Gründung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen

15. Oktober 1999 - "Ärzte ohne Grenzen" bekommt Friedensnobelpreis

Stand: 15.10.2019, 00:00 Uhr

"Es gibt sonst niemanden, der sich um uns kümmern würde", erzählt der herzkranke Hamad Najar. Der 63-Jährige ist aus Syrien im Flüchtlingslager Beirut gelandet und auf Hilfe angewiesen. "Ärzte ohne Grenzen sind für uns wie Engel, die kommen, um uns zu retten", sagt Najar dankbar.

Nazek Raouf ist einer der "Engel". Die ehemalige Bonner Oberärztin ist für "Ärzte ohne Grenzen" vom Rhein nach Beirut gewechselt. Sie wollte Sinnvolles tun, nachdem ihre eigenen Kinder groß waren und das Leben am Rhein allzu bequem zu werden schien. Jetzt kommt sie kaum zur Ruhe. Die Krankenstation im Lager war angelegt für 500 Patienten im Monat. "Aber jetzt sehen wir 7.000. Wir explodieren", sagt die Ärztin.

"Ärzte ohne Grenzen" bekommt Friedensnobelpreis (am 15.10.1999)

WDR 2 Stichtag 15.10.2019 04:12 Min. Verfügbar bis 12.10.2029 WDR 2


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Behandeln und Bezeugen

Raouf war auch schon im Jemen tätig, wo eine Cholera-Epidemie wütet. Die Bonnerin ist eine von rund 40.000 Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern- und pflegern, Hebammen und Logistikern, die derzeit für "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz sind: da wo Krieg herrscht, wo Epidemien wüten, wo Naturkatastrophen Menschenleben in Gefahr bringen.

Gegründet wurde die Hilfsorganisation 1971 von französischen Ärzten nach einem Einsatz im Biafra-Krieg, bei dem Nigerias Regierung hunderttausende Menschen verhungern ließ. Künftig wollen die Mediziner nicht mehr – wie vom Roten Kreuz angeordnet – über ihre Erlebnisse schweigen. Behandeln und Bezeugen werden zum Leitspruch für "Ärzte ohne Grenzen".

Seennotrettung im Mittelmeer

Die norwegische Königsfamilie und Vertreter von "Ärzte ohne Grenzen"

Die Übergabe des Nobelpreises

Fortan heilen die Mitarbeiter Wunden und machen Missstände öffentlich – politisch unabhängig und oftmals unbequem. Zwei gute Gründe, um die Hilfsorganisation am 15. Oktober 1999 mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen. Die Nachricht löst auch in Deutschland große Freude aus. "Einige der 14 Mitarbeiter hatten eigentlich frei heute, kamen aber sofort freudestrahlend in die Zentrale im Bonner Norden, um die ziemlich unerwartete Ehrung voll auszukosten", berichtet der WDR an diesem Tag.

Nicht nur das Spendenaufkommen steigt in der Folge, auch die Anfragen nach möglichen Einsätzen im Ausland. Heute ist "Ärzte ohne Grenzen" in 70 Ländern aktiv. Arbeit gibt es genug, wie etwa der Ausbruch des Ebola-Fiebers in Westafrika 2014/2015. Auf dem Höhepunkt der Epidemie sind mehr als 4.000 Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz.

Auch bei der Seenotrettung im Mittelmeer ist die Hilfsorganisation dabei, trotz aller Kritik an den privaten Rettungsbooten von politischer Seite. Denn die "Ärzte ohne Grenzen" sind überzeugt: "Jedes Menschenleben ist es wert, gerettet zu werden." 

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