Razzia in Kölner Shisha-Bars: 850 Dosen illegaler Tabak gefunden

Stand: 23.01.2022, 13:54 Uhr

Schmuggeltabak, Schwarzarbeit, Mäusekot - bei Kontrollen in 18 Bars haben Zoll, Ordnungsamt und Polizei am Wochenende zahlreiche Verstöße festgestellt.

Von Oliver Köhler

Die Einsätze kamen für Mitarbeiter und Gäste der Shisha-Bars überraschend: Etwa ein Dutzend Beamte tauchten plötzlich vor den Lokalen auf. Polizisten besetzten die Türen: Niemand kam mehr rein oder raus. Das Ordnungsamt kontrollierte die Corona-Regeln. Mitarbeiter des Umweltamtes sahen in den Küchen nach dem Rechten. Zollbeamte suchten nach unversteuertem Tabak und Hinweisen auf illegale Beschäftigung.

Verkauf von Schmuggeltabak ist Straftat

In jeder der 18 Bars fand der Zoll Tabakdosen ohne Steuerbanderolen und Tabakadosen, aus denen portionsweise Rauchware an die Kunden verkauft wurde. „Der Verkauf von unversteuertem Tabak ist eine Straftat“, sagt Jens Ahland, Sprecher des Zolls dem WDR. "Der portionsweise Verkauf aus geöffneten Dosen ist auch dann nicht erlaubt, wenn der Tabak versteuert ist. Das ist eine Ordnungswidrigkeit."

Zwei illegale Tabak-Fabriken entdeckt

Eine offene Tabakdose, die bei der Razzia in Köln gefunden wurde | Bildquelle: WDR/ Oliver Köhler

Der Zoll hat die Tabakvorräte sichergestellt - insgesamt 850 Dosen. Nach Erkenntnissen der Zollfahndung hat sich in Nordrhein-Westfalen ein schwunghafter Handel mit geschmuggeltem Shisha-Tabak entwickelt.  

Erst im Dezember hatten Fahnder in Köln und Rösrath zwei illegale Produktionsstätten entdeckt. Dort wurden mehr als sechs Tonnen mutmaßlicher Schmuggel-Tabak sichergestellt. "Die Funde von diesem Wochenende zeigen: Der Handel geht unvermindert weiter", sagt Zollsprecher Ahland.

Gewinne wie beim Drogenhandel

Offenbar ist das ein lukratives Geschäft: Der Verkauf des Shisha-Tabaks in den Bars bringt nach Erkenntnissen der Fahnder pro Kilo 70 bis 100 Euro ein. "Die Barbetreiber bekommen den illegalen Tabak für 5 Euro das Kilo", berichtet Jens Ahland, Sprecher des Zoll dem WDR. "Das sind Gewinnmargen wie im Drogenhandel.

Das Problem bei dem illegal hergestellten Tabak: Die Ware wird oftmals mit Chemikalien vermischt und gestreckt, damit der Tabak einen frischen, noch leicht feuchten Eindruck macht. Welche Schadstoffe dadurch in die Lungen der Kunden geraten, weiß niemand so genau.

Illegaler Handel geht trotz Kontrollen weiter

Obwohl der Zoll regelmäßig Shisha-Bars kontrolliert und gegen Hinterleute des Schmuggels ermittelt, funktioniert die Versorgung der Shisha-Bars mit illegalem Tabak offenbar weiter reibungslos. Laut Zollsprecher Ahland "gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Produktionsstätten und Organisationen, die für Nachschub in den Bars sorgen." Der Zoll werde deshalb die Kontrollen gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt fortsetzen.

Neben dem Schmuggeltabak wurden in Bars Beschäftigte angetroffen, bei denen der Verdacht auf Schwarzarbeit geprüft wird. In einer Bar stellte die Polizei illegales Glücksspiel fest. In einem anderen Lokal fand das Umweltamt Mäusekot in einer Eiswürfelmaschine. In fünf Bars saßen Gäste, die nicht die notwendigen Corona-Impfungen, Tests oder Genesenennachweise vorweisen konnten.