Blumen an einer Absperrung vor einem ausgebrannten Wohnhaus

Tatverdächtiger in Solingen ermittelt - Reaktionen von Menschen aus der Stadt

Stand: 11.04.2024, 06:47 Uhr

In Solingen sind die Menschen immer noch schwer getroffen vom Tod der jungen Familie mit zwei kleinen Kindern. Dass der mutmaßliche Täter gefasst werden konnte, ist für viele trotz der Trauer aber eine Erleichterung.

Von Gaby van den Boom

Die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Täters spricht sich am Mittwochnachmittag rasend schnell herum in Solingen – auch unter den Hausbewohnern.

Sie treffen sich vor dem Haus. Unter Tränen umarmen sie sich. Dass der ehemalige Nachbar jetzt in U-Haft sitzt, ist für sie eine Genugtuung. 

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Schock wirkt nach

Vor dem Haus stehen die Fotos der jungen Familie, die so grauenhaft ums Leben gekommen ist. Die Trauer bleibt für die Hausbewohner. Auch an diesem Mittwoch erzählen sie noch mit gebrochener Stimme, wie furchtbar es war, ihre Schreie zu hören. Der Die Familie sei so nett gewesen und jetzt tot, das könnten sie niemals verzeihen.

Sie zeigen auf die ehemalige Wohnung des mutmaßlichen Täters. Sie seien so froh, dass er hinter Gittern sitze und für seine mutmaßliche Tat büße.

Kein Vergessen

Ruthild Siebel-Plath wohnt in einem schönen Haus mit schönem Garten im hinteren Bereich des Brandhauses. Diese Nacht wird sie niemals vergessen.

Frau

Anwohnerin Ruthild Siebel-Plath

"Die Tatsache, dass Menschen ihr Leben gelassen haben, dass wir morgens aus dem Haus kamen und vier Leichensäcke sahen, das werden wir nicht vergessen", erzählt sie. "Das werden die Familien nicht vergessen". 

Die Schreie der Opfer im Ohr

Diese Brandnacht, der verzweifelte Kampf der Hausbewohner dem verheerenden Feuer zu entkommen, der Tod von vier Menschen, das wirkt nach in Solingen, besonders bei den Menschen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft die Schreie hören mussten und nicht mehr helfen konnten. Immer wieder erzählen die Nachbarn davon.

Auch gut zwei Wochen nach dem Brandanschlag kommen die Menschen, um ihre Solidarität mit den Opfern bekunden. Auch Rene Kolfhaus ist mit seinem Sohn gekommen. Vor Ort erfährt er, dass der mutmaßliche Täter gefasst wurde.

"Es ist für alle eine große Erleichterung, dass man Klarheit hat. Es wurde ja viel spekuliert. Gibt es politische Hintergründe? Ist es wieder ein solcher Brandschlag, den wir hier auch schon vor 30 Jahren hatten?"

Gedenkstelle am Brandort

Gedenkstelle am Brandort

Es sei wichtig für Solingen, dass die Tat vermutlich aufgeklärt sei. Trotzdem: Er sei mit seinem Sohn hier, weil es wichtig sei, dass auch junge Menschen diesen furchtbaren Anschlag für sich aufarbeiten könnten.

Die Angst bleibt

In der Solinger Ditib Gemeinde feiern sie am Mittwoch das Fastenbrechen. Trotzdem bestimmen Trauer und Angst nach wie vor das Leben der Gemeindemitglieder.

"Wir sind halt die Menschen, die den Brandanschlag 1993 voll erlebt haben und es ist halt noch in den Knochen in Gedanken drin", sagt  Osman Korkmaz, der Vorsitzende der Solinger Ditib Gemeinde.

Sie seien nun trotz aller Trauer froh, dass der mutmaßliche Täter gefasst sei, dass es offenbar kein fremdenfeindlicher Anschlag war.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Staatsanwaltschaft Wuppertal

PK Staatsanwaltschaft Wuppertal: Neues zu Solingen

WDR Studios NRW 10.04.2024 01:15 Min. Verfügbar bis 10.04.2026 WDR Online