27. Mai 2010 - Vor 100 Jahren: Todestag des Mediziners Robert Koch

Stichtag

27. Mai 2010 - Vor 100 Jahren: Todestag des Mediziners Robert Koch

Als Robert Koch am 11. Dezember 1843 in Clausthal im Harz geboren wird, sind die Ursachen für Krankheiten wie Milzbrand, Cholera und Tuberkulose unbekannt. Ausdünstungen und schlechte Luft gelten als mögliche Auslöser. Robert Koch, zunächst Kreisarzt bei Poznan im heutigen Polen, beweist erstmals: Nichts anderes als Bakterien, mikroskopisch kleine Lebewesen, sind die Ursache für Infektionskrankheiten. 1873 weist er den spezifischen Erreger des Milzbrandes nach, 1882 den der Tuberkulose, 1883 den der Cholera. Er nutzt das Medium der Mikroskop-Fotografie, um die fürs menschliche Auge unsichtbaren Erreger sichtbar zu machen: schwarze Linien und Punkte in weißen Kreisen oder auf grauem Grund. Koch revolutioniert mit seinen Erkenntnissen bereits zu Lebzeiten Medizin und Hygiene.

Das Tuberkulin-Debakel

Seit 1880 arbeitet Koch am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin, 1885 erhält er eine Professur an der Universität und leitet das Hygieneinstitut. Doch Koch will nach der Entdeckung des Tuberkuloseerregers endlich ein Heilmittel liefern. Er fühlt sich unter Druck gesetzt: Einer seiner Schüler, Emil von Behring, bekommt vor ihm den Nobelpreis und sein ärgster Konkurrent Louis Pasteur in Paris hat erste Impfstoffe gegen die Cholera entwickelt. Am Ende eines Vortrages auf einem medizinischen Kongress erwähnt Koch 1890 erstmals das Heilmittel Tuberkulin, dass "nicht nur im Reagenzglas, sondern auch im Tierversuch das Wachstum der Tuberkelbazillen aufzuhalten imstande ist." Damit löst er eine Euphorie aus, den so genannten Tuberkulinrausch: Kranke aus dem ganzen Land strömen nach Berlin, um sich behandeln zu lassen.

Was Koch verschweigt: Der Wirkstoff ist keine chemische Substanz sondern ein Bakterienextrakt. Und: Er hat ihn an Menschen nie getestet. Und so erfüllen sich die Erwartungen nicht, Tuberkulin ist beim Menschen wirkungslos. Koch gilt bald als egoistischer Geschäftsmann, der vor allem finanziellen Profit aus dem Tuberkulin schlagen will. Gleichzeitig löst er einen gesellschaftlichen Skandal aus: Der 47-jährige verheiratete Professor stürzt sich in eine Liebesaffäre mit einer 17-jährigen Kunststudentin, die er später auch heiratet. Dennoch wird er 1891 zum Leiter des neu gegründeten Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin ernannt, dem heutigen Robert-Koch-Institut.

Forschung in aller Welt

Ab 1896 ist er ständig auf Reisen, macht wieder Jagd auf Krankheitserreger in den Kolonien der Weltmächte. In Indien erforscht er die Pest, in Jakarta die Malaria, in Ostafrika die Schlafkrankheit. Aus dem südlichen Afrika schreibt er an einen Kollegen: "Bei uns zu Hause ist vieles nun schon so gründlich aufgearbeitet und die Konkurrenz eine so gewaltige, dass es sich wirklich nicht mehr lohnt, dort zu forschen. Hier draußen aber, da liegt noch das Gold der Wissenschaft auf der Straße." 1905 unterbricht er seine Reisen, um in Stockholm den Medizin-Nobelpreis abzuholen, den er für seine Tuberkulose-Forschung erhält. Er stirbt am 27. Mai 1910 nach einem Herzanfall. Bis zu seinem Tod weigert er sich, das Scheitern seiner Tuberkulin-Therapie zuzugegen. Eine wirksames Heilmittel gegen die Tuberkulose gibt es bis heute nicht.

Stand: 27.05.10