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Das Beitragsbild des WDR3 Kulturfeature "Der wilde Hartwig" zeigt ein Porträt des Malers Hartwig Ebersbach

Der wilde Hartwig - Portrait des Leipziger Malers Ebersbach

Seit mehr als 60 Jahren malt Hartwig Ebersbach seine Seele auf Leinwand, Holz und Pappe. Expressiv im Farbrausch. Als der Leipziger in der DDR aneckte, erfand er sein Alter Ego, den Kaspar. Gemeinsam haben sie Kunstgeschichte geschrieben.

Von Norbert Wartig und Martin Bohne

Im Jahr 1962 entstand sein Bild „Versuch einer Deutung“. Damals - noch Student an der bekannten Leipziger „Hochschule für Grafik und Buchkunst“- stand Hartwig Ebersbach noch ganz am Anfang seiner Karriere. Das Bild ist ein großes Selbstporträt voller Fragen nach der eigenen Stellung in der Gesellschaft. Heute ist Ebersbach immer noch auf der Suche – mittlerweile aber nach seinem Platz in der deutsch-deutschen Kunstgeschichte. In der DDR-Kulturpolitik mit Repressionen und Ausstellungsverboten belegt, erfand er zur Maskerade die Figur des Kaspars. Die Abstraktion des Kaspers verschaffte Ebersbach eine Sonderstellung abseits vom sozialistischen Realismus. Dann kam der Mauerfall. Er stellte auch in den Künstlerbiografien so einiges auf den Kopf. Seit 1989 mussten sich die Künstler aus der DDR im gemeinsamen „Westen“ neu behaupten. Ebersbach ist ein Sonderling geblieben. Mit seinem unglaublichen Kunstschaffen und Werken im Deutschen Bundestag, der Berliner Nationalgalerie und nicht zuletzt als ein beachtlicher Teil der Aachener Sammlung Ludwig – hat er längst seinen Eintrag in die Kunstgeschichte gefunden. Nun fordert sein Alter Ego aber mehr Würdigung und Prestige für sein Lebenswerk.

Der wilde Hartwig - Portrait des Leipziger Malers Ebersbach

WDR 3 Kulturfeature 15.10.2022 54:51 Min. Verfügbar bis 14.10.2099 WDR 3 Von Norbert Wartig und Martin Bohne


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Der wilde Hartwig - Portrait des Leipziger Malers Ebersbach

Hartwig Ebersbach war in der Kunstszene der DDR fest verwurzelt. Als Maler, Performer oder Bühnenbildner hat er immer wieder sein Werk auch in Szene gesetzt. Selbst die Vernichtung eigener Gemälde zelebriert er - nun gesamtdeutsch - feierlich.

Hartwig Ebersbach, links im Bild, zeichnet auf einem großformatigen Zeichenblatt. Über seine Schulter schaut der Kommilitone Hanno Rauch.

Hartwig Ebersbach mit Hanno Rauch

Hartwig Ebersbach mit Hanno Rauch (Vater des Malers Neo Rauch) während des Grundstudiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig im Jahr 1960.

Hartwig Ebersbach mit Hanno Rauch

Hartwig Ebersbach mit Hanno Rauch (Vater des Malers Neo Rauch) während des Grundstudiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig im Jahr 1960.

Ebersbachs Werk „Versuch einer Deutung I

Ebersbachs Werk „Versuch einer Deutung I“ aus dem Jahr 1962: Eine altmeisterliche Darstellung einer so erlebten Kneipenszene. Ebersbach selbst steht als Trommler und Anführer des Tumults im Vordergrund.

Aufnahme von André Adolphe-Eugène Disdéri aus dem Jahr 1871

Eine Aufnahme von André Adolphe-Eugène Disdéri aus dem Jahr 1871: die Leichen der Pariser Kommunarden.

Gemälde „Widmung an Chile“

Das Thema der Totenstimmung von André Adolphe-Eugène Disdéri übersetzt Ebersbach in sein Gemälde „Widmung an Chile“ aus dem Jahr 1974 – der politische Hintergrund war der blutige Putsch des Generals Augusto Pinochet.

„Kammerspiel  II - missa nigra“

Aufführung des „Kammerspiel  II - missa nigra“ von Friedrich Schenker im Jahr 1978. Ebersbach führte Regie, entwarf das Bühnenbild und die Kostüme der Schwarzen Messe.

Performance der Gruppe 37,2,

„Ich’s – Apokalyptus“ nach Texten von Tohm di Roes, Performance der Gruppe 37,2, Aufführung im Kulturhaus Nationale Front, Leipzig, 1983: Auftritt Hartwig Ebersbach.

Vortrag von Hans-Joachim Schulze

Vortrag von Hans-Joachim Schulze in der Galerie Oben in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Mittig auf dem Boden: Hartwig Ebersbach.

Museum der bildenden Künste Leipzig

Hartwig Ebersbach im Museum der bildenden Künste Leipzig im Jahr 2022: Kaspar/Abwicklung eines Portraits I (1973) an der Wand. Auf dem Boden „Boot II“ (1988).

„Brennender Mann I“

Das Meisterwerk „Brennender Mann I“ (1966) begleitet Ebersbach bis heute.

Vernichtung als Teil des Werkes

Die Vernichtung als Teil des Werkes: Ebersbach zelebriert im Garten vor seinem Atelier die Zerlegung (2021).

Ausstrahlung am Samstag, den 15. Oktober 2022 um 12.04 Uhr
Wiederholung am Sonntag, den 16. Oktober 2022 um 15.04 Uhr
Von: Norbert Wartig und Martin Bohne
Regie: Friderike Wigger
Redaktion: Leslie Rosin
Produktion: WDR 2022