15. März 1955 - Erste deutsche Verbraucherberatung in Köln eröffnet

Schaufenster der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen

15. März 1955 - Erste deutsche Verbraucherberatung in Köln eröffnet

Wer bei Pauschalreisen oder Stromverträgen übervorteilt wurde, Werbelügen aufgesessen ist oder Ärger mit einer Versicherung hat, der erhält Rat bei einer Verbraucherberatungsstelle. Die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland wird vor 65 Jahren in Köln gegründet.

Die Initiative geht von Kölner Frauen aus, die in Konsumgenossenschaften und Frauenverbänden organisiert sind. Vom 15. März 1955 an beantworten sie ehrenamtlich und von zuhause aus Verbraucherfragen, meist telefonisch oder am Küchentisch.

Die erste Verbraucherzentrale öffnet in Köln (am 15.03.1955)

WDR 2 Stichtag 15.03.2020 04:10 Min. Verfügbar bis 13.03.2030 WDR 2

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Erziehung zur Einkaufsdisziplin

Probleme beim Einkaufen sind im beginnenden Wirtschaftswunder ein großes Thema. Orientierungshilfe und Produktinformationen erhalten Kunden nur über die Reklame. Die Verpflichtung zur Preisauszeichnung oder ein Verbot irreführender Werbung gibt es noch nicht.

Die Frauen der "Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände" warnen vor allem Kundinnen vor "rausgeworfenem Geld". Sie informieren über kluges Einkaufen und wie man mit dem Haushaltsgeld auskommt. "Kölns Hausfrauen sollten zu größerer Einkaufsdisziplin erzogen werden, nannte man das damals", sagt Diana Meschke, die heutige Leiterin der Verbraucherzentrale Köln.

Technische Beratung bei Elektrogeräten

Die erste offizielle Beratungsstelle in eigenen Räumen mit einer angestellten Mitarbeiterin öffnet 1961 in Köln. Nun halten elektrische Geräte Einzug in die Haushalte und werfen neue Fragen auf. Die Beratungsstelle wandelt sich zum Maschinenpark für Haushaltstechnik; Waschmaschinen reihen sich an Elektroherde und Bügelautomaten.

In modernen Einbauküchen führen die Berater vor, welche Möglichkeiten der Arbeitsplatz Haushalt nun bietet: "Die Hausfrau mit Köpfchen ist eine Hausfrau mit Knöpfchen. Geräte erleichtern ihr die Küchenarbeit." Mit den Maschinen im Haushalt beginnen auch Männer, sich für Verbraucherberatung zu interessieren.

Neuer Schwerpunkt Online-Handel

Aus ehrenamtlichen Anfängen entstanden, haben sich die Beratungsstellen zu professionellen, von Bund und Land geförderten Vereinen entwickelt. Seit den 80er Jahren gehört auch Rechtsberatung zu ihren Leistungen. Anders als die reine Schuldnerberatung ist diese aber kostenpflichtig.

Einen immer höheren Stellenwert, so erklärt die Verbraucherschützerin Diana Meschke, nimmt der Online-Handel ein: "Da kann es für Kunden schon schwierig sein, überhaupt mit dem Unternehmen in Kontakt zu kommen." Seit 2018 kann der Bundesverband der Verbraucherzentralen zudem Musterklagen vor Gericht durchfechten, wenn sich viele Kunden von einem Unternehmen übers Ohr gehauen fühlen.

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Stand: 15.03.2020, 00:00