Kleingartenverein Carl-Funke in Essen-Heisingen

Grüne Oasen: Kleingarten-Boom in NRW

Stand: 13.05.2022, 07:31 Uhr

Kleingärten sind beliebter denn je. Fast überall in Nordrhein-Westfalen gibt es lange Wartelisten. Gründe dafür sind unter anderem die Pandemie und steigende Lebensmittelpreise.

Von Maren Bednarczyk

Die Sonne scheint und wird nur von wenigen Wolken unterbrochen, noch dazu ist es windig an diesem Donnerstagvormittag, sodass die Fahnen auf der Kleingartenanlage Carl-Funke in Essen-Heisingen wehen. Ein Schotterweg führt zum Gartentörchen von Siegfried und Monika Göretz. Ihre Parzelle haben sie seit 25 Jahren: "Der Kleingarten ist unsere Oase", erzählen die beiden. Mit strahlenden Augen berichten sie von ihren Kindern und Enkelkindern, die hier auch schon Kartoffeln gepflanzt haben.

Große Nachfrage und lange Wartelisten

Siegfried und Monika Göretz haben ihren Kleingarten seit 1997

Siegfried und Monika Göretz haben ihren Kleingarten seit 1997

Das eigene kleine Fleckchen Grün ist offenbar voll im Trend, bestätigt auch der Landesverband Westfalen und Lippe der Kleingärtner e.V. "Am Wochenende zeigte sich bei unserer Mitgliederversammlung genau dieses Bild", sagt Geschäftsführerin Karoline Podchull-Giesebrecht. Alleine im Stadt- und Bezirksverband Münster hätte man zuletzt 800 Anfragen für Parzellen gehabt. Ähnlich sieht es im Rheinland aus, zum Beispiel im Kleingartenverein Köln-Lindenthal: Dort müssten Interessenten aktuell bis zu vier Jahre warten, heißt es.

Gründe: Corona-Pandemie und teure Lebensmittel

Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nochmal gestiegen, besonders bei jungen Familien, weiß Ralf Krücken, Geschäftsführer des Landesverbandes Rheinland der Gartenfreunde e.V. Doch mit den Neulingen habe man nicht nur gute Erfahrungen gemacht: "Teilweise hat das mit den Regeln nicht so gut funktioniert - statt etwa Gemüse anzubauen, haben einige den Garten nur für ihre Freizeit genutzt." Trotzdem freue man sich über das große Interesse.

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Karoline Podchull-Giesebrecht vermutet, dass die Leute auch aufgrund der steigenden Preise für Lebensmittel motiviert seien, selbst Obst und Gemüse anzubauen. Sie betont an der Stelle, wie ökologisch wertvoll Kleingärten seien und dass es dazu bereits Studien gebe. Hier in NRW wird das Kleingartenwesen auch gefördert, weil es sogar in der Verfassung verankert ist - das ist in keinem anderen Bundesland so.

In den Vereinen gibt es allerdings entsprechende Ordnungen und Satzungen, zum Beispiel die sogenannte "Drittel-Regelung", das heißt: Jeweils ein Drittel ist für den Anbau von Obst und Gemüse vorgesehen, ein Drittel für Wege, Laube und Terrasse und ein weiteres für die Erholung, zum Beispiel für Liegeflächen.

Für Siegfried und Monika Göretz ist all das offenbar kein Problem - sie halten ihren Garten in Schuss und freuen sich über viele weitere Momente mit der ganzen Familie in ihrer grünen Oase oberhalb des Baldeneysees in Essen.

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