Lächelwerk - Hilfe für krebskranke Kinder

03:54 Min. Verfügbar bis 12.01.2024

Lächelwerk - Hilfe für krebskanke Kinder

Stand: 12.01.2023, 15:22 Uhr

Alex Göbel hat 2017 "Lächelwerk e.V." gegründet, ein Krebs- und Sozialprojekt mit Sitz im sauerländischen Schmallenberg. Der Verein unterstützt Kinder und Jugendliche und deren Familien in schweren Lebenssituationen. Er finanziert sich aus Spenden.

WDR: Was brauchen Sie an Spenden pro Jahr?

Alex Göbel: Was ich sagen kann ist, dass wir für unsere Arbeit jedes Jahr Gelder im sechsstelligen Bereich benötigen. Zur Zeit betreuen wir 126 Kinder und Jugendliche bundesweit.

Alex Göbel - Gründer, Vorsitzender, Betroffener

Alex Göbel ist Gründer und 1. Vorstand der Vereins. Alex ist selbst betroffen: Er hat eine Krebserkrankung überstanden und musste schmerzvoll erfahren, wie schnell es geht, wenn sich das Leben von der einen auf die andere Sekunde ändert.

WDR: Können Sie ein Beispiel nennen?

Gründer Alex Göbel

Alex Göbel will anderen Betroffenen beistehen.

Göbel: Zum Beispiel Marcel. Der 20-Jährige hat einen schweren Herzfehler. Zusätzlich leidet er am seltenen Enteralen Eiweißverlustsyndrom. Er gibt keine Behandlung hier in Deutschland, nur in den USA. Dafür sammeln wir gerade Spenden. Wir brauchen weit über 200 000 Euro.

WDR: Sie gehen nicht mit der Spendendose herum?

Göbel: Natürlich haben wir Unterstützer, auf die wir zurückgreifen können, Firmen zum Beispiel. Doch jeder kann Spenden – auf unserer Internetseite.

WDR: Sie haben Lächelwerk e.V. 2017 gegründet. Zuvor waren Sie selber an Krebs erkrankt. Was treibt Sie an, sich für kranke Kinder und Jugendliche und deren Familien einzusetzen?

Göbel: Ich habe gemerkt, dass wenn man an Krebs erkrankt ist, alles zusammenbricht. Da greift plötzlich nichts mehr. Diese Lücke muss gefüllt werden. Wir dürfen diese Menschen, die so schwer erkrankt sind, nicht alleine lassen.

WDR: Wie kommen Sie und die Menschen, denen Sie helfen, zusammen?

Göbel: Da ist am Anfang eine Summe X, die man braucht, um das Leben eines Kindes zu retten. So entstehen Kontakte. Derjenige, der Hilfe braucht, muss sich bei uns melden. Damit ist der erste Schritt getan. Zu sagen, das schaffe ich alleine nicht.

Da ist eine Summe X, die man braucht, um das Leben eines Kindes zu retten. Alex Göbel

WDR: Sie betreuen nicht nur kranke Kinder, sondern auch deren Geschwister. Das sind unfassbar viele Schicksale.

Herzensprojekt Lächelwerk Homepage

Auf der Internetseite gibt es Infos zu Projekten und Spenden-Aktionen.

Göbel: Erschreckend ist, dass die Kinder immer jünger werden und die Krankheiten immer extremer. Da kann ich mal besser und mal schlechter mit umgehen. Meine Gefühle sind da genauso individuell wie die Kinder.

WDR: Haben Sie Wut im Bauch, dass so viele Familien das Lächelwerk brauchen?

Göbel: Ich habe definitiv Wut im Bauch. Die Betroffenen fühlen sich ohnmächtig, allein gelassen. Da müssen wir einfach da sein. Das ist eine Berufung.

WDR: Was stellt Lächelwerk auf die Beine?

Göbel: Wir finanzieren Therapien, schicken Familien in den Urlaub, bauen Häuser rollstuhlgerecht um, kämpfen mit Krankenkassen, holen Anwälte mit ins Boot, erfüllen letzte Kinderwünsche – sind einfach da.

WDR: Das hört sich an, als ob Sie ein riesiger Verein sind.

Göbel: Wir sind vier Festangestellte und ein Heer von freiwilligen Helfern.

WDR: Wie geht es jetzt mit Marcel weiter?

Eingenommene Spenden

Das Lächelwerk hat viele Unterstützerinnen und Unterstützer.

Göbel: Ich glaube, dass wir sehr wenig Zeit verschwenden sollten. Die Verträge mit der Klinik in den USA sind unterschrieben. Jeden Tag gehen Spenden für Marcel ein. Nicht genug.

WDR: Wird es klappen?

Göbel: Irgendwie klappt es immer.

Das Interview führte Katja Brinkhoff