Gasflamme, Daumen auf Geldscheinen

Gas: Mehr als 200 deutsche Energieversorger erhöhen Preise

Stand: 02.08.2022, 14:36 Uhr

Dass die Gaspreise steigen werden, ist bekannt. Mittlerweile bekommen das auch Verbraucher zu spüren. Die Kölner Rheinenergie erhöht die Preise um 133 Prozent. Und auch andere Energieversorger ziehen an.

Von Christian Wolf

In den letzten Wochen wurde viel über steigende Energiepreise gesprochen. Von "Preis-Schocks" und "Gas-Hammer" war die Rede. Doch für viele Verbraucherinnen und Verbraucher blieb das zunächst eine theoretische Diskussion.

Denn ihre laufenden Verträge wurden abgeschlossen, als Russland noch ein zuverlässiger Gaslieferant war und die Preise deutlich niedriger lagen.

Rheinenergie verkündet 133 Prozent plus bei Gas

Doch allmählich kommen die höheren Preise im Alltag vieler Menschen an. Jüngstes Beispiel ist der Energieversorger Rheinenergie. Das Kölner Unternehmen hat am Montag angekündigt, dass die Gaspreise ab Oktober massiv steigen.

Schriftzug am Verwaltungsgebäude der RheinEnergie AG

Konkret müssen dann für eine Kilowattstunde Erdgas 18,30 Cent gezahlt werden. Bislang sind es noch 7,87 Cent. Das entspricht einer Steigerung von 133 Prozent. Immerhin: Der Grundpreis bleibt gleich. Betroffen sind sowohl Neukunden als auch diejenigen mit laufenden Verträgen, wenn sie keinen Festpreis vereinbart haben.

An zwei Beispielen lässt sich erkennen, was das für das Portemonnaie bedeutet:

  • Wer im Jahr 10.000 Kilowattstunden verbraucht, muss künftig 2.002 Euro jährlich zahlen. Bislang waren es 960 Euro.
  • Bei einem Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden - entspricht einer größeren Wohnung oder einem kleineren Einfamilienhaus - liegen die Jahreskosten demnächst bei rund 2.918 Euro statt der bisherigen 1.353 Euro.

Wie viele Kunden der RheinEnergie von den Preissteigerungen betroffen sind, sagt das Unternehmen nicht. Solche genauen Geschäftszahlen werden nicht herausgegeben. In Branchenkreisen wird aber davon ausgegangen, dass es rund 150.000 Kunden sein werden.

Steigende Gaspreise und Umlage: So teuer kann es werden

WDR 5 Profit - aktuell 01.08.2022 04:12 Min. Verfügbar bis 01.08.2023 WDR 5


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Neue Preise kommen jetzt bei Kunden an

Wer nun nicht betroffen ist und weiterhin niedrige Preise zahlt, kann sich zwar freuen. Aber allzu lange dürfte die Freude nicht währen. "Die höheren Preise werden jetzt Stück für Stück bei den Kunden ankommen", sagt Sebastian Moritz aus der WDR-Wirtschaftsredaktion. Neukunden hätten das zuletzt schon zu spüren bekommen. Und bei den Verträgen ohne Preisgarantie kämen nun die Anpassungen.

Das zeigen auch aktuelle Zahlen des Vergleichsportals Verivox. Demnach haben bis zur Entscheidung von Rheinenergie bereits 218 deutsche Anbieter für Juli bis Oktober Preiserhöhungen angekündigt. Allein in NRW waren es 45 - darunter auch große Versorger wie Eon, die Dortmunder Energie- und Wasserversorgungs GmbH oder die Stadtwerke Duisburg. Die Erhöhungen in NRW reichten von 16 bis 125 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt lagen sie bei 41,7 Prozent.

Und bei Verivox heißt es: "Angesichts der hohen Großhandelspreise rechnen wir mit weiteren flächendeckenden Preissteigerungen." Denn an den Märkten sind die Preise noch viel höher gestiegen.

Gas-Umlage kommt noch hinzu

Selbst für Kunden der RheinEnergie, die in diesen Tagen Post mit den neuen Tarifen bekommen, wird es noch mehr werden. Denn darin ist noch nicht die geplante Gas-Umlage enthalten, die alle Gaskunden voraussichtlich ab 1. Oktober zahlen müssen, um die Energieversorger von den stark gestiegenen Preisen an den Gasmärkten zu entlasten.

Wie hoch die Umlage sein wird, ist noch unklar. Im Moment ist ein Aufschlag von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde im Gespräch. Die kommen dann noch zusätzlich auf die eigentlichen Preise oben drauf.

Wer es kann, sollte also schon jetzt etwas Geld zur Seite legen, um ab Herbst von den zusätzlichen Ausgaben nicht überrascht zu werden.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, dass über 200 Anbieter in NRW Preiserhöhungen angekündigt haben. Diese Zahl bezieht sich aber auf ganz Deutschland. Der entsprechende Absatz wurde korrigiert.

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