Studie aus Krefeld: Libellen und Klimawandel

03:44 Min. Verfügbar bis 11.10.2023

Studie aus Krefeld: Libellen und Klimawandel – ein dynamisches Duo

Stand: 10.10.2022, 17:44 Uhr

Erst kürzlich hat sich die Nosferatu-Spinne in NRW breitgemacht und gezeigt, dass sich unser Klima verändert. In Krefeld ist der Wandel auch bei anderen Tieren zu beobachten: den Libellen.

Franco Cassese kennt sich aus. Schon als kleiner Junge hat er seine Liebe für die filigranen Tiere mit ihren bunt-schillernden Farben entdeckt. "Fasziniert hat mich einerseits die Farbenpracht und dann natürlich auch die Lebensweise", sagt Cassese und meint damit ihren Weg von der Larve bis zum erwachsenen Tier.

Seit inzwischen 30 Jahren beobachtet der Insektenforscher kontinuierlich die Libellen in den Gewässern rund um Krefeld. Nun hat er seine Beobachtungen in einem wissenschaftlichen Buch veröffentlicht.

Neue Libellenarten in alten Gewässern

Die Welt der heimischen Libellen ist vielfältig. In NRW sind 73 Arten bekannt, 48 davon hat Cassese in und um Krefeld identifiziert. Allerdings sieht er ständige Veränderungen, die mit dem Klima zusammenhängen.

Eine schwarz-rote Libelle sitzt auf einem Blatt. In Krefeld sind neue Libellenarten in der Umgebung zu finden, die es vor etwa zehn Jahren noch nicht gab.

In Krefeld sind neue Libellenarten in der Umgebung zu finden, die es vor einigen Jahren noch nicht gab.

Einige Libellenarten seien verschwunden und in Krefeld ausgestorben, einfach weil ihr Lebensraum sich gewandelt hat. Waren die Uferwiesen des Rheins beispielsweise früher ständig nass, haben die heißen Sommer für mehr Trockenheit gesorgt. "Es ist letztlich wie bei anderen Tierarten auch. Zuerst sterben die empfindlichen aus wie hier in Krefeld die Keilfleck-Mosaikjungfer", erzählt Cassese.

Mittelmeerarten werden fester Bestandteil

Mit den höheren Temperaturen kamen dafür Arten wie die Feuerlibelle aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland. "Die Klimabedingungen haben sich so verändert, dass sich Libellenarten aus dem südlichen Mittelmeerraum hier tatsächlich vermehrt haben und seit Jahren Bestandteil der Krefelder Libellenfauna sind", sagt Cassese.

Wenn er über die Feuerlibelle spricht, wird klar, wie viel ihm die Tiere bedeuten. "Als ich die Feuerlibelle das erste Mal live gesehen habe, das war ein wahnsinnig tolles Erlebnis." Vor allem die knallige Färbung des feuerroten Insekts hat Cassese beeindruckt.

Unsichere Libellenzukunft

Das Artenspektrum ist gerade durch diese Zuwanderung der südlichen Libellenarten in Krefeld sehr hoch. Nur ob das so bleibt, ist noch unklar. Wird es wärmer, könnten weitere heimische Libellenarten nach Norden ausweichen und Krefeld somit verloren gehen.

Für Franco Cassese ist aber so oder so klar: Er geht seiner Faszination weiter nach, studiert die eindrucksvollen Tiere und beobachtet, wie die Bestände sich in Zukunft entwickeln.

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