Schweigen und Entsetzen - Münster nach der Tat

Rettungskräfte nach der Attacke in Münster

Schweigen und Entsetzen - Münster nach der Tat

Von Katja-Corina Bothe

  • Stadtkern für Stunden gesperrt
  • Anwohner können nicht in ihre Wohnungen
  • Zahlreiche Blutspender melden sich in Uniklinik

Bedrückende Stille herrscht in Münsters Innenstadt. Der Stadtkern ist auch Stunden nach dem tödlichen Autofahrt gesperrt. Schwer bewaffnete Polizisten sichern den Bereich der Attacke ab. Vor der Absperrung der Polizei irren Bewohner des Viertels umher. Sie dürfen nicht in ihre Wohnungen.

Wie lange die Sperrung dauert - das ist unklar auch Stunden, nachdem ein Mann am Samstagnachmittag (07.04.2018) mit einem Kleintransporter in eine Menschenmenge gerast ist. Drei Menschen kamen ums Leben, darunter der Fahrer.

Zuflucht im Seniorenheim

"Ich hörte auf einmal Schreie", sagt ein Anwohner. "Dann sah ich junge Menschen rennen." Sehr schnell sei die Polizei gekommen. Dann mussten alle den Bereich verlassen. Eine Anwohnerin war nur kurz in ein Café gegangen. "Wäre ich bloß zuhause geblieben", sagt sie, während sie versucht herauszufinden, wann sie zurück in ihre Wohnung kann.

Viele Bewohner des Innenstadtviertels suchen Zuflucht in einem nahen Seniorenheim. Es ist nur wenige Schritte vom Tatort entfernt. Eine Mitarbeiterin des Hauses berichtet von zahlreichen Anrufen besorgter Angehöriger, die wissen wollen, ob es allen Bewohnern des Seniorenheims gut geht.

Das Entsetzen kommt langsam

Die Atmosphäre direkt nach der Tat beschreiben die Passanten als sonderbar. "Alle saßen vor den Cafés und genossen die Sonne", sagt eine Münsteranerin. "Eine Verkäuferin in einem nahen Geschäft wusste schon von dem Anschlag, aber draußen vor der Tür, nur wenige Gehminuten von dem Anschlagsort entfernt, war alles wie immer."

Erst nach einer Weile habe sich der Vorfall herum gesprochen. Erst langsam kam das Entsetzen. Zwei Stunden nach der Tat strömen die Menschen aus der Stadt - im Bus, auf dem Rad, im Auto. Viele sehen betroffen aus, einige weinen.

Bewaffnete Polizisten stehen in der Innenstadt. In Münster sind am Samstag mehrere Menschen gestorben, als ein Auto in eine Menschenmenge fuhr

Bürgermeister Lewe dankte den Einsatzkräften

Die Menschen, die noch in der Innenstadt sind, stehen schweigend in Grüppchen zusammen. Sie sind schockiert, betroffen, besorgt. Sirenen der Polizeifahrzeuge durchbrechen hin und wieder die Stille. Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) spricht in zahlreiche Mikrofone. Er spricht von einem "Anschlag mitten ins Herz der Stadt" und davon, gemeinsam mit den Münsteranern "die Geißel der Gewalt zu besiegen." Zudem bedankt er sich bei den zahlreichen Helfern.

Gerüchte machen die Runde

Warum der Bereich so lange abgesperrt ist, obwohl der Täter sich offenbar selbst in seinem Fahrzeug erschossen hat - die Polizei gibt den zahlreichen Journalisten nur sparsam Auskunft. Denn noch ist zunächst vieles unklar. Es wird untersucht, ob sich Sprengstoff im Auto befindet. Auch die Wohnung des Täters in der Innenstadt wird durchsucht.

Hubschrauber kreisen über der Stadt. Es machen Gerüchte die Runde. Gibt es weitere Täter, die flüchtig sind? Wer war der Mann, der in seinem Kleinlaster in eine Menschenmenge vor einem beliebten Touristenrestaurant gerast ist und dabei mindestens zwei Menschen tötete und etwa 20 weitere verletzte?

Am Abend heißt es: Es war ein Deutscher mit psychischen Problemen. Und es soll keine Mittäter geben. Die Münsteraner hat die Tat zusammengeschweißt. 500 Menschen stehen vor der Uniklinik, um Blut zu spenden. Der Bischof ruft zum stillen Gebet auf. Für Sonntagabend ist ein Gottesdienst geplant. Viele Menschen treffen sich am Abend mit Freunden, um zu reden und zu trauern um die Toten und Verletzten.

Stand: 07.04.2018, 19:36