Pipelines und Kabel: Lässt sich Infrastruktur in der Meerestiefe schützen?

Stand: 28.09.2022, 18:51 Uhr

Nicht nur Gas-Pipelines verlaufen quer durchs Meer. Gleiches gilt für Internetleitungen und Starkstromkabel. Werden sie bei Angriffen beschädigt, kann dies fatale Folgen haben. Doch lässt sich unsere Infrastruktur unter Wasser überhaupt effektiv schützen?

Pipelines, Internet- oder Starkstromkabel - viele davon verlaufen in den Tiefen der Weltmeere. Leider ungeschützt. Weshalb sie leicht zur Zielscheibe von Sabotageakten von Gegnern werden können.

Dass auf die Ostsee-Pipelines Anschläge verübt werden könnten, davor hatte der US-Geheimdienst schon vor langer Zeit gewarnt. Im August hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nach einem Besuch bei der Bundespolizei See gesagt: "Wir müssen für Attacken auf Gas-Terminals und andere kritische Infrastruktur gerüstet sein."

Wochen später scheint dieses Szenario Realität geworden zu sein. Aus den von Russland nach Deutschland führenden Pipelines tritt seit einigen Tagen an mittlerweile vier Stellen in internationalen Gewässern Gas aus. Die Lecks befinden sich nahe der dänischen Insel Bornholm in den dänischen und schwedischen Wirtschaftszonen. Europäische Politiker gehen bei den Pipeline-Lecks von Sabotage aus - im Verdacht steht Moskau.

Mehr Mittel für den Schutz unserer Infrastruktur ausgeben

Schon seit Jahren werden Nachrichtendienste nicht müde zu betonen, dass neben Pipelines auch die unterseeischen Kabel des Internets im Fokus russischer Aktivitäten stünden. Hans Walter Borries, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes für den Schutz Kritischer Infrastrukturen, sagte am Mittwoch dem WDR: "Wir müssen uns mehr Gedanken machen, aber auch mehr Mittel für den Schutz unserer Infrastruktur ausgeben."

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärte: "Der mutmaßliche Sabotageakt an den Ostsee-Pipelines führt uns erneut vor Augen, dass wir auf kritische Infrastruktur angewiesen sind - auch unter Wasser. Die Umstände dieses beunruhigenden Ereignisses müssen nun schnell geklärt und die Verantwortlichen identifiziert werden."

Marine und Geheimdienst besser ausstatten

Das U-Boot 33 der Bundesmarine legt im Marinehafen von Eckernförde an

Die U33 der Bundesmarine besitzt einen Brennstoffzellen-Antrieb

Die Beschädigung der Pipelines zeigt aus Sicht von Lambrecht auch, wie wichtig eine starke Marine innerhalb einer leistungsfähigen Bundeswehr für die Sicherheit des Landes und der Verbündeten Deutschlands sei. Eine besser ausgestattete Marine könnte also eine Konsequenz aus der Beschädigung der Pipelines sein, um kritische Infrastruktur unter Wasser besser zu schützen. Manche Experten fordern aber auch, die Geheimdienste besser auszustatten, um früher Hinweise auf geplante Aktivitäten von Gegnern zu bekommen.

Umfassender Schutz von Pipelines und Unterseekabeln kaum möglich

Aber: Ein einfaches Unterfangen ist der Schutz von Pipelines und Unterseekabeln nicht. Christian Mölling, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), sagte dem WDR, dass die geografische Lage der Pipelines sehr transparent sei - und dies sei ein Problem. Der Westen habe sich nicht darauf eingestellt, dass die Systeme verwundbar sind. Seit 2014 sei nichts passiert zum Schutz der Pipelines, obwohl schon damals bekannt gewesen sei, dass Infrastruktur zum Ziel von Sabotageakten werden könne.

Andere Experten verweisen darauf, dass für einen besseren Schutz in Küstennähe befindliche Kabel stärker ummantelt werden oder mehr Patrouillen erfolgen könnten. Schwieriger wird es indes auf hoher See. Die Kabel sind schließlich Tausende von Kilometer lang und können von schwer zu ortenden U-Booten durchtrennt werden.

Auch der Bonner Wissenschaftler Frank Umbach, Experte für Energiesicherheit an der Universität Bonn, sieht das Problem, dass schwer zu ortende U-Boote, gerade wenn sie kleiner sind, großen Schaden anrichten können - sowohl bei Pipelines als auch bei Unterseekabeln. "Eine Pipeline komplett zu überwachen, das geht zudem überhaupt nicht", sagte Umbach dem WDR. Das wäre einfach zu teuer. Gleiches gilt für Kabel.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte derweil, man werde alles dafür tun, die europäische Energie-Infrastruktur zu sichern. Angriffe darauf seien inakzeptabel und würden eine entsprechende Antwort zur Folge habe.

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