Die Zülpicher Straße am 11.11.

Stadt Köln präsentiert neues Sicherheitskonzept für Weiberfastnacht

Stand: 08.12.2022, 13:24 Uhr

Nach den teilweise chaotischen Verhältnissen zum Karnevalsauftakt am 11.11. im Kölner Studentenviertel Kwartier Latäng will die Stadtverwaltung an Weiberfastnacht Teile der nahegelegenen Uni-Wiesen fürs Feiern freigeben.

Von Oliver Köhler

Einen groben Plan für dieses Konzept haben Vertreter des Ordnungsamtes am Abend im Rahmen eines runden Tischs Anwohnern, Wirten und Politikern aus der Kölner Innenstadt vorgestellt.

Das Kölner Ordnungsamt plant, auf den Uni-Wiesen Musik, beispielsweise von DJs, anzubieten und Flächen zum Tanzen einzurichten. Mit dem Angebot will die Stadt vor allem das jüngere Publikum aus dem Kwartier Latäng herauslocken.  

In dem Studentenviertel war es am 11.11.2022 viel zu voll. Die Zülpicher Straße wurde gesperrt.

Runder Tisch zum 11.11.

00:50 Min. Verfügbar bis 08.12.2023


Hundertschaften der Polizei mussten Viertel schützen

Viele Tausend Besucher drängten sich an den Absperrungen, Zäune stürzten um. Das von der Stadt Köln eingesetzte Sicherheitspersonal war überfordert. Die Polizei schickte Einsatzhundertschaften in das Kwartier Latäng, um zu verhindern, dass weitere Jecken in die überfüllten Straßen stürmen.

Die Kölner Verkehrsbetriebe mussten aus Sicherheitsgründen den Stadtbahnverkehr stoppen. Züge der Deutschen Bahn hielten nicht mehr am Bahnhof Köln-Süd.

Das Kölner Studentenviertel hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einer europaweit bekannten Feiermeile für die Karnevalstage entwickelt. Mit Zügen kommen vor allem junge Leute aus ganz Deutschland. Aus Belgien und den Niederlanden reisen Menschen per Bus und Auto an. Selbst aus Spanien, Italien und Österreich kommen Gruppen zum Feiern ins Kwartier Latäng.

Hotspot Kwartier Latäng lockt Zentausende aus ganz Europa

Aus einigen Tausend Feiernden wurden über die Jahre mehrere Zehntausend. Am 11.11. wurden nach Angaben von Wirten und Anwohner alle bisher gekannten Besucherzahlen überschritten. Sie schätzen, dass bis zu 90.000 Menschen in das Viertel drängten. Die Stadt Köln hat bisher keine Zahlen oder Schätzungen veröffentlicht.

"Eine der Ursachen für die ständig steigenden Zahlen der Besucher sind die Musikangebote der Stadt Köln", sagt der Vertreter der Wirte im Kwartier Latäng Markus Vogt. "Die Stadt wollte schon in den vergangenen Jahren mit Musik und Tanzflächen an der Uni-Mensa das Kwartier Latäng entlasten. Ergebnis war aber: Es hat sich europaweit herumgesprochen, dass es in Köln Musik und Fun gratis gibt", sagt Vogt.

Jetzt sei die Lage kaum noch zu beherrschen. Wirte und Anwohner des Viertel fürchten nun, dass die Stadt mit ihrem Musikprogramm auf den Uni-Wiesen noch mehr Menschen in das Studentenviertel lockt.

Anwohner und Wirte fürchten unbeherrschbares Chaos

Die Gegner des städtischen Konzepts fordern stattdessen Musikangebote auf mehreren Plätzen entlang der Ringe und am Neumarkt. Nur so könne es gelingen, die Menschenmassen zu entzerren. Die Stadtverwaltung hält das Konzept von Wirten und Anwohnern aber nicht für realisierbar.

Mit großer Sorge blicken Anwohner und Wirte jetzt schon auf den 11.11.2023. Da fällt der Karnevalsauftakt auf einen Samstag. Die Befürchtung: Es wird erneut einen Massenansturm von jungen trink- und feierfreudigen Menschen aus ganz Europa geben, mit neuen Rekordzahlen.

Umzug zum Sessionsauftakt?

Das Festkomitee Kölner Karneval bringt jetzt eine uralte Idee zur Lösung der Probleme in Spiel: Einen Umzug mit Musik und Tanz.

Bereits vor 200 Jahren gab es laut Festkomitee in Köln Probleme mit ausufernden Karnevalsfeiern am 11.11. Die Preußen hätten darauf gedrungen, die chaotischen Verhältnisse zu beenden. Ergebnis sei ein Zug gewesen, der um den Neumarkt herum marschierte.

"Heute wäre es denkbar, einen Zug mit Musikwagen durch Köln laufen zu lassen, ähnlich wie beim CSD", sagte Michael Kram, Sprecher des Festkomitees dem WDR. "Mit solch einem Angebot könnten die Leute aus dem Kwartier Latäng herausgelockt und das Feiern auf andere Teile des Stadtgebiets verteilt werden." Wer den Zug zum 11.11 organisieren und finanzieren soll, sei noch vollkommen offen.

Am Nachmittag befasst sich auch der Kölner Stadtrat mit den Folgen des Karnevalsauftakts im Kwartier Latäng.

Über dieses Thema berichtet die Lokalzeit aus Köln am 08.12.2022 im Hörfunk auf WDR2 und im WDR-Fernsehen.