Rohre verlaufen durch eine Gasspeicher-Anlage, Archivbild 23.06.2022 Gasspeicher Wolfersberg

Deutsche Gasspeicher sind komplett gefüllt - Darum müssen wir trotzdem sparen

Stand: 15.11.2022, 12:04 Uhr

Die Gasspeicher in Deutschland sind mittlerweile komplett gefüllt. Das teilte die Bundesnetzagentur mit. Was heißt das?

"Die Gasspeicher in Deutschland sind zu 100 Prozent gefüllt", sagte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Das setze sich zusammen aus den Ständen mehrerer Speicher. "Wir haben gut vorgesorgt", erklärt Müller. Das helfe für den Fall, dass es kalt wird. Sollten Importe unter anderem aus Norwegen und Belgien plötzlich abreißen, hätte Deutschland Gas für neun bis zehn Wochen - wohlgemerkt in einem durchschnittlichen Winter.

Bereits das gesetzlich vorgeschriebene Zwischenziel von 75 Prozent war Mitte August früher erreicht worden als geplant, ebenso die Marke von 85 Prozent Anfang September - und dies obwohl seit Wochen kein russisches Gas mehr geliefert wird. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, ohne Gasmangel über den Winter zu kommen.

Winter bleibt die große Unbekannte

Die Speicher sollten nach einer Verordnung der Bundesregierung zum 1. November zu mindestens 95 Prozent gefüllt sein und so dabei helfen, die Versorgung im Winter zu sichern. Deutschland bezieht nach dem russischen Lieferstopp seit Wochen vermehrt Erdgas aus Norwegen, den Niederlanden und den USA. "Es gelingt uns, das fehlende russische Gas aus anderen Quellen teilweise zu ersetzen", hatte Klaus Müller schon vor einigen Wochen gesagt.

Der große unbekannte Faktor bleibt allerdings der Winter. Bisher hilft der warme Herbst, aber das muss nicht so bleiben. "Wie gut wir durch den Winter kommen hängt davon ab wie kalt der Winter wird und ob wir die Einsparungen durchhalten", mahnt Müller. Die Industrie spare strukturell, private Haushalte würden jeden Morgen beim Aufdrehen der Heizung entscheiden. Das Sparen von Gas sei Voraussetzung, um nicht nur durch diesen, sondern auch durch den nächsten Winter zu kommen.

Sparen bleibt Gebot der Stunde

Trotz des raschen Fortschritts in Deutschland hatten Experten schon zuvor keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit gesehen. "Grund zur Entwarnung für den kommenden Winter besteht nicht, denn die Speicher alleine reichen nur für etwa zwei Wintermonate", sagte Malte Küper vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). "Insbesondere in der Heizperiode kommt es daher auf die Einsparerfolge aller Gasverbraucher an."

Die Industrie habe auf die hohen Preise schon reagiert und ihren Verbrauch in den vergangenen Monaten deutlich reduziert. Auch die Haushalts- und Gewerbekunden heizten bereits weniger, wobei der verhältnismäßig kalte September die Einsparerfolge etwas verringert hätten. "Bei aller Euphorie über die Speicherstände bleibt Sparen weiterhin das Gebot der Stunde", sagte Küper. Volle Gasspeicher sind nur ein Element, damit Deutschland ohne Versorgungssengpässe über den Winter kommt. Ab der Jahreswende sollen auch an der deutschen Nordseeküste erste LNG-Terminals für die Anladung zur Verfügung stehen.

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