Gefragte Azubis: In diesen Berufen sind die Chancen besonders gut

Stand: 19.05.2022, 15:59 Uhr

In NRW gibt es viel mehr Ausbildungsplätze als Azubis. Das bringt die Bewerberinnen und Bewerber in eine komfortable Situation. Diese Branchen reißen sich um sie. Eine Übersicht.

Azubis verzweifelt gesucht! Was für Jugendliche eine große Chance ist, ist für die Betriebe eine schlechte Nachricht: Wenige Monate vor dem Ausbildungsstart sind in NRW noch fast zwei Drittel der Lehrstellen unbesetzt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren bis Ende April im Land noch über 58.000 Ausbildungsstellen zu haben.

"Das sind so viele freie Ausbildungsplätze wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr", sagte Robert Schweizog von der Industrie- und Handelskammer NRW am Donnerstag dem WDR. "Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind also so gut wie schon lange nicht."

Wo gibt es die meisten offenen Stellen?

Die Lage habe sich allerdings nicht wesentlich verändert, schränkte Anja Knoblich von der Arbeitsagentur NRW am Donnerstag ein. "Im Vergleich zum Ausbildungsjahr 2019/2020, also noch vor Corona, hat die Zahl der offenen Stellen lediglich um 3,7 Prozent zugenommen."

Bei den Top-Ten der gemeldeten Berufsausbildungsstellen in NRW liegen die folgenden Bereiche auf den ersten drei Plätzen: Verkauf, Arzt- und Praxishilfe, Handel.

Rein rechnerisch stehen einer Bewerberin oder einem Bewerber im Verkauf 2,14 Stellen gegenüber, beim Handel sind es 4,71 Stellen. Noch mehr Ausbildungsstellen stehen in der Gastronomie (6,31 Stellen) und im Bereich Reinigung (5,38 Stellen) pro Bewerber zur Verfügung. Bei den Ausbildungsstellen im Bereich Arzt- und Praxishilfe halten sich Angebot und Nachfrage nahezu die Waage.

Diensthandy und mehr Freizeit?

Auch wenn das Überangebot nicht bei allen Berufen gleichermaßen vorhanden ist - der Bedarf in den meisten Unternehmen ist groß. Deshalb sind manche kreativ, um sich für Bewerberinnen und Bewerber interessant zu machen. Social Media spielt laut der IHK NRW dabei eine immer größere Rolle. Aber auch Veranstaltungen an Schulen und Ausbildungsmessen würden von immer mehr Unternehmen wahrgenommen.

Gehören dazu auch Anreize wie Diensthandys, Tablet und mehr Freizeit zu den Angeboten an Bewerber? "Das gibt es sicherlich auch im Einzelfall, aber erstmal stehen auch die Attraktivität der beruflichen Bildung insgesamt und das Ausbildungsverhältnis, das das Unternehmen zu bieten hat, im Vordergrund", sagte Klaus Bourdick von der IHK NRW am Donnerstag dem WDR.

Worauf bei der Lehrstellen-Wahl achten?

Anja Knoblich von der Arbeitsagentur NRW empfiehlt Jugendlichen, vor ihrer Entscheidung ein Praktikum zu machen. Dabei lerne man nicht nur den Beruf, sondern auch den Betrieb kennen.

Ein weiteres Kriterium für die Wahl eines bestimmten Betriebes kann auch die Übernahme nach der Lehre sein. Robert Schweizog von der IHK NRW warnt jedoch: "Übernahmegarantien sind mit Vorsicht zu genießen." Eine Ausbildung dauere drei Jahre, in dieser Zeit könne sich die wirtschaftliche Ausgangslage eines Betriebes radikal verändern.

Doch bislang haben Menschen mit einem Berufsabschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt: "Da der Fachkräftemangel immer größer wird, steigt auch die Übernahmewahrscheinlichkeit", so Schweizog. Derzeit würden etwa sieben von zehn Azubis nach ihrer Ausbildung übernommen. "Die übrigen drei von zehn tun, sich mit ihrem Berufsabschluss auf dem Arbeitsmarkt aber auch meist nicht schwer."

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