Auf dem Foto ist eine Frau in einer neongrünen Weste, die einen blauen Müllsack in der Hand hält. Um sie herum liegt Abfall, zum Beispiel ein Farbeimer und ein alter Blumenkasten.

Wilde Müllkippen werden mehr - ob in Köln, Düsseldorf oder Grevenbroich

Stand: 11.05.2023, 21:06 Uhr

Obwohl der Umweltschutz immer wichtiger wird, werfen noch mehr Leute ihren Müll in die Natur als früher. Eine Düsseldorfer Müllsammlerin entdeckt auf ihrer Tour eine illegale Müllkippe.

Von Portrait Sven LüüsSven Lüüs

Farbeimer sind sowieso schon sehr schädlich für die Natur. Aber dieser hier besonders. Neben eingetrockneter Farbe findet Melanie Neuhaus vom BUND Düsseldorf auch noch eine ganze Dose Holzlack darin. "Das ist ganz, ganz schlimm," sagt sie und wirft die Lackdose wieder in den Eimer.

Farbe und Lack sind Sondermüll, unter anderem, weil zum Beispiel Lack umweltschädliche Lösungsstoffe enthält. Läuft der Lack hier aus, vergiftet das den Boden. Ein paar Meter weiter liegt noch mehr Müll: ein zerbrochener Blumentopf, Zeitungspapier und ein Tabakbeutel aus Plastik.

"Es ist schlimmer geworden. In Corona hat sich das Problem verschärft, aber auch nach Corona hält die Entwicklung an." Stadt Köln

Die vom WDR befragten Städte sind sich einig: Obwohl der Umweltschutz eines der wichtigsten Themen dieser Zeit ist, werfen immer noch mindestens genau so viele Menschen ihren Müll in die Natur wie vorher. Wenn nicht sogar mehr.

Besonders deutlich wird die Stadt Köln: "Es ist schlimmer geworden. In Corona hat sich das Problem verschärft, aber auch nach Corona hält die Entwicklung an." Auch in Ratingen hat sich das Müllproblem laut Stadt seit der Pandemie deutlich verstärkt, mit zwei bis drei wilden Müllkippen am Tag - statt vorher pro Woche.

Doppelt so hohe Entsorgungskosten in Grevenbroich

Die Städte müssen auch immer mehr Geld dafür ausgeben, um den in die Natur geworfenen Abfall ordnungsgemäß zu entsorgen. In Grevenbroich haben sich die Entsorgungskosten für wilden Müll seit 2020 verdoppelt - auf jetzt etwa 300.000 Euro im Jahr.

Die Stadt Köln rechnet in diesem Jahr damit, 13 Millionen Euro für die Beseitigung wilder Müllkippen zahlen zu müssen. Im Jahr 2020 waren es 10,6 Millionen Euro.

Die Kostensteigerungen liegen aber auch an der Inflation. Außerdem melden diejenigen, die eine saubere Umwelt haben wollen, illegalen Müll immer öfter, so die Stadt Düsseldorf.

"Das ist sicher nicht beim Picknick liegen geblieben" Melanie Neuhaus, Vorsitzende BUND Düsseldorf, über die illegale Müllhalde

Auch Neuhaus meldet die illegale Müllkippe der Stadt Düsseldorf. Sie ist eigentlich Architektin, heute nur in der Mittagspause auf Abfallsuche. Das, was sie hier findet, ist zu viel, um es auf dem Fahrrad zu transportieren.

Auf dem Foto ist eine Frau mit einer neongrünen Warnweste und dunklen Haaren, die auf dem Handy tippt.

Über die "Düsseldorf bleibt sauber"-App meldet Melanie Neuhaus die illegale Müllhalde

Direkt neben dem Farbeimer liegt noch ein dreckiger Plastikblumenkasten, an dessen Seitenwänden große Teile abgebrochen sind. Neuhaus schmeißt das etwa einen Meter lange Plastikteil neben den Farbeimer: "So eine Schweinerei!" Sie steht in einer kleinen illegalen Müllhalde, der Großteil des Abfalls sei "sicher nicht beim Picknick liegen geblieben."

Müll wohl von Anwohnern

Hier habe jemand ganz gezielt seinen Abfall in die Natur geworfen, mutmaßt Neuhaus. Der Müll liegt etwa 25 Meter neben der Düssel, unter Bäumen neben einem Rad- und Fußweg im Stadtteil Düsseltal. Die Mülkippe hätten wahrscheinlich Anwohner produziert, die ihren Müll loswerden wollten, ohne vorher ins Auto zu steigen, so Neuhaus.

Mehr Hinweise – mehr Menschen ertappt

Neuhaus schaut eigentlich immer nach illegalen Müllkippen, zum Beispiel beim Wandern: "Wenn ich was sehe, stopfe ich es in eine Plastiktüte und nehme es mit." Alleine oder in kleineren Gruppen mit anderen Ehrenamtlern vom BUND geht sie ungefähr einmal pro Woche Müll sammeln.

Auch die Städte versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen. Zum Beispiel das Entsorgungsunternehmen in Köln hat zwei Detektive, die versuchen, herauszufinden, wer den Müll in die Natur geworfen hat. Die Stadt Düsseldorf hat hierbei auch eine positive Nachricht: Durch die vermehrten Hinweise könnten auch mehr Menschen für die Ordnungswidrigkeit zur Kasse gebeten werden.

Amazon-Karton als Hinweis

Neuhaus unterstützt die Düsseldorfer Ermittler hierbei. Einmal hatte sie eine illegale Müllkippe entdeckt, auf der vermutlich Graffiti-Sprayer ihre Abfälle entsorgt hätten, sagt sie. Da lag auch eine Pappschablone. Blöd für die Sprayer: Die Pappschablone hatten sie aus einem Amazon-Karton hergestellt, auf dem noch eine Adresse stand.

Diesen Hinweis leitete sie natürlich an die Stadt Düsseldorf weiter. Was daraus geworden ist, weiß sie nicht. Solche Fälle seien sowieso selten, erzählt sie. Meistens gäbe es keinen Anhaltspunkt, um herauszufinden, wer für die Müllkippen verantwortlich ist. Auch auf der Müllhalde, die sie heute entdeckt hat, findet sie keine Spuren.

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