Wechsel zu Altkatholik:innen – eine Alternative?

Lokalzeit Münsterland 27.09.2022 03:16 Min. Verfügbar bis 27.09.2023 WDR Von Heike Zafar

Altkatholiken in Münster freuen sich über Zulauf

Stand: 27.09.2022, 12:38 Uhr

Viele katholische Christen sind wegen des schleppenden Reformprozesses frustriert. Sie treten aus oder suchen Alternativen - einige entdecken dabei die Altkatholiken.

Von Heike Zafar

Katholisch sein in einer Kirche ohne Papst und  Zölibat, mit gleichen Rechten für Männer und Frauen, das wird für immer mehr Menschen attraktiv. So sind der altkatholischen Gemeinde in Münster in diesem Jahr 15 neue Gemeindemitglieder beigetreten. Insgesamt zählt sie nun rund 270 Mitglieder. Ihr Gebiet reicht von Ostwestfalen bis an die niederländische Grenze.

Missbrauchs-Skandal löste Wechsel aus

Familie Maikowski bei der Taufe ihrer Tochter Elisabeth.

Familie Maikowski bei der Taufe

Neu in der Gemeinde sind auch Jola und Felix Maikowski. Der massenhafte sexuelle Missbrauch durch Priester und die schleppende Aufarbeitung waren für sie Gründe, zu den Altkatholiken zu wechseln. Den letzten Ausschlag für sie gab dann die Geburt ihrer Tochter Elisabeth. "Wir konnten sie nicht römisch-katholisch taufen lassen, in dem Wissen, dass sie dann niemals Priesterin werden darf", sagt Vater Felix Maikowski.

Gläubige nehmen weite Wege auf sich

Inzwischen ist Elisabeth altkatholisch getauft. Ihre Eltern und die zwei Brüder besuchen regelmäßig die altkatholischen Gottesdienste, die sonntags in der evangelischen Markus-Gemeinde in Münster oder aber auch in Bielefeld oder Paderborn stattfinden.

Und die weiten Wege sind eben auch ein Problem für die kleine Gemeinde. "Manche Gemeindemitglieder fahren anderthalb Stunden zu den Gottesdiensten", sagt Klara Robbers, die seit 2014 Priesterin ist. Die 39-Jährige hofft, dass ihre Gemeinde irgendwann eine eigene Kirche hat.

Früher fest in der römisch-katholischen Kirche verwurzelt

Klara Robbers war früher - wie viele andere auch - fest in der römisch-katholischen Kirche verwurzelt. Sie hat Theologie studiert, ihre Eltern arbeiten beim Bistum Münster. "Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir da zu eng wird, dass ich eine neue Heimat suche", erzählt sie.

Damals habe sie auch ihre heutige Frau kennengelernt. "Und da war mit klar, dass ich gerne aufrecht als Christin ohne Geheimnistuerei leben möchte."