Die Schulleiterin von Bonns Fünfte, Ursula Dreeser, mit Masken.

Machen Masken im Unterricht Sinn?

Stand: 10.08.2022, 13:54 Uhr

Corona wird auch in diesem Herbst und Winter eine Rolle für den Schulbetrieb spielen. Im Gespräch: eine neue Maskenpflicht. Studien verweisen auf den guten Schutz durch Masken im Unterricht. Virologe Streeck hält dagegen: Das sei nicht bewiesen. 

Für die Schüler der Q2 der Bonner Gesamtschule „Bonns Fünfte“ beginnt am Mittwoch ein entscheidender Abschnitt. Sie wollen am Ende des Schuljahres ihr Abitur in der Tasche haben. In der Aula bekommen sie alle wichtigen Infos und ihren Kursplan. Yona trägt die Maske heute, weil er sich und andere schützen will - Pflicht ist das nicht. „Ich komme gerade aus dem Urlaub, und da weiß man nie, ob man vielleicht Corona hat.“ 13-Klässlerin Filina hofft, dass die Maskenpflicht nicht mehr verhängt wird. „Ich finde, man bekommt wirklich schlecht Luft. Es stört mich."

Maskenpflicht: möglich!

Für die Politik ist es das aber: Pläne für ein neues Infektionsschutzgesetz sehen vor, dass die Bundesländer selbst entscheiden können, ob im Unterricht medizinische Masken getragen werden müssen - und wenn dann erst ab der fünften Klasse. NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) empfiehlt im Klassenzimmer freiwillig Maske zu tragen. Nur wenn der Präsenzunterricht auszufallen droht, ist eine Maskenpflicht im Unterricht vorgesehen.

Zum Schulstart ist die Maske freiwillig

WDR 5 Westblick - aktuell 28.07.2022 06:51 Min. Verfügbar bis 28.07.2023 WDR 5


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FFP2-Maske vor dem Schild der Schule "Bonns Fünfte"

Die Leiterin der Bonner Gesamtschule geht davon aus, dass sie am Ende viel selbst zu entscheiden haben wird - nämlich dann, wenn die Infektionszahlen bei Schülern und Lehrern durch die Decke gehen sollten. „In dem Fall wird uns nichts anderes übrigbleiben als zumindest in manchen Klassen ins Homeschooling zu wechseln“, sagt Ursula Dreeser. Schon jetzt, zum Schuljahresstart, haben sich die ersten ihrer Kollegen krankgemeldet - die meisten wegen Corona. 

Neue Studie betont die Wirkung der Maskenpflicht

Dass Masken das Risiko einer Infektion senken - das gilt unter vielen Virologen als gesichert. Unterstützt wird diese Einschätzung nun auch durch eine aktuelle Studie des Center for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta. Der US-Staat Arkansas überließ es im Herbst 2021 den Schulbehörden der einzelnen Distrikte, eine Maskenpflicht anzuordnen oder nicht. Dies ermöglichte es, die Auswirkungen auf die Infektionszahlen an einzelnen Schulen mit und ohne Maskenpflicht zu untersuchen.

Tatsächlich kam es in den Distrikten, in denen die schulische Maskenpflicht eingeführt wurde, zu einem um 23 Prozent schnelleren Rückgang der Infektionszahlen als in den Distrikten ohne Maskenpflicht. Die detaillierten Ergebnisse der Studie hat das CDC in einer Veröffentlichung zusammengefasst:

Risikogruppen schützen

Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, in seinem Labor.

Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik in Bonn, im Labor seines Institutes.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck ist hingegen der Meinung, dass Masken und Testen in Schulen nicht mehr notwendig sind. „Die Risikogruppen, die es gibt, das sind Lehrer. Und sie sind durch Impfungen gut geschützt“, sagt der Virologe. Er verweist auf andere Studien - etwa aus Spanien -, die bei fünf- und sechsjährigen Kindern das Infektionsgeschehen mit und ohne Masken untersucht hätten. Das Ergebnis: kaum ein Unterschied. Streeck ist überzeugt: Gilt in der Schule Maskenpflicht, passiert die Infektion nach der Schule in der Freizeit.  

Nicht alle Infektionen vermeidbar

In Deutschland sei man in einer Phase der Pandemie, wo es nicht mehr darauf ankomme, alle Infektionen zu vermeiden, sagt der Virologe der Uniklinik Bonn. Bei Kindern sei davon auszugehen, dass sie in der Regel einen milden Verlauf hätten, und viele in zwei Jahren Pandemie bereits eine Infektion durchgemacht haben. 

Masken in Innenräumen zu tragen - aus Sicht von Henrik Streeck ein eher „psychologischer Effekt“, um die Menschen daran zu erinnern, „dass die Pandemie noch stattfindet.“

An „Bonns Fünfter“ will man auf die jeweiligen Situationen reagieren: Masken soll tragen, wer mag. Getestet werden soll weiterhin. So plant es die Schulleiterin jetzt, im August. Was im Herbst sein wird, vermag sie nicht zu beurteilen. 

Schulstart Bonns "Fünfte"

00:29 Min. Verfügbar bis 10.08.2023


Über das Thema berichtet die Lokalzeit aus Bonn am 10. August, 19:30 Uhr im WDR Fernsehen.  

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