzwesten und Maschinenpistolen. "Aufgrund der Gesamtentwicklung und der (...) Ermittlungsergebnisse" seien die Schutzmaßnahmen nun "landesweit angepasst" worden, hieß es aus dem NRW-Innenministerium. Details wurden mit Verweis auf Sicherheitsgründe aber nicht genannt.

Festnahme und weitere Vorfälle

Mitte November war nachts auf das frühere Rabbinerhaus an der Alten Synagoge in der Essener Innenstadt geschossen worden. Vier Einschusslöcher an einer Tür waren am Morgen entdeckt worden. Seit einer Woche ist bekannt, dass die Ermittler auch mögliche Verbindungen zu den Vorfällen in Bochum und Dortmund prüfen.

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