26. Oktober 1979 - WHO gibt Ausrottung der Pocken bekannt

Arzt mit Gesichts- und Mundschutz impft Patient in Oberarm

26. Oktober 1979 - WHO gibt Ausrottung der Pocken bekannt

Seit Jahrtausenden gehören die Pocken zu den schrecklichsten Geißeln der Menschheit. Drastische Schilderungen der weltweit grassierenden Seuche finden sich bereits im Alten Testament, mit tödlichem Fieber und eitrigen Blattern, die stinken, wenn sie aufplatzen. Wer die Pocken überlebt, ist meist blind, taub und durch Narben lebenslang gezeichnet.

WHO gibt Ausrottung der Pocken bekannt (am 26.10.1979)

WDR 2 Stichtag 26.10.2019 04:11 Min. Verfügbar bis 23.10.2029 WDR 2

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Der hochansteckende Virus verbreitet sich auf dem Weg der Tröpfcheninfektion. Es genügt, wenn Infizierte sprechen, niesen oder husten, um das Virus zu übertragen. Noch im 18. Jahrhundert erliegen in Europa Hunderttausende der Seuche, darunter fünf regierende Monarchen; Mozart und Goethe überleben sie als Kind.

Globaler Schlag gegen die Pocken

1798 macht der englische Landarzt Edward Jenner eine bahnbrechende Feststellung: Hatten Melkerinnen als Kind harmlose Kuhpocken überstanden, waren sie gegen Menschenpocken immun. Jenner isoliert das Kuh-Virus und entwickelt daraus die erste Schutzimpfung gegen Pocken: die Vakzination, abgeleitet vom italienischen "vacca" für Kuh.  

Im 19. Jahrhundert machen die meisten Staaten die Impfpflicht zum Gesetz. Zumindest auf der Nordhalbkugel verlieren die Pocken allmählich ihren Schrecken. Afrika und Asien aber werden weiter von Epidemien heimgesucht. Allein im 20. Jahrhundert sterben noch etwa 400 Millionen Menschen an den Pocken. Es wird klar: Nur ein weltweit konzertierter Schlag kann sie ausrotten.

1967 beschließt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Seuche zum Testfall für die Ausrottung einer Infektionskrankheit zu machen. Jeder Verdachtsfall, ganz gleich in welchem Land, wird nun verfolgt und mit Massenimpfungen bekämpft.  Am 26. Oktober 1979 kann die WHO in Nairobi verkünden: Die Welt ist pockenfrei.

Viren-Depots aus dem Kalten Krieg

Pockenvirus

Pockenvirus unter dem Elektronenmikroskop

Verhindern kann die WHO aber nicht, dass noch zwei offizielle Labore in den USA und in Russland virulente Pockenstämme aufbewahren. Sie sind Relikte aus den Zeiten des Kalten Kriegs, als sich Ost und West nicht über den Weg trauten. Bis heute ist damit die Sorge nicht gänzlich ausgestorben, dass die Pocken einmal als Biokampfstoff genutzt werden könnten.

Die synthetische Biologie ist inzwischen in der Lage, Viren im Labor nachzubauen. "Man kann mit molekularen Methoden aus dem künstlich hergestellten Genom wieder infektiöse Viruspartikel herstellen", sagt der Immunologe Andreas Nitsche vom Robert-Koch-Institut. Grund zur Panik aber gebe es nicht. Daraus Biowaffen herzustellen, sei viel zu kompliziert und zu aufwändig.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 26. Oktober 2019 ebenfalls an die Ausrottung der Pocken. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 26.10.2019, 00:00