Ein erschöpftes Mädchen liegt mit Kopf auf dem Schreibtisch.

Long Covid bei Kindern - das unterschätzte Problem

Stand: 12.11.2022, 18:26 Uhr

Bisher galten die Langzeitfolgen einer Coronainfektion vor allem als Erwachsenenangelegenheit. Eine neue Studie aber zeigt: Auch Kinder sind von Long Covid betroffen. Bei ihnen ist die Diagnose aber schwieriger.

Von Nina Magoley

Es kann Menschen treffen, die richtig schwer an Corona erkrankt waren, aber auch solche, die nur milde bis gar keine Symptome hatten: Das Post-COVID-Syndrom, kurz PCS, allgemein bekannt als "Long Covid". Neu ist die Erkenntnis, dass auch Kinder und Jugendliche fast genauso häufig davon betroffen sind wie Erwachsene. Eine Studie der TU Dresden hat dazu die Daten von Coronapatienten von sechs großen Krankenkassen ausgewertet. Dabei kam heraus, dass auch viele Kinder und Jugendliche noch mindestens drei Monate nach der Infektion Probleme haben.

Lange Zeit sei das Thema Long Covid bei jungen Menschen kaum beachtet gewesen, sagt der Kinderkardiologe Daniel Vilser, der an der Uniklinik Jena eine der wenigen Long-Covid-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche leitet. Noch vor einem Jahr, als in Jena bereits junge Patienten behandelt wurden, habe es sogar bei der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde "genug Leute gegeben, die gesagt haben, das gibt's bei Kindern nicht". Mittlerweile würde das Problem aber wahrgenommen.

Long-Covid bei Kindern

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Long Covid seltener bei Jüngeren - aber häufiger, als gedacht

Allerdings sind Probleme mit Long Covid bei Jüngeren wohl deutlich seltener als bei Erwachsenen - und auch anders. So kommt die Studie zu dem Schluss, dass Jüngere eher über noch lange anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung oder Husten klagen, während Erwachsene meist mit Geruchs- und Geschmacksstörungen, Fieber oder Atemnot kämpfen. Doch diejenigen, die es richtig erwischt, leiden häufig ebenso wie Erwachsene, sagt Kinderarzt Vilser.

Für die Studie wurden die Daten von 11.950 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren sowie von 145.184 Erwachsenen bis 49 Jahre, die 2020 an Covid erkrankt waren, ausgewertet. Parallel gab es eine Kontrollgruppe mit Personen, die keine Corona-Infektion gemeldet hatten. Die Jugendlichen mit Coronainfektion litten um 30 Prozent häufiger an bestimmten Symptomen.

Fatigue-Syndrom weit verbreitet

Bisher waren Studien zu Long Covid bei Minderjährigen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Besonders bei Kindern ist es offenbar schwierig, die durch eine Covid-Infektion verursachten Langzeitsymptome von anderen Störungen, die zum Beispiel durch die soziale Isolation während der Pandemie auftreten, zu unterscheiden.

Positiver Corona-Schnelltest

Kleiner Strich mit großen Folgen

Da Kinder und Jugendlichen sich oft weniger genau selbst beobachten, sei die Diagnose PCS hier noch schwieriger zu stellen, heißt es in einer Stellungnahme der Bundesärzetekammer. Symptome müssten aber dennoch "sorgfältig und bisweilen zeitlich aufwändig" abgeklärt werden. Besonders schwierig sei die Abgrenzung von den psychischen Störungen in Folge anderer Pandemie-bedingter Belastungen.

So klagten laut einer englischen Studie 39 Prozent der jugendlichen Post-Covid-Patienten über das sogenannte Fatigue-Syndrom - starke Erschöpfung und Müdigkeit. Allerdings berichteten auch 24 Prozent einer Kontrollgruppe, die nicht infiziert war, von diesem Problem.

Kinderkardiologe Vilser: Long Covid bei Kindern meist schneller vorbei

Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen nehmen Long-Covid-Symptome bei Kindern und Jugendlichen innerhalb von drei Monaten nach der Infektion wieder ab. Das zeigen die Studien. Wer allerdings nach Monaten immer noch Symptome habe, müsse sich auf einen längeren Verlauf einstellen, sagt der Kinderkardiologe Vilser in einem Gesundheits-Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Hauptsächlich meldeten sich Teenager, so Vilser, ihre Symptome ähnelten sich sehr: Vor allem eine umfassende Erschöpfung sei dabei, Sport oder Schule würden zur Last, "manche können nicht mehr am normalen Leben teilnehmen". Viele hätten auch Schmerzen - in Brust, Bauch, Kopf oder den Gliedern. Ein weiteres häufiges Symptom: Brainfog - "Nebel" im Kopf, der zu Konzentrationsstörungen führe.

Das Problem der Kinderfachärzte: "Wir können nicht viel helfen." Noch gebe es keine wissenschaftlich bewiesene Therapie oder Medikation, sagt Vilser. "Bislang beschränken wir uns darauf, die Symptome zu mildern, diesen Patienten das Leben leichter zu machen." Man behandele Schlafstörungen, Schmerzen, verordne Physiotherapie, damit die Betroffenen mit der Erkrankung "bestmöglich" leben können.

Long Covid – Leben mit der Erschöpfung?

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