Ein Todesopfer nach Amoktat an Hochschule in Hamm

Stand: 12.06.2022, 14:56 Uhr

Die 30-jährige Lehrbeauftragte starb am späten Samstagnachmittag. Am Freitag hatte der mutmaßlich psychisch kranke Täter in der Hochschule in Hamm vier Menschen mit einem Messer attackiert. Der Lehrbetrieb wurde vorerst ausgesetzt.

Der mutmaßliche Täter wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Die drei anderen Verletzten sind nicht bzw. nicht mehr in Lebensgefahr. Nur das beherzte Eingreifen vieler Zeugen habe weitere Opfer verhindert.

Bereits drei Minuten nach den ersten Notrufen seien die ersten Einsatzkräfte vor Ort gewesen. Studierende hätten den Täter festgehalten, bis die Polizei eintraf. Die Polizei spricht von einer Amoklage und geht beim Tatbestand von versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung aus. 400 Einsatzkräfte waren gestern im Einsatz, darunter viele Spezialkräfte, so berichtet der Einsatzleiter.

Selbst aus Krankenhaus entlassen

Der Täter ist derzeit in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Der Beschuldigte habe sich erst kurz vor der Tat selbst aus einer psychiatrischen Abteilung entlassen, wo er nach einem Suizidversuch behandelt worden war.

Er soll sich verfolgt gefühlt haben. Deshalb habe er Anfang April bei der Polizei Hamm Anzeige erstatten wollen, so Polizeipräsident Thomas Kubera. Man habe ihm damals mitgeteilt, dass seine Probleme nicht polizeilich zu lösen seien. Eine Eigen- und Fremdgefährdung sei damals ausgeschlossen worden. Die Tat bewerten die Ermittler zum jetzigen Zeitpunkt als eine spontane Tat.

Auf die Frage, warum man den Mann, der offensichtlich massiv psychisch erkrankt ist und unter Wahnvorstellungen leidet, überhaupt aus der Psychiatrie gelassen habe, antwortete der Staatsanwalt, dass der 34-Jährige dort freiwillig wegen Selbstgefährdung untergebracht war und nicht zwangsweise oder durch eine polizeiliche Anordnung. Es habe ihm also frei gestanden zu gehen. Er sei gegangen, weil er sich dort schlecht behandelt gefühlt habe.

Mann ist geständig

Der Mann - ein Langzeitstudent - habe die Tat vor dem Haftrichter eingeräumt. Er habe Menschen in der Universität für Mitglieder einer Gruppe gehalten, die ihm nach dem Leben trachteten. Er war mit zwei Messern bewaffnet und wollte Menschen töten. Da er seine Opfer heimtückisch angriff, wird er des versuchten Mordes beschuldigt. Hinweise auf politische Motive gebe es keine. Seine Opfer waren offenbar allesamt Zufallsopfer.

Kein Lehrbetrieb am Montag

Wegen des Messerangriffs hat die Hochschule alle Lehrveranstaltungen und Prüfungen für Montag abgesagt. Studierende und Lehrkräfte seien allesamt schockiert und fassungslos, sagt Kanzlerin Sandra Schlösser: "Wir halten es nicht für angemessen, so zu tun, als wäre nichts passiert. Am Montag wäre halt Lehrbetrieb, aber auch Prüfung gewesen. Das wäre für die Studierenden nicht zumutbar gewesen. Wir wollten einen Raum geben, wo man persönlich ins Gespräch kommen kann oder mal innehalten kann, um das Geschehen in irgendeiner Form zu verarbeiten."

Deshalb will die Hochschule den Campus am Montag trotzdem öffnen. Das Präsidium, Lehrkräfte und Seelsorger werden ebenfalls vor Ort sein.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt

Das Hilfetelefon ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr unter 08000 116 016 erreichbar.

Der Weiße Ring bietet ebenfalls einen anonymen Telefondienst unter 116 006 sowie eine Online-Beratung.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

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