Einzelne Pflanze wächst aus vertrocknetem Boden und Schriftzug Klimawandel

Grundwasser wird knapper: So sieht es in NRW aus und das sind die Gründe

Stand: 26.10.2022, 15:51 Uhr

Das Grundwasser in Deutschland ist nach Correctiv-Recherchen an vielen Orten auf dem niedrigsten Stand seit über dreißig Jahren. Das hängt mit der Klimakrise zusammen, es gibt aber noch mehr Gründe.

Die Correctiv-Recherchen belegen etwas, was in den letzten Dürre-Sommern schon bemerkbar war: Das Grundwasser in Deutschland wird knapper. Das Recherchezentrum hat dazu Daten von rund 6.700 Messstellen aus den vergangenen drei Jahrzehnten analysiert.

In knapp der Hälfte aller untersuchten Orte war das Grundwasser zwischen 2018 und 2021 so niedrig, wie seit 1990 nicht mehr. Im Schnitt ist das Grundwasser in den vergangenen 32 Jahren deutschlandweit gesunken. Wie sieht es in NRW aus und was sind die Gründe?

Wie haben sich die Grundwasserstände in NRW entwickelt?

Das Grundwasser ist in Nordrhein-Westfalen den Recherchen zufolge deutlich zurückgegangen, das Land ist damit zusammen mit Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein besonders stark betroffen: Die Grundwasserstände sinken demnach an jeder dritten Messstelle.

Auf einer interaktiven Karte von Correctiv kann jeder selbst nachschauen, wie sich das Grundwasser in der eigenen Region entwickelt hat.

Hier geht's zur Correctiv-Recherche:

Dabei fällt auf: Besonders stark sinken die Wasserstände in den Kreisen Heinsberg, Düren und Lippe. Im Rhein-Erft-Kreis und im Rhein-Kreis Neuss hingegen steigen die Stände allerdings stark an.

Was sind die Gründe für den Grundwasser-Rückgang?

Hintergrund ist die Klimakrise, die für mehr Hitze und Trockenheit sorgt und Waldbrände begünstigt.

Aber auch unser Trinkwasser und vor allem die Industrie spielen offenbar eine große Rolle. Correctiv hat für 50 Messstellen die Landkreise und Landesumweltämter befragt, was die Gründe für die gesunkenen Wasserstände sind. In etwa der Hälfte der Fälle führen die Behörden das auf den Bergbau zurück. In sechs Fällen sollen Tagebaue besonders extreme Rückgänge verursacht haben.

Tagebaubagger von RWE auf dem Gelände des Braunkohletagebaus am Hambacher Forst

Der RWE-Braunkohletagebau am Hambacher Forst.

So pumpt der Essener Energiekonzern RWE für die Trockenlegung seiner Tagebaue rund 500 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich aus dem Boden. Wird ein Tagebau geschlossen, steigt das Wasser nach und nach wieder an - allerdings bei weitem nicht auf den ursprünglichen Stand.

Auch der Currenta-Chempark in Leverkusen entnimmt viel Grundwasser - und zwar mehr als verträglich, hat ein BUND-Experte dem WDR gesagt. Die Rheinaue im Kölner Stadtteil Flittard sei deshalb ausgetrocknet. Currenta hat das gegenüber dem WDR bestritten: Der überwiegende Teil des abgepumpten Grundwassers werde wieder in den Kreislauf zurückgeführt, so das Unternehmen.

Wie wirkt sich der Grundwasser-Rückgang auf Menschen und Natur aus?

Die Umweltwissenschaftlerin Claudia Pahl-Wostl von der Universität Osnabrück sagte Correctiv, die Regionen in Deutschland seien unterschiedlich von der Grundwasser-Knappheit betroffen – an einigen Orten sei die Lage „besorgniserregend“. Die Trinkwasserversorgung sei teilweise gefährdet und es gebe mehr Konflikte – auch Gerichtsverfahren – zur Nutzung von Grundwasser.

Ein fast ausgetrockneter Bach

Ein fast ausgetrockneter Bach.

Die Knappheit wirkt sich also schon auf die Menschen aus – und auch auf die Lebensräume von Tieren und Pflanzen, da gibt es komplexe Wechselwirkungen: Die Klimakrise führt zu mehr Hitze, Trockenheit und einem erhöhten Wasserbedarf. Das alles lasse Grundwasserstände sinken, erklärt der BUND. Durch niedrige Grundwasserstände trocknen demnach wiederum Wälder, Bäche und Feuchtbiotope aus – die bereits existierende Trockenheit wird also verstärkt. Und künftig wird sich die Klimakrise den Modellen folgend ja noch stärker auf die Natur auswirken.

Vergleicht man die Kontinente, fällt aber gleichzeitig auf, dass Europa deutlich weniger Grundwasser entnimmt als zum Beispiel Asien. Dem UNO-Weltwasserbericht 2022 zufolge wird Grundwasser in Europa bislang nur selten übernutzt, häufiger werde das Wasser durch die Landwirtschaft verschmutzt - vor allem durch eine hohe Nitratbelastung.

Was kann man gegen die Grundwasser-Knappheit tun?

Es gibt schon viele Ansätze. Der BUND fordert, die Nutzung von Grundwasser zu überprüfen und übermäßige Nutzungen dann zu begrenzen. Eine Idee ist, dass die Industrie das Wasser zweifach oder in Kreisläufen verwendet. In der Landwirtschaft könnte eine Tröpfchenbewässerung viel Wasser sparen.

Der Hydrologe Tim aus der Beek sagte dem ARD-Wissenschaftsmagazin Quarks, für gute Lösungen müssten sich Vertreterinnen und Vertreter aller Interessengruppen zusammensetzen und Strategien für Dürreperioden entwickeln.

Gegen Hitze und Trockenheit und damit auch gegen Grundwasserknappheit hilft auch: Wälder aufzuforsten, Feuchtgebiete wiederherzustellen und Städte zu begrünen. Parks und begrünte Dächer helfen gleichzeitig, Regenwasser zu sammeln und zu speichern.

Und jeder Einzelne? Da Trinkwasser überwiegend aus dem Grundwasser kommt, empfiehlt es sich wirklich, sparsam damit umzugehen. Leicht sparen lässt es sich etwa im Garten: indem man eine Tonne aufstellt, in der in regenreichen Phasen Wasser gesammelt wird, um so dann später den Garten zu wässern.

Über dieses Thema haben wir am 26.10. im WDR Fernsehen und bei WDR aktuell im Hörfunk berichtet.

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