28. März 1981 - Fahrgastverband "Pro Bahn" wird gegründet

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28. März 1981 - Fahrgastverband "Pro Bahn" wird gegründet

Eigentlich kann man kaum besser reisen als mit dem Zug, sagt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes "Pro Bahn": "Ich kann arbeiten, schlafen, essen, mich unterhalten, Musik hören." Dennoch besteht zwischen der Bahn und ihren Kunden eine Art Hassliebe. Denn Bahnfahren heißt auch: Verspätungen, Zugausfälle, dreckige Sitze, eklige Toiletten, Anschlüsse passen nicht. Deshalb wird am 28. März 1981 in Köln der Verein "Pro Bahn" gegründet. Zweck der neuen Institution mit Sitz in Bonn ist die Verbraucherberatung und die Vertretung der Kundeninteressen.

Im Gründungsjahr von "Pro Bahn" steht die Idee im Raum, zwei Drittel des Bahn-Schienennetzes stillzulegen. "Das war ein Horrorszenario für uns und wir haben damals angefangen, für eine Bahn zu kämpfen, mit der man alle wesentlichen Ziele der Republik erreicht", sagt Naumann. Seitdem setzt sich der Verband, dessen Mitglieder ehrenamtlich tätig sind, nicht nur gegen die Stilllegung von Strecken und Haltestellen, sondern auch gegen unübersichtliche Preissysteme und Verwirrung am Ticketautomaten ein.

Von der Bahn verklagt

Die Deutsche Bahn (DB) ist nicht erfreut über die Kritik von "Pro Bahn": Wegen der Behauptung, jeder zweite Kunde zahle zu viel für sein Ticket, verklagt Bahnchef Hartmut Mehdorn Anfang 2003 den damaligen Verbandschef Naumann persönlich. Der Fahrgastverband erwecke mit dieser Aussage den Eindruck, die DB haue Millionen Kunden "mehr oder weniger bewusst übers Ohr". Ein halbes Jahr später zieht die Bahn ihre Klage zurück: Zuvor hat Naumann in einem Brief klargestellt, dass er nicht alle Kunden der Bahn gemeint habe.

Naumann ist von 1996 bis 2012 Chef von "Pro Bahn". Gegen Ende seiner langen Amtszeit kommt es allerdings zu einem Eklat. Der Grund: Als er seinen Erwerbsjob in einem Chemielabor verliert, verhandelt Naumann mit Bahnchef Rüdiger Grube über eine Art Beratervertrag. Finanziert werden soll das Projekt aus einem Fonds, der wesentlich von der DB mit Geld versorgt wird. Das sorgt für Unmut: Heiner Monheim, einer der drei stellvertretenden Vorsitzenden, tritt 2013 zurück und wirft dem Vorstand vor, "durch Annahme von Geldern aus dem Bahnumfeld" die Unabhängigkeit von "Pro Bahn" aufzugeben. Winfried Karg, ein anderer "Pro Bahn"-Vize hingegen widerspricht: Die Bahn finanziere zwar den Fonds, bestimme aber nicht über die Verwendung der Mittel. Das Projekt kommt zustande, als Naumann nicht mehr Vorsitzender von "Pro Bahn" ist - aber Ehrenvorsitzender bleibt.

Kritik an Bahn-Kommunikation

"Aufwändige Technik und moderne Elektronik - die Reisenden merken davon nichts. Aber sie können sich darauf verlassen, dass sie sicher und pünktlich ankommen", verspricht die Bahn in ihren Werbespots schon in den 1970er Jahren. Doch das entspricht nicht immer den Tatsachen. In den letzten Jahren haben im Sommer defekte Klimaanlagen für überhitzte Großraumwagen gesorgt und im Winter verreiste Oberleitungen zahlreiche Züge lahm gelegt. In solchen Krisensituationen trete das Kommunikationsproblem der Bahn besonders schlimm zutage, sagt Naumann: "Was mich wirklich ärgert, sind schlechte Informationen."

Kommt es bei Fahrkartenkontrollen oder Verspätungen zu Auseinandersetzungen mit den Fahrgästen, können die Zugbegleiter das Verhalten ihres Gegenübers mit fünf Kategorien bewerten: uneinsichtig, kooperativ, beleidigend, aggressiv, hilflos. Solange Bahnkunden eine solche Möglichkeit der Bewertung gegenüber den Bahnmitarbeitern nicht haben, wollen sich die rund 4.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter bei "Pro Bahn" weiter in Gremien, Beiräten und Verkehrsbündnissen für die Rechte von Fahrgästen einsetzen.

Stand: 28.03.2016

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Stand: 28.03.2016, 00:00