Das Kernkraftwerk Emsland ist noch aktiv.

Atomkraftwerk-Betreiber erteilen Laufzeitverlängerung Absage

Stand: 21.06.2022, 16:24 Uhr

Deutschland will weg von russischem Gas - in der Debatte ist eine längere Laufzeit der letzten drei Atomkraftwerke. Doch die Betreiber RWE, EnBW und Eon sehen das skeptisch.

Die drei Betreiber der in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke haben Laufzeitverlängerungen eine Absage erteilt. Am Dienstag erklärte etwa RWE der Deutschen Presseagentur (dpa): "Unser Kraftwerk in Emsland ist auf den Auslaufbetrieb zum Ende des Jahres ausgerichtet, zu dem Zeitpunkt wird der Brennstoff aufgebraucht sein. Ein Weiterbetrieb über den 31.12.2022 hinaus wäre mit hohen Hürden technischer als auch genehmigungsrechtlicher Natur verbunden."

Auch EnBW (Neckarwestheim), und Eon (Isar 2) verweisen seit längerem auf die Position der Bundesregierung in der Debatte darüber, wie Deutschland von russischem Gas loskommt, ohne dass im Winter Versorgungsengpässe drohen. Kanzler Olaf Scholz (SPD) bekräftigte am Dienstag noch mal seine Haltung: Von Expertenseite gebe es bislang keine Aussagen dazu, wie die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängert werden könnte. Wichtig sei, sie jetzt zur Stromproduktion zu nutzen, um Gas zu sparen.

Lindner fordert "offene Debatte"

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist gegen mehr Atomkraft, bei der Energieversorgung setzt er unter anderem auf mehr Kohlekraft. Finanzminister Christian Lindner (FDP) fordert dagegen eine "offene Debatte", sagte er am Dienstag beim Tag der Industrie in Berlin. Auch andere Spitzenpolitiker wie Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) fordern die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke über 2022 hinaus. Aber geht das überhaupt?

"Die Fachleute sagen uns: Das wird nicht funktionieren", hatte Scholz schon am Montag dem "Münchner Merkur" gesagt. Die Brennelemente-Bestellungen und nötigen Wartungsintervalle der Anlagen seien "genau auf den Ausstieg" zum Ende dieses Jahres abgestimmt worden. "Fachlicher Blödsinn", entgegnete Bayerns Ministerpräsident Söder. "Überall in der Welt sind sie besorgbar", sagte er über Brennelemente. Es sei nicht erklärbar, warum Deutschland das nicht gelingen solle.

"Als sei das so eine Art Kaffeemaschine, die man mal ein bisschen länger laufen lassen kann." Frank Uekötter, Umwelthistoriker
Umwelthistoriker Frank Uekötter im Gespräch

Umwelthistoriker Frank Uekötter

Nach Ansicht von Umwelthistoriker Frank Uekötter von der Universität Birmingham wird die derzeitige Debatte über eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten "ein bisschen leichtfertig" geführt. Manche redeten, "als sei das so eine Art Kaffeemaschine, die man mal ein bisschen länger laufen lassen kann", sagte Uekötter am Montag dem WDR.

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In den 70er- und 80er-Jahren, "zur Hochzeit der atomaren Debatte", sei man da schon einmal weiter gewesen. Da habe jeder gewusst, dass die Atomkraft "ein ziemlich kompliziertes Miteinander von Menschen und Maschinen" sei. Stellenpläne, Wartung, verfügbare Brennelemente - "da muss sehr viel zusammenpassen auf einem ziemlich hohen Komplexitätsniveau", so Uekötter. "Das jetzt alles auf die Schnelle umzumodeln, das wird ein ziemlicher Ritt." Daher hält auch er die Verlängerung der Laufzeiten für keine realistische Option.

Verband der Kernenergie: Brennelemente noch zu beschaffen

Der Verband Kernenergie tut das hingegen schon. "Wir plädieren dafür, alle verfügbaren Quellen zu nutzen, um die Energiekrise besser zu überstehen", sagte ein Verbandssprecher dem "Münchner Merkur" für dessen Dienstagausgabe. Um einen Weiterbetrieb zu ermöglichen, sei aber Eile nötig. Denn wenn man auf Uran aus Russland verzichten wolle, müsse man in Australien oder Kanada bestellen - und das dauere länger.

Schwesig: Niemand will den Atommüll

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) richtete den Blick am Dienstag auf ein anderes Problem: die ungeklärte Lagerung des Atommülls. Kein Bundesland wolle das Endlager:. "Und wenn keiner den Atommüll haben möchte, dann können wir auch nicht ernsthaft sagen, dass Atomkraftwerke weiterlaufen sollen", sagte Schwesig.

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