Der  US-amerikanische Popkünstler Andy Warhol vor Bilder aus seiner Serie "Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century". 1980

22. Februar 1987 – Andy Warhol stirbt in New York

Stand: 17.02.2022, 11:47 Uhr

Andy Warhol mischt nicht nur mit Campell's Suppendosen und bunten Porträts die New Yorker Kunstszene auf. Um den Pop-Art-Künstler und sein legendäres Atelier "Factory" ranken sich bis heute schrille Geschichten und Gerüchte.

Andy Warhol, US-Künstler (Todestag am 22.02.1987)

WDR ZeitZeichen 22.02.2022 14:34 Min. Verfügbar bis 23.02.2099 WDR 5


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Mitte der 1950er-Jahre hat sich Andy Warhol als Werbegrafiker in New York einen Namen gemacht. Der Sohn osteuropäischer Einwanderer möchte aber lieber als Künstler Ruhm – und Reichtum – erlangen. In der Kunstszene geben Maler wie Jackson Pollock, die mit nacktem Oberkörper Farbe auf Bilder schütten, den Ton an.

Auf der Suche nach originellen Ideen rät ihm schließlich eine Galeristin: "Mal’ doch einfach, was du am liebsten magst." Kurzerhand bringt Andy Warhol Dollarscheine und Campbell's Suppendosen auf Leinwände.

"Ich male einfach Dinge, die ich immer schon schön fand. Dinge, die man jeden Tag benutzt, ohne über sie nachzudenken", erklärt er im Time Magazine. Seine Idee, Konsumgüter als Kunstwerke zu inszenieren, gilt als revolutionär. 1962 werden seine Suppendosen erstmals in einer Galerie gezeigt, und Andy Warhol avanciert zum neuen Talent der Kunstwelt.

Das Alltägliche wird zur Kunst

Blumen, Köpfe, Kühe, Cola kommen bald per Siebdruck und in Serie auf den Markt. Marilyn Monroe verschafft Warhol den letzten Kick seiner Karriere: Die auf das Wesentliche reduzierten bunten Köpfe der Schauspielerin werden zu Ikonen der Kunstgeschichte.

Weitere Prominente wie Jackie Kennedy, Elvis Presley, Liza Minelli, Liz Taylor, Mao bekommen Porträts im gleichen Stil. Später malt Warhol jeden, der das fünfstellige Honorar bezahlt. Der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Andrew Warhola wird als Andy Warhol einer der berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts.

Kunst und Drogen in der "Factory"

Produziert werden die bunten Pop-Art-Werke mit seinen Mitarbeitern in der "Factory". Das Atelier in einer ehemaligen Fabrik wird zum Experimentierraum für Künstler:innen, Musiker:innen, Schauspieler:innen, Homosexuelle. Die meisten wollen berühmt werden und miteinander Kunst machen, außerdem feiern und high sein.

Andy Warhol ist wohl eher Beobachter als Teilnehmer der ausschweifenden Partys. Sein Spitzname: Drella. Eine Mischung aus Dracula und Cinderella. Ein Wesen, das zuckersüß sein kann und seine Mitmenschen dennoch aussaugt, vor allem deren Kreativität anzapft. 

Andy Warhol stirbt zweimal

Im Juni 1968 wird Andy Warhol von der radikalen Feministin Valerie Solanas mit mehreren Schüssen lebensgefährlich verletzt. Danach leidet er psychisch wie physisch unter den Folgen des Attentats. Seine Kreativität allerdings nicht. Andy Warhol erfindet sich ständig neu, bricht die Grenzen von Malerei, Skulptur, Film und Musik auf.

"Andy Warhol war genau so ein Genie wie Leonardo da Vinci oder Rembrandt", sagt Blake Gopnik, der eine Biografie über Warhol geschrieben hat. "Sie alle waren Avantgarde-Figuren, die zu ihrer Zeit interessante neue Dinge taten, und das war es, was Warhol wollte." Am 22. Februar 1987 stirbt Andy Warhol an den Komplikationen einer Gallenoperation.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Anke Rebbert
Redaktion: Matti Hesse

Programmtipps:

ZeitZeichen auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 22. Februar 2022 an Andy Warhol. Das ZeitZeichen gibt es auch als Podcast.

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