Arbeiten in der Pflege: Mehr Wertschätzung und Entlastung

Lokalzeit Münsterland 12.05.2022 06:49 Min. Verfügbar bis 12.05.2023 WDR Von Florian Dolle

Arbeiten in der Pflege: Warum entscheidet man sich für diesen Beruf?

Stand: 12.05.2022, 20:00 Uhr

Franzi Wiggering ist 31 Jahre alt und absolviert auf dem zweiten Bildungsweg eine generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft. Am Tag der Pflege erzählt sie im Interview, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden hat.

WDR: Wie ist Ihre ausbildende Laufbahn bisher verlaufen?

Franzi Wiggering lehnt an einer Mauer und lächelt in die Kamera.

Franzi Wiggering hat lange über einen Berufswechsel nachgedacht

Franzi Wiggering: Ich habe natürlich auch das Vorurteil im Kopf gehabt, dass der Pflegeberuf schlecht ist, aber der Beruf an sich macht total viel Spaß und man wird herzlich aufgenommen und wächst über sich hinaus - sowohl schulisch als auch im praktischen Bereich.

WDR: Warum haben Sie sich denn ausgerechnet für diesen Job entschieden?

Wiggering: Ich habe lange überlegt, ob ich in die Pflege gehen soll. Sechs Jahre habe ich mir dafür Zeit gelassen. Und ich wurde auch immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob ich es wirklich machen will. Aber irgendwann habe ich einfach auf mein Bauchgefühl gehört. Man ist einfach immer nah am Menschen, man ist beratend da, man hilft.

WDR: Was ist Ihre Motivation im Job und was treibt Sie an?

Franzi Wiggering umarmt eine Patientin und lächelt dabei in die Kamera.

Franzi Wiggering schätzt besonders die Nähe zu den Menschen

Wiggering: Die Vielschichtigkeit und der Facettenreichtum. Durch die Generalistik lernen wir wirklich von der schwangeren Frau, der Entbindung und der Geburt bis zum sterbenden Menschen alles. Und einfach die Dankbarkeit, die man von den Menschen bekommt, die man versorgt. Es ist richtig, richtig schön - ich kann das gar nicht genau beschreiben!

WDR: Wenn man mal auf die so oft angesprochenen Schattenseiten des Berufes blickt: Wie sind denn bei Ihnen die Arbeitsbedingungen?

Wiggering: Ich wechsele in viele Einrichtungen und würde sagen, die Bedingungen gehen immer vom Team aus, also wie zufrieden oder unzufrieden die Personen dort sind. Aber ich bin jemand, der sagt, wenn irgendwas nicht passt. Und ich glaube, das ist ganz wichtig an dieser Stelle. Ich kann nicht sagen, dass es da und da ganz schlecht ist oder hier nur gut, sondern dass der Grundstein das Team und die Zufriedenheit sind.

WDR: Wie sieht es mit dem Gehalt aus?

Wiggering: Ich weiß definitiv, dass die Pflege finanziell nicht wertgeschätzt wird. Klar, mehr darf es immer sein. Ich finde eher, die Dankbarkeit und die Anerkennung von der Gesellschaft und von denen, die am höheren Hebel sitzen, sollte eine größere Rolle spielen. Auch wenn es natürlich mehr Geld sein dürfte, glaube ich, mehr Freipausen und Urlaubstage würden uns zum Beispiel schon entgegenkommen.

WDR: Wenn man an diesem Punkt mal ansetzt: Wie blicken Sie auf die hohe Arbeitsbelastung und den Personalmangel?

Wiggering: Es ist natürlich krass. Es gibt Stationen, die immer wieder unterbesetzt sind. Es gibt auch Stationen, die wegen eines guten Arbeitsklimas wenige Krankheitsfälle haben.

Aber wenn man jetzt die Seite sieht, wo die hohe Arbeitsbelastung da ist, kann ich ganz klar sagen: Wenn immer eingesprungen wird, ändert sich auch nichts. Klar springt man immer mal wieder ein oder tauscht einen Dienst, aber ich würde nicht auf Biegen und Brechen alles zu Hause stehen und liegen lassen und sagen, "Ich komme jetzt!".

WDR: Müsste es also Ihrer Meinung nach neben Veränderungen im politischen Bereich auch ein Umdenken im Personal geben?

Wiggering: Definitiv! Ganz, ganz krass! Also es ist nicht alles schlecht. Es wird intern viel schlecht gemacht, aber wir als Schülerinnen und Schüler werden gerade auch befragt, was man innerhalb der Konstrukte verändern kann, weil wir einfach nah dran sind.

WDR: Wenn diese Fragen gestellt werden, macht das dann Hoffnung, dass die Situation für Pflegekräfte besser wird?

Wiggering: Ja, definitiv! Ich glaube schon, dass eine Veränderung möglich ist, aber es sind halt immer alte Muster, die gebrochen werden müssen und da haben die alten Strukturen, glaube ich, Schwierigkeiten mit. Das ist eigentlich eine Symbiose aus allem.

Das Interview führte Simon Schoo.

Pflegefachkraft Franzi Wiggering

Franzi Wiggering ist 31 Jahre alt und absolviert gerade auf dem zweiten Bildungsweg eine Ausbildung zur Pflegefachkraft bei den Alexianern in Münster. Zuvor hat sie jahrelang als Floristin gearbeitet. Nach jahrelanger Überlegung hat sie sich aber doch für einen Pflegeberuf entschieden. Die nahe Arbeit mit Menschen und die Vielseitigkeit machen ihr besonders Spaß.

Über dieses Thema berichten wir am 12.05.2022 im WDR Fernsehen in der Lokalzeit Münsterland um 19.30 Uhr sowie im Radio auf WDR 2 in der Lokalzeit Münsterland.