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20. Juli 1546 - Beginn des Schmalkaldischen Krieges

Kaiser Karl V. von Habsburg

20. Juli 1546 - Beginn des Schmalkaldischen Krieges

Katholisch oder lutheranisch? Das ist im Reich Karls V. mehr als eine Glaubenssache. Es geht um Geld und Macht - ein Konflikt, der zum ersten Religionskrieg auf deutschem Boden führt.

Beginn des Schmalkaldischen Kriegs (am 20.07.1546)

WDR ZeitZeichen 20.07.2021 14:44 Min. Verfügbar bis 21.07.2099 WDR 5


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Kaiser Karl V. ist der mächtigste Mann der Welt. Er herrscht über weite Teile Europas und Amerikas in einem Reich, "in dem die Sonne nie untergeht". Aber dieses Reich ist in Gefahr: Der katholische Glauben wird durch Reformatoren wie Martin Luther in Frage gestellt. Und damit droht das Band zu zerreißen, das die Untertanen im riesigen Habsburger Reich eint.

Ein Pakt gegen den Kaiser

Luthers Thesen finden Anklang, vor allem bei den mächtigen Fürsten in Deutschland. Für sie ist die Hinwendung zum Protestantismus nicht nur eine Glaubensfrage, es ist die Chance, ihre Position auf Kosten des Kaisers zu stärken. Ihnen ist klar, dass Karl das nicht hinnehmen würde. Deswegen gründen Grafen, Herzöge, Reichs- und Hansestädte im hessischen Schmalkalden 1531 einen Bund - ein militärischer Pakt, gerichtet gegen den Kaiser.

Der Konflikt schwelt jahrelang

Es dauert 15 Jahre, bis der Kaiser an einen Krieg denken kann. Er muss erst andere Konflikte lösen, mit den Franzosen, Italienern und Osmanen. Ihm fehlen auch Mittel und Männer für einen Krieg gegen die deutschen Fürsten. Doch dann gibt der Papst Geld, katholische - und einige protestantische - Fürsten stellen sich an seine Seite.

Der Schmalkaldische Bund will nicht darauf warten, dass der Kaiser los schlägt, und mobilisiert seine Truppen. Karl reagiert: Weil sie "schmählichen Hochverrat an Kaiser und Reich" begangen hätten, verhängt er am 20. Juli 1546 die Reichsacht gegen Johann Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen. Die beiden wichtigsten Führer des Bundes gelten von nun an im ganzen Reich als rechtlos.

Die Fürsten sind uneins

Es ist ein eher symbolischer Akt. Entscheidender für den Verlauf des Krieges sind die Übermacht der kaiserlichen Truppen und die Uneinigkeit der Gegner. Im April 1547 werden die Protestanten in der Schlacht von Mühlberg vernichtend geschlagen - kein Jahr nach Beginn des Krieges ist er wieder vorbei. Aber weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands sind verwüstet, die Menschen von Seuchen, Plünderungen und Belagerungen gezeichnet.

Ein Sieg, kein Frieden

Karls Sieg über die Protestanten ist nur von kurzer Dauer. Der Schmalkaldische Bund wird zwar aufgelöst, die beiden Führer Johann Friedrich und Philipp bleiben jahrelang Karls persönliche Gefangene. Aber die Fürsten im Reich geben keine Ruhe, bis der Kaiser Zugeständnisse macht: "Cuius regio, eius religio" - "wessen Land, dessen Glaube".

Karl V. tritt 1555 desillusioniert zurück, die Einheit des Reiches und des Glaubens hat er nicht wahren können. Der Konflikt um Glauben und Macht aber schwelt weiter: Zwei Generationen später bricht der 30-Jährige Krieg aus.

Autor des Hörfunkbeitrags: Heiner Wember
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 20. Juli 2021 an den Beginn des Schmalkaldischen Krieges. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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