Verena Güntner - "Power"

Verena Güntner über "Power"

1LIVE Stories.

Verena Güntner - "Power"

Eine Gruppe Kinder, die in den Wald zieht, nichts mehr mit den eigenen Eltern zu tun haben will und sich zu einem Rudel Hunde ausbildet. Die Geschichte, die Verena Güntner sich für ihren neuen Roman "Power" ausgedacht hat, klingt zusammengefasst wie ein etwas schräger Alptraum. Beim Lesen hat man aber eher das Gefühl, in einem modernen Märchen gefangen zu sein und nach und nach selber Teil des Rudels zu werden. 

Verena Güntner liest aus "Power"

1LIVE 28.06.2020 50:40 Min. Verfügbar bis 28.06.2021 1LIVE

Kerze hält, was sie verspricht. Immer! So soll es auch diesmal sein. Sie hat der alten Witwe Hitschke versprochen, ihren Hund Power wiederzufinden. Der ist nämlich verschwnden. Ihre Suche beginnt als klassische Kinder-Detektivarbeit. Sie recherchiert, fragt nach und sammelt Spuren, doch Power bleibt verschwunden. Nach und nach ändert Kerze ihre Strategie und beginnt, sich selber wie ein Hund zu verhalten. Sie geht auf allen Vieren, isst vom Boden und bellt statt zu reden. Immer mehr Kinder schließen sich ihr an, bleiben jeden Tag länger im Wald, trainieren unter Kerzes Anleitung ihre Körper, basteln sich Schwänze und kehren schließlich gar nicht mehr nach Hause zurück. Dort sitzen die Eltern weinend im Wohnzimmer, verstehen die Welt nicht mehr, sind erst geschockt, dann verzweifelt und schließlich kippt die Stimmung im Dorf. Übrig bleibt nur ein Gefühl: Wut. 

Verena Güntner hat mit "Power" eine Geschichte geschrieben, die einen als Leser*in auf jeder Seite fordert. Wer nicht zumindest versucht zu verstehen, was da in den Kinderköpfen vor sich geht, wird das Buch wahrscheinlich nach wenigen Kapiteln abbrechen. Alle anderen erwartet ein gesellschaftskritischer Roman, der zum Nachdenken anregt und Fragen aufwirft: Wie groß ist die Kluft zwischen Kindern und Erwachsenen? Wie weit haben wir uns als Menschen von der Natur entfernt? Und warum kann ein verschwundener Hund einen solchen Sog auslösen? In der 1LIVE Lesung hören wir nicht nur ein paar besonders gute Stellen aus dem Buch, sondern werden im Gespräch mit Autorin Verena Günther auch die Antworten auf diese Fragen finden.

Das Buch in einem Satz

​Ein elfjähriges Mädchen sorgt dafür, dass die Kinder eines Dorfes in den Wald ziehen und nach kurzer Zeit zu einem Rudel zusammenwachsen, das eine Mission hat.

Besonders weil...

...die Spießigkeit und menschliche Distanz der Erwachsenen im Dorf im kompletten Gegensatz zur zügellosen Wildheit der Kinder im Wald steht. 

Für Fans von 

Büchern, die wie Jugendromane klingen, aber zu 100% für Menschen gedacht sind, die so langsam den Stempel "erwachsen" tragen. 

Stand: 22.06.2020, 16:51